Der Oberuzwiler Gemeinderat Alois Schilliger, selbst mit naturnaher Landwirtschaft aktiv, konnte eine grössere Schar Interessierte begrüssen. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Aufzeigens der Zusammenhänge, wie Natur, Landwirtschaft und Mensch dringend zusammenwirken müssen, um den Rückgang von Arten zu stoppen und Wiederansiedlungen bei der Tierwelt zu fördern.

Hof Künzle, ein Vorzeigebetrieb

Der ansässige Landwirt Peter Künzle stellte eingangs seinen Hof vor. Er gab sich überzeugt an bester Lage erfolgreich bewirtschaften zu können. Nördlich sonniger Teil, vor dem Hof passende Nutzfläche für den Auslauf der Tiere und südlich schattige Flächen in Waldnähe.

Auf dem 22 Hektaren (ha) grossen Hof stehen 300 Hochstämme. Auf den Flächen der Bäume ist seiner Meinung nach intensive Bewirtschaftung nötig, um auch entsprechende Erträge bei Baumfrüchten zu erreichen. Vogelnistkästen war er anfänglich skeptisch gegenüber, heute aber überzeugt über deren Nutzen mit der anwesenden Vogelwelt. Sein Vieh hat es zum Weiden ideal auf den 19 ha rund um den Hof.

Kleinvögel haben wieder zugenommen

Jürg Kolb vom Natur- und Vogelschutz Uzwil stellte die anwesende Vogelwelt vor. Es bedürfe des Monitorings über die anwesende Vogelwelt, um die Entwicklungen auch belegen zu können. Es sei wichtig, wenn Leute die Beobachtung eher seltener Tiere melden, damit man dies aufnehmen könne.

Mitten im Obstgarten von Künzle fand die erste Information statt. Hier, so Kolb, könne der Gartenrotschwanz beobachtet werden. Allgemein hätten Kleinvögel wieder zugenommen, an Hand von Beobachtungsdaten belegt. Im Wissen um den Nutzen der Vogelwelt, verstehe man deren Wirken bei der Schädlingsbekämpfung besser. Vogelnistkästen im Obstgarten spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung.

Landwirtschaftsbeiträge bedürfen der Kontrolle

Landwirte erhalten bekanntlich Förderbeiträge für die Pflege ökologischer Flächen. Roman Steiger vom Kontrolldienst Vernetzung zeigte auf, dass es eine Überwachung der gewählten ökologischen Dienste brauche. Beiträge gebe es nur, wenn die festgelegten Werte der jeweiligen Flächen oder Bäume eingehalten werden. Im Jahr 2018 seien 604 Betriebe kontrolliert worden. Allein unter dem Titel «Vernetzung» hätten sie 70 Mängel aufgedeckt. Noch grösser mit 123 Falschmeldungen waren die Zahlenangaben bei Bäumen. Weitere 207 Mängel seien bei der Landschaftsqualität und 60 bei der Biodiversität aufgedeckt worden.

Steiger betonte, dass der Landwirt selbst die Zusatzflächen wähle. Allenfalls festgestellte Mängel werden dem Landwirtschaftsamt gemeldet, das dann mit Streichungen der Beiträge reagiere. Weitere Massnahmen seien nicht vorgesehen. Zu den gewählten Ökoflächen nannte Steiger «Rückzugsstreifen, wo mindestens 10% stehen bleiben müssen. Für Beiträge zu Strukturen wie Stein- oder Holzhaufen müssten auf 50 Aren mindestens 4m2 eingerichtet sein.

Wiesen, ein menschengeschaffenes Kulturgut

Beim dritten Posten informierte der bekannte Grasspezialist Johannes Burri aus Lenggenwil. Eingangs seiner Informationen machte er klar, dass die Menschen das Kulturgut Wiese geschaffen hätten. Sesshaft gewordene Tierhalter hätten für die kalte Jahreszeit eines Futtervorrates bedurft, was man mit dem Anbau von Wiesen und dem daraus getrockneten Heu erreicht habe. Menschengeschaffen seien überdies auch Hochstämme bei den Bäumen für bessere Erträge.

Nach Burri bedarf es bei idealer Mischung von Gräsern auf Wiesen keinerlei Kraftfutter als Zusatz für die Tiere. Auf der nahen Hauswiese von Künzle könnten problemlos 10 verschiedene Grasarten festgestