Elf Einsprache-Parteien akzeptierten den Entscheid der Wiler Baukommission nicht und haben nun gemeinsam Rekurs beim kantonalen Baudepartement erhoben. Anfang Jahren waren 14 Einsprachen von eben dieser Baukommission abgewiesen worden. Das Bauvorhaben ist nach Ansicht der Rekurrenten überdimensioniert und unvereinbar mit bau- und umweltrechtlichen Vorschriften.

In der Grünzone würde die gleiche Lärmempfindlichkeits-Stufe gelten wie in der Bauzone. «Ein Gastronomiebetrieb mit 60 Sitzplätzen im Freien würde in einer Wohnzone niemals bewilligt. Der Entscheid der Baukommission erscheint insofern geradezu willkürlich», schreiben die Rekurrenten in einer gemeinsamen Stellungnahme. Und weiter: «Die Ansiedlung eines Betriebs dieser Grössenordnung würde die Ausscheidung einer Intensiverholungszone bedingen und wäre mit dem im Richtplan vorgesehenen Nutzungskonzept abzustimmen. Mit dem Bewilligungsentscheid umgeht die Baukommission faktisch das Nutzungsplanungsverfahren und bringt die Betroffenen so um ihre Mitwirkungsmöglichkeiten.»

«Weisse Schiffscontainer als Fremdkörper»

Ferner müssten sich Bauten und Anlagen in der Grünzone gut in die Umgebung einfügen, schreiben die Gegner. Der «Altstadtgarten» sei jedoch weder in gestalterischer noch in betrieblicher Hinsicht auf die sensible Umgebung abgestimmt. «Die weissen Schiffscontainer würden als Fremdkörper in Erscheinung treten und das durch den Betrieb ausgelöste Verkehrsaufkommen würde den Erholungswert des Stadtparks beeinträchtigen.»

Zudem wird argumentiert, dass der Stadtpark als Umgebungszone im Bundesinventar der geschützten Ortsbilder verzeichnet sei. Darum hätte die Baukommission eine Stellungnahme der kantonalen Denkmalpflege einholen müssen. Eine solche liege aber nicht vor. Im Übrigen besteht seitens der Rekurrenten der Verdacht, dass der vorgesehene Standort am Ufer des Stadtweiers innerhalb des Gewässerraumes liegt. In diesem Fall wäre das Projekt aus ihrer Sicht schon von Bundesrechts wegen nicht bewilligungsfähig.

Für die Gegner war der Stadtrat zuständig

Damit noch nicht genug. Die «Altstadtgarten GmbH» verfüge über kein Nutzungsrecht am öffentlichen Grund im Stadtpark. Zwar habe die Stadt Wil eine solche Konzession ausgeschrieben gehabt, aber nie rechtskräftig erteilt. Das Wettbewerbsverfahren sei mit «gravierenden Mängeln» behaftet gewesen, so die Gegner. Der Vergabeentscheid habe sich nicht auf die Kriterien gestützt, die in der Ausschreibung genannt worden seien. «Zudem wurde der Entscheid den Wettbewerbsteilnehmenden nicht korrekt eröffnet. Vor allem aber erfolgte die Konzessionsvergabe durch ein unzuständiges Organ, nämlich durch eine ad hoc eingesetzte Jury. Laut Polizeireglement hätte der Stadtrat über die Konzession entscheiden müssen», schreiben die Rekurrenten weiter. Die «Altstadtgarten GmbH» sei in unzulässiger Weise privilegiert worden.

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Was die Befürworter sagen:

Die geplante Beiz am Wiler Stadtweier sorgt für viele Emotionen. Für die einen wäre dieses gastronomische Angebot eine Aufwertung für die Stadt, Anwohner jedoch wehren sich dagegen. Das Projekt sei überdimensioniert. 14 Einsprachen waren vergangenes Jahr eingegangen, einige als Sammeleinsprache. Die Baukommission der Stadt Wil wies diese Anfang Jahr ab.

Der Weg ist damit aber noch nicht frei. Denn während der 14-tägigen Rekursfrist erfolgte ein Weiterzug ans Baudepartement des Kantons St. Gallen, wie Stadtschreiber Hansjörg Baumberger auf Anfrage von hallowil.ch verlauten lässt. Da die Behandlung eines Rekurses in der Regel mehrere Monate in Anspruch nimmt, lässt sich bereits jetzt absehen, dass es auch 2019 kein Restaurant am Wiler Stadtweier geben wird.

"Haben damit gerechnet"

Bei den Projektverantwortlichen nimmt man den Weiterzug gelassen. "Wir sind davon ausgegangen, dass es soweit kommt. Es ist zwar schade. Aber wir sind weiterhin gewillt, den Altstadtgarten im Frühling 2020 zu errichten", sagt Thiemo Fisch, Betreiber des Restaurants am Stadtweier.

Geplant ist die Errichtung eines Pavillons für einen Gastrobetrieb, der zwischen Frühling und Herbst von Montag bis Donnerstag bis 21 Uhr geöffnet hat, von Freitag bis Sonntag eine Stunde länger.