Alle frisch Verliebten wünschen sich, ihr Zustand möge ewig andauern. Sie fühlen sich von ihrem Gegenüber verzaubert und auf fast magische Weise miteinander verbunden. Sie möchten alle Empfindungen teilen. 

Doch Verliebt sein ist nicht nur ein beglückender Zustand, es kann auch zur Belastung werden: «Glück und Harmonie sind auf Dauer anstrengend. Das intensive Bezogensein aufeinander führt zur Übersättigung», betont der Partnerschafts-Experte Professor Jürg Willi in seinem Buch «Psychologie der Liebe».

Nach dem Turteln

Das allmähliche Nachlassen der Verliebtheitsgefühle bedeutet die erste grosse Belastungsprobe für eine Partnerschaft. 

Willi glaubt, dass diese Wende sehr wichtig ist: «Die Bewährung in der Enttäuschungsphase wird zum Prüfstein der Liebe. So schmerzlich die Enttäuschung ist, so wichtig ist sie für die persönliche Entwicklung in der Liebe. Die Enttäuschung ist nicht der Beleg des illusionären Charakters von Verliebtsein, sie ist deren sinnvolle Fortführung und Ergänzung.» 

Mit anderen Worten: Eine Partnerschaft ist kein statischer Zustand, sie muss sich immer wieder verändern und entwickeln, wenn sie Bestand haben soll.

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Kino und Illustrierte vermitteln romantische Klischees von Partnerschaften. Doch sie müssen sich auch in der Alltagsroutine bewähren.  (Foto: pixabay pixel 2013)  


Gegenseitige Ergänzung

Forscherinnen und Forscher haben anhand einer Vielzahl von Paaren herauszufinden versucht, weshalb bei den einen selten Beziehungsstörungen auftreten, während bei anderen der Haussegen immer wieder zünftig wankt. Gibt es demnach so etwas wie ein Rezept für eine gute Partnerschaft?

In harmonischen Beziehungen registrierten die Wissenschaftler ein besonders grosses gegenseitiges Interesse an den Erlebnissen und den Gefühlen des Gegenübers. 

Auch Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen in die Situation der Partnerin, des Partners wurden oft bemerkt. Ebenso kommen Worte und Gesten der Zustimmung, der Bestätigung häufig vor. Zusammenfassend kann man von beiderseitiger Unterstützung auf verschiedenen Ebenen sprechen.

Wenig Solidarität

Bei Paaren, bei denen es immer wieder kriselte, zeigte sich auffallend wenig gegenseitige Förderung, dagegen wurden häufig negative Kommunikationsmuster wie etwa entwertende Äusserungen oder gar sarkastische Bemerkungen notiert. Auch Zurückweisungen, Verteidigung und Rechtfertigungen wurden häufig festgestellt, mit anderen Worten: Häufiges Gegeneinander statt Miteinander.

Toleranz ist wichtig

Der Psychologieprofessor und Therapeut Arnold H. Lazarus hat seinerseits Faktoren aufgelistet, die die Grundlage für eine gut funktionierende Partnerschaft sind: Freundlichkeit, Rücksichtnahme, Kommunikation, Sich-einstellen auf die Gewohnheiten des anderen, gemeinsame Aktivitäten und Unternehmungen, Übereinstimmung in wichtigen Wertvorstellungen und Zielen, Gleichberechtigung statt Macht und Unterdrückung sowie gegenseitiger Respekt.

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Solidarität und gegenseitige Wertschätzung sind in jedem Lebensalter Grundpfeiler jeder gelingenden Partnerschaft. (Foto: pixabay MabelAmber) 


Tipps für eine gelingende Partnerschaft:

  • Oft Zeichen der Wertschätzung und der Zuneigung geben
  • Sich immer wieder Zeit für einander nehmen
  • Kein negativen Gefühle aufstauen lassen, schwierige Themen rechtzeitig ansprechen
  • Realistische Erwartungen haben; die Partnerin oder den Partner nicht für das eigene Lebensglück und Wohlbefinden verantwortlich machen
  • Möglichst viel Selbstverantwortung übernehmen
  • Liebe schenken, nicht immer nur erwarten