Die Stadt Wil fördert alljährlich Kulturschaffende mit der Vergabe von verschiedenen Preisen. Diese werden vom Stadtrat auf Empfehlung der Kulturkommission vergeben. Der Anerkennungspreis 2020 geht an die Filmemacherin Mélanie Moser sowie an die toccata Wil. Der Anerkennungspreis 2021 geht an das Chällertheater im Baronenhaus sowie an den Künstler und Architekten Markus Ebner. Zudem erhält die Holzbildhauerin Angela Galli den Förderpreis 2020 und der Kulturvermittler Lukas Häne den Förderpreis 2021. Das Atelierstipendium Bick 2020 im Tessin geht an die Theaterschaffende Melinda Giger, das Atelierstipendium 2021 an den Musiker und Künstler Matthias Zuber.

Die Verleihung der Auszeichnungen fand im Rahmen einer öffentlichen Feier in der Tonhalle Wil statt, und zwar gestern in der Tonhalle. hallowil.ch hat einige Ausschnitte aus den Laudationen zusammengetragen.

Ruth Eustorgi für Mélanie Moser

«Interviews mit vielen international bekannten Künstlern gehören [zum Schaffen von Mélanie Moser]. So hatte sie Koryphäen wie Gerhard Richter, Thomas Schütte, Bice Kuriger oder Harald Szeemann vor ihrer Filmkamera. Gewissenhaft und professionell bereitet sie sich jeweils darauf vor.

Ernsthaftigkeit, Neugierde, Begeisterung, Freude und das Wissen um das Privileg, Kunst zu machen, zeichnen [sie] aus.

Wenn Sie in Zukunft Mélanie Moser antreffen, bepackt mit Filmkamera und Stativ, dann wissen Sie, sie ist unterwegs zu einem ihrer spannenden Filmprojekte.»

Marietta Burri-Bosshart für toccata Wil

«Seit vielen Jahren fesselt toccata Wil ihr Publikum immer wieder aufs Neue mit abwechslungsreichen Konzerten durchs ganze Jahr. Das Ziel ist es, die Orgel als faszinierendes Konzertinstrument zu präsentieren – mit verstaubten Orgelpfeifen hat toccata Wil nichts zu tun.

Nach 17 Jahren wurde der Zyklus zu toccata Wil umgetauft. Im neuen Namen versteckt sich das italienische Wort toccare (berühren). Der Name ist Programm: Die auftretenden Musikerinnen und Musiker wollen mit ihren Interpretationen berühren und bewegen. Wer schon einmal in einem von toccata Wil organisierten Konzert war, kann das nur bezeugen.»


Nicole Knuth fürs Chällertheater

«Das Chällertheater im Baronenhaus bekommt heute den Anerkennungspreis der Stadt Wil. Was für ein ehrenvolles und schönes Zeichen in einer Zeit, die uns und unsere Gesellschaft fordert, wie wir es wohl so noch nie erlebt haben. Viel wird von uns abverlangt. Durchhalten, dranbleiben, verzichten. Wie schön, dass jetzt ein Ort ausgezeichnet wird, der etwas geben kann, das wir bitter nötig haben. Aber blicken wir kurz zurück.

1979 veränderte sich das darstellende Kunstempfinden stark. Die gesittete Kunst, die bürgerliche Kunst beginnt ihre Paläste zu verlassen. Vielseitigkeit ist gefragt. Das Publikum wird neugierig auf Anderes. Kleines. Strassenkunst ist wahrlich ein altes Métier. Schon Molière zog mit seiner Truppe umher, baute ein paar Bretter zusammen, und sie war da, die Bühne, der Ort, wo so viel entsteht. Wo Utopien stattfinden können. Wo Zauber entsteht.»

Franziska Peterli für Markus Ebner

«Ein Bild muss mich treffen, umwerben, umfassen, anziehen, darf mich nicht mehr loslassen. Es provoziert mich, stösst mich zeitweilig zurück und verlangt doch immer und immer wieder seine Aufmerksamkeit. Gefallen muss es mir im Sinne von zu-fallen, was nicht unbedingt mit Wohlgefallen gleichzusetzen ist. Markus Ebners Bilder sind mir zugefallen und sprechen mich an. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Markus Ebner arbeitet seit diesem klaren Entschluss [Wechsel vom Architekten zum Kunstschaffenden] im Jahre 2000 in seinem Refugium im Acker in Rossrüti, das als Arbeitsraum und Galerie und gleichzeitig auch zusammen mit seiner Frau Tuija als Wohn- und Lebensraum dient. Ein Ort übrigens, an dem Markus gerne interessierte Besucherinnen und Besucher empfängt. Wie viel Disziplin braucht es, um so konsequent diesen Weg zu gehen!»

