Und plötzlich waren Emotionen in der Versammlung. Es ging um die Gründung eines Vereins, welcher die wirtschaftliche Attraktivität der Region Wil fördern und sie bekannter machen soll. Der Haken daran: Es braucht einen finanzielle Anschubhilfe, die vom bestehenden Verein Regio Wil geleistet wird. Dies hat zur Folge, dass allein im Jahr 2019 dessen Vereinsvermögen mehr als halbiert wird. Die Diskussion ins Rollen brachte Oberuzwils Gemeindepräsident Cornel Egger, für den die Organisation des neuen Vereins noch zu vage formuliert ist. Er befürchtet, dass die Mitgliedergemeinden zu wenig zu sagen haben, da hauptsächlich die Wirtschaft angesprochen wird. Zudem stellte er die Frage, wer für die Verbindlichkeiten geradestehen müsse. «Ich habe Bedenken, dass es ein Fass ohne Boden wird», sagte Egger.

Mit seiner kritischen Haltung stand Egger allerdings auf verlorenem Posten. Unter den Delegierten dominierte die Zustimmung deutlich. Wils Stadtpräsidentin Susanne Hartmann sagte: «Unsere Region hat kein wirtschaftliches Selbstbewusstsein. Wir müssen wegkommen vom kleinräumigen Denken und miteinander etwas entwickeln. Diesen Wirtschaftsverein braucht es. Ohne Risiko kommt man nicht weit. Und das bedeutet Stillstand.»

Deutliche Zustimmung

In eine ähnliche Kerbe schlug der Hinterthurgauer Kantonsrat Iwan Wüst-Singer: «Ich bin beruflich viel unterwegs. In der Westschweiz kennt man Zürich, Winterthur und St. Gallen. Bei Wil wird es schon schwierig. Momentan läuft die Wirtschaft gut und Wil West entsteht. Wenn wir diesen Verein nicht jetzt gründen, wann dann?» Uzwils Gemeindepräsident Lucas Keel meldete sich enerviert zu Wort: «Wir müssen versuchen, die Chancen zu sehen und nicht die Gefahren. Ich habe Zeichen, dass die Wirtschaftsvertreter bereit sind, mitzuziehen.» Hintergrund: Die Hälfte der Gelder für den Betrieb des Vereins sollen mittelfristig von Wirtschaftsorganisationen kommen, die andere Hälfte vom Verein Regio Wil. Am Anfang ist der Regio-Wil-Anteil gar deutlich höher.

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Roman Habrik hatte kritische Fragen zur Vereinsgründung zu beantworten.

Barbara Nadler sagte als Stimme der Wirtschaft: «Es braucht in der Region einen Wirtschafts-Förderer. Denn momentan nimmt man uns nicht wahr. Wir müssen unsere Anliegen gegen aussen tragen, auch wenn das ein Generationenprojekt ist.» Bei der Abstimmung zeigte sich ein deutliches Bild: Bei zwei Gegenstimmen und ebenso vielen Enthaltungen wurde der Wirtschaftsförder-Verein, der noch keinen Namen hat, gegründet. Somit kann als nächstes ein «Super-Mann oder eine Super-Frau» gesucht werden, um es in den Worten von Regio-Wil-Präsident Guido Grütter zu halten. Die Rede ist von einer gut vernetzten Person, welche die Wirtschaftsvertreter der Region motiviert, in diesem Verein mitzumachen.

Einen «Macher» verabschiedet

Die restlichen Traktanden der Delegiertenversammlung waren schneller abgehandelt. Das Budget, welches einen Verlust von 407'000 Franken vorsieht, wurde bei zwei Gegenstimmen grossmehrheitlich genehmigt. Zudem wurde bekannt, dass sich die Regio Wil nächstes Jahr daran macht, ein nächstes Aggloprogramm zu erstellen. Es wird jenes der vierten Generation sein. Mit dem Vorgänger war es gelungen, 37 Millionen Franken an Bundesgeldern für Infrastrukturprojekte zu generieren, womit nun in Wil West bis zu 3000 Arbeitsplätze angesiedelt werden können und ein neuer Autobahnanschluss entsteht. Bis im Sommer 2021 muss das nächste Aggloprogramm beim Bund eingegeben werden.

Verabschiedet wurde Kantonsplaner Ueli Strauss, der während 17 Jahren dem Vorstand der Regio Wil und deren Vorgängervereinigung beratend zur Seite gestanden ist und sich Ende Monat in die Selbständigkeit begibt. Grütter nannte ihn einen «Macher», der vorwärtsgerichtet ist und sich jeder Herausforderung gestellt hat. «Die Entwicklung einer Region kann heute nur noch in funktionalen Räumen stattfinden. Die Bürger kümmern sich nicht um die Kantonsgrenzen», sagte Strauss.

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Rücktritt: Kantonsplaner Ueli Strauss hat die Regio Wil seit deren Gründung beratend begleitet.