Das Team Argovia war baff. Die Uzwiler hingegen tanzten im Kreis und lagen sich in den Armen. «Meischter, Schwiiizer Meischter», hallte es durch die leere Badmintonhalle. Die Stimmung war ausgelassen, auch wenn es ein einsamer Erfolg war. Nur gerade 15 Team- und Staffmitglieder waren pro Team zugelassen. Die Fans wurden coronabedingt vor den Computer verbannt und mussten vom heimischen Sofa aus die Playoffs mitverfolgen. Doch an diesem verregneten Sonntag lohnte sich die Liveübertragung. 

Denn Uzwil und Argovia boten eine packende Begegnung. Ein Spektakel, dass für Uzwil miserabel begann. Sogar so schlecht, dass realistischerweise der Meistertitel von vielen Fans zu Hause schon abgeschrieben wurde. Doch die Mannschaft liess sich nach den beiden verlorenen Männerdoppel und dem 0:2-Rückstand nicht beirren – im Gegenteil. Mit der unbändigen Willenskraft, die eines Meisters absolut würdig war, gelang der überraschende Befreiungsschlag in den drei Männereinzel. 

Obwohl Uzwil in diesen Spielen eher Aussenseiter war. Doch Utrosa bodigte Kirchmayer, Müller bezwang Schweizermeister Künzi und Scheiwiller rang den König nieder. Plötzlich waren es die Uzwiler Festspiele. Auch die 19-jährige Milena Schnider trumpfte im Fraueneinzel gross auf und siegte gegen die erfahrene Illinskaya. Im Frauendoppel gewannen Seinen/Schnider erwartungsgemäss klar. Den erfolgreichen Schlusspunkt setzte dann Seinen/Kropf mit dem klaren Sieg im Mixeddoppel. Der begehrte Meisterpokal bleibt damit in der selbsternannten «Badmintonhauptstadt».

Vierter Titel

Mit der Titelverteidigung mausert sich Uzwil zum Serienmeister. 2014, 2015, 2019 und nach dem letzten Coronajahr ohne Meister holen sich die Uzwiler 2021 den vierten Schweizermeistertitel der Vereinsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte, die auch an diesem Wochenende auf eine beeindruckende Art und Weise weitergeschrieben wurde. 

Schon am Samstag beim klaren 5:2-Halbfinal-Sieg gegen Yverdon liess Uzwil keine Zweifel offen, dass man für den nächsten Meistertitel bereit ist. Der Auftritt am Sonntag war dann eine Demonstration dessen, wie sich eine Mannschaft über mehrere Jahre zu einem Siegerteam entwickeln kann. Das Selbstverständnis einen Titel gewinnen zu können und die Überzeugungskraft auch mal einen Rückschlag wegstecken zu können, zeichnet derzeit den Badmintonclub Uzwil aus. Dies ist auch die Handschrift von Chef- und Spielertrainer Iztok Utrosa. Er gilt als Baumeister des Erfolgs. Dass er mit seinem Überraschungssieg im Männereinzel massgeblich zum Titelgewinn beitragen konnte, ist sinnbildlich.

Klar ist auch, dass die Mannschaft spielerisch Fortschritte machte. Ramon Kropf schaffte in dieser Saison endlich den Durchbruch. Auch die jungen Nicolas A. Müller und Milena Schnider wuchsen in ihrer Rolle und waren schon vor den Playoffs wichtige Punktegaranten. Julien Scheiwiller kämpfte sich erfolgreich nach seinen Verletzungen zurück. Und mit Cheryl Seinen und Zvonimir Durkinjak wurde das Team mit zwei ganz wichtigen ausländischen Akteuren verstärkt. Nicht zu vergessen sind Sereina Hofstetter und Rudi Dellenbach. Beide kamen in den Playoffs nicht zum Einsatz, waren aber während der Saison immer wieder wichtige Stützen für das Team.

«Meischter, Schwiiizer Meischter», hallte es noch ein paar letzte Male durch die leere Badmintonhalle. Danach ging die Mannschaft zum Bier über. Für die Fans auf dem Sofa war die Show beendet. Die grosse Meisterfeier blieb diesmal aus. Der einsame Meistertitel bleibt hoffentlich ein Einzelfall.

Matthias Zindel, BC Uzwil