Peter Zumstein für Angela Galli

«Wir lassen uns von Holz faszinieren – Angela Galli macht Faszinierendes aus Holz! Sie gibt dem Holz eine Seele oder gesagt, sie beseelt ihre Holzobjekte, dass die Menschen wieder zu sich selber finden. Verborgenes, Unbekanntes, Verschüttetes entdecken – innehalten und über sich selber staunen. Darin liegt ihre Kunst, das ist ihre Botschaft an uns, darum hat sie diesen Förderpreis verdient.

Homo homini lupus – der Mensch ist des Menschen Wolf heisst es in der Komödie von Plautus. Mit der heutigen Preisübergabe tun wir einen kleinen Schritt, um Vorurteile zu widerlegen und gleichzeitig einen weiteren Schritt, den Wolf als intelligentes, äussert soziales Tier zu anerkennen. Denn, ob Mensch oder Tier: ein Miteinander und kein Nebeneinander wird die Devise der Zukunft sein!»


Claude Diallo via Videobotschaft für Lukas Häne

«Diese Auszeichnung freut mich gleich doppelt, denn einerseits hat es Lukas Häne wie kein anderer verdient, diese Auszeichnung entgegenzunehmen und andererseits empfinde ich diese Auszeichnung auch wie ein Geschenk für unsere Organisation Ostschweizer Jazz Kollektiv.

Die Vielfältigkeit seiner Tätigkeiten scheint unendlich und ist nicht nur dem Jazz gewidmet. Irgendwann wurde der Wunsch laut, dass man die monatlichen OJK Jam Sessions, die damals regelmässig in St. Gallen stattfanden, doch auch in Wil organisieren könnte. Der Hof zu Wil mit seiner Zwischennutzung biete sich sogar sehr gut dafür an. Ich habe Lukas mein Projekt also blind anvertraut und wusste, dass er es richtig machen wird. Ich wurde dabei nicht enttäuscht.

Lukas Häne hat [...] gezeigt, dass man mit viel Motivation, Umtriebigkeit, Durchhaltewillen und innovativen Konzepten auch hier in Wil für den Jazz [...] einen Ort zu kreieren [kann], an dem ein musikalischer Austausch stattfinden kann vor Publikum. Die Musiker in New York machen es nicht besser.»

Jeanette Loosli für Melinda Giger (2020) und Matthias Zuber (2021)

Aus der Laudatio für Melinda Giger: «Zeit und Raum, Raum und Zeit. Das Atelierstipendium der Stadt Wil bietet genau das: den Raum und die Zeit für ein frei fliessendes kreatives Schaffen ohne jeglichen Produktionsdruck. Das ist sehr, sehr viel wert. Hat sich Melindas Wunsch erfüllt? Lassen wir sie selbst zu Wort kommen! Ich verfolgte kein konkretes Projekt in dieser Residenzzeit, sondern wollte vielmehr mein bisheriges künstlerisches Schaffen «büschele» und herausfin-den, wohin es mich als nächstes zieht.»

Aus der Laudatio für Matthias Zuber: «Matthias fand [mit der Handpan] auch – wie mir scheint – zu seiner Bestimmung. Ausdruck davon ist der Name, unter dem er seither unterrichtet und als Künstler auftritt: Kosma. Kosma liebt es, Menschen durch Musik, Bewegung und Tanz zu verbinden und mit ihnen in Kontakt zu treten. Genau das möchte er – der sich vorgenommen hat, sich ein halbes Jahr intensiv mit seiner Kunst auseinanderzusetzen – auch während seiner Residenzzeit tun. Er hat konkrete Pläne: Er möchte verschiedene Gast-Musikerinnen und Tänzerinnen einladen, seinen Atelierraum mit ihm zu teilen, um gemeinsam zu wirken und zu experimentieren. Es wird Live-Sessions geben und Kompositionen werden entstehen. Das Ganze soll auch mit einem Video dokumentiert werden. Wir freuen uns schon jetzt darauf!»