Was ist denn da los? Auf dem Video, das am späten Donnerstagabend in den sozialen Netzwerken geteilt wurde und der hallowil.ch-Redaktion vorliegt, ist ein nackter Mann zu sehen. Er trägt einzig Schuhe, die nicht zusammenpassen. Zügigen Schrittes läuft er vom Ilge-Kreisel kommend auf dem Trottoir Richtung Bahnhofplatz. Ein Passant dreht sich verdutzt um, als er die Szene wahrnimmt. Ein Velofahrer kümmert sich nicht um die skurrile Situation. In einem zweiten Video ist der Mann zu sehen, wie er sich vom Bahnhof entfernt - mit einer Schnapsflasche in der rechten Hand.

Der Fall ist der Kantonspolizei St. Gallen bekannt. "Wir haben am Donnerstag um kurz nach 11.15 Uhr mehrere Meldungen von einem nackten Mann im Bereich des Bahnhofs Wil erhalten. Eine Patrouille konnte den Mann anhalten. Er wurde in ärztliche Obhut gebracht", sagt Polizeisprecher Florian Schneider.

Der Fall wirft zwei Fragen auf: Erstens: Hat der Mann somit eine Straftat begangen? "Das Nacktwandern per se ist nicht verboten. Exhibitionismus ist ein Antragsdelikt, genauso wie sexuelle Belästigung. Fühlt sich also jemand durch das Verhalten des Mannes in seiner sexuellen Integrität verletzt, so kann er oder sie eine entsprechende Anzeige machen", sagt Schneider. Bis am Freitagmorgen ist keine Anzeige eingegangen. Und zweitens: Ist der Mann ein Klient der Psychiatrischen Klinik Wil? "Nach meinem Kenntnisstand ist er im Haus Otmar zu Hause", sagt Schneider. Das Haus Otmar hat nichts mit der Klinik zu tun. Es handelt sich um ein Wohnangebot für Männer ab 18 Jahren, die in einer finanziell oder persönlich schwierigen Lebenssituation sind. "Personen mit akuten Drogenproblemen oder mit akuten psychischen Erkrankungen können nicht aufgenommen werden", schreibt der Verein über sich selbst.