An diesem späten Sonntagnachmittag ist scheinbar einfach alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte. Und das mit fatalen Folgen. Wie sich nun herausstellt, hätte ein 4-jähriger Knabe laut der St. Galler Staatsanwaltschaft nicht in einen Abfluss-Kanal geraten dürfen. Dies war nur möglich, weil der sich davor befindende Schachtdeckel zuvor von einem Passanten entfernt worden war. Dies in der Absicht, den Deckel zu reinigen und so einen besseren Wasserabfluss zu gewährleisten. Starkregen hatte dafür gesorgt, dass aus der Reitwiese ein Weiher geworden war. Die besagte Person ist der Staatsanwaltschaft bekannt – und gegen sie ein Strafverfahren wegen fahrlässiger, schwerer Körperverletzung eröffnet worden. Eine entsprechende Meldung der Wiler Zeitung bestätigt Beatrice Giger von der Staatsanwaltschaft St. Gallen gegenüber hallowil.ch.

Der Knabe war ins Wasser gefallen und in den besagten Kanal geraten. In kritischem Zustand konnte er gerettet werden. Wie es dem Kind heute geht, sagt die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht.

Was die Stadt zum Verfahren sagt

Auch wenn für die angeklagte Person bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt, so werfen die Vorkommnisse Fragen und Bestürzung auf. Warum nur konnte der Schachtdeckel entfernt werden? Die Fragen gehen an die Stadt Wil. Deren Sprecher Philipp Gemperle sagt zu hallowil.ch: «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, weshalb die Stadt Wil keine Stellung zum Vorfall nimmt. Welche Massnahmen getroffen werden, damit dies künftig nicht mehr passiert, wird derzeit abgeklärt.»

_______________________________________________________________________________

So hat hallowil.ch am 31.8. berichtet:

Wie nur konnte das passieren? Das ist die grosse Frage nach dem tragischen Zwischenfall am Sonntag-Vorabend. Der Krebsbach hatte wegen des Dauer- und Starkregens so viel Wasser geführt, dass er über die Ufer trat und die Reitwiese flutete. Ein viereinhalbjähriges Kind stürzte um 16.45 Uhr ins Wasser, wurde in den Entwässerungs-Kanal gesogen und durch ein rund vier Meter langes Rohr geschwemmt. In einer Nische konnte sich der Knabe retten und von der Feuerwehr befreit werden – in kritischem Zustand.

Als Gretchenfrage ist zu klären, ob der Schachtdeckel wegen höherer Gewalt oder menschlichem Versagen angehoben wurde. Nur weil dieser Deckel nicht mehr am vorgesehenen Ort war, konnte das Kind überhaupt in den Kanal gezogen werden. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Noch viel wichtiger ist aber die Frage, wie es dem viereinhalbjährigen Knaben am Tag nach dem Zwischenfall geht. «Sein Zustand ist stabil», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi zu hallowil.ch.

Trotz Hochwasserschutz Überflutung möglich

Dass der Krebsbach just im Gebiet der Oberen Weierwise überlief, ist zwar nicht direkt gesteuert, aber von den Gegebenheiten so «organisiert». Die Reitwiese ist eine Art natürliches Auffangbecken in der Hochwasser-Situation. Bilder wie am Sonntagabend wird es auch geben, wenn die Hochwasserschutz-Massnahmen dereinst umgesetzt sind – wenn auch seltener. Deren sechs sind auf dem Gebiet der Stadt Wil in Planung. Vier davon betreffen den Raum Rossrüti bis zum Weier-Damm, also den Furt- und den Krebsbach. Die Strecke wurde bewusst unterteilt, damit auch einzelne Teilprojekte umgesetzt werden können, während andere noch blockiert sind. Für den besagten Abschnitt des Krebsbachs wird derzeit ein Vorprojekt ausgearbeitet. Dieses sieht eine Verbreiterung des Bachbetts und die Errichtung eines Rückhaltebeckens sowie eines Entlastungsbauwerks vor. Damit soll erreicht werden, dass ab einer gewissen Menge Wasser die Entlastung ganz bewusst auf die Reitwiese erfolgt, das Wasser also kontrolliert ausufern kann. Wie dieses Bauwerk genau aussieht, ist Gegenstand von detaillierten Planungen.

Noch diesen Herbst soll das Vorprojekt beim Kanton eingegeben werden. Gibt es eine positive Antwort, kann der politische Prozess beginnen. Auch das Stadtparlament muss die Schutzmassnahmen gutheissen – und Anwohner können Einsprache erheben.

_______________________________________________________________________________

Vierjähriges Kind in Wasserschacht gezogen (30.8.20)

Da kommt alles zusammen: Wie schon beim Starkregen im Sommer 2015 vermochte der Wiler Krebsbach die Wassermassen nicht zu schlucken und überlief im Bereich der Weierwiese. Der komplette Reitplatz stand am Sonntagabend unter Wasser – und wurde einem viereinhalbjährigen Kind zum Verhängnis. Es stürzte und wurde von den Wassermassen in jenen nur 70 Zentimeter breiten Schacht gezogen, welcher den überfluteten Reitplatz entwässert. Das Kind wurde mehrere Meter durch die Leitung gerissen konnte sich dann aber irgendwie in einer Nische des Schachts über Wasser halten. Und zwar an einem Ort, von welchem man an die Erdoberfläche gelangen kann.

Doch warum konnte das Kind überhaupt in den Schacht stürzen? «Vom Wasserdruck muss das Gitter vor dem Schacht angehoben worden sein», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi zu hallowil.ch.

Im Video: Polizeisprecher Krüsi nennt Details zum Unfall

 

Die Bergung gestaltete sich schwierig. Als erstes ging es darum, den Wasserdruck auf diesen Schacht zu verringern, um zum Kind vorstossen zu können. Dies gelang, indem Bretter beim Zufluss zum Schacht angebracht wurden. Trotzdem musste der Knabe in kritischem Zustand von der Rega ins Spital transportiert werden. Die Strasse über den Weier-Damm war zwischenzeitlich gesperrt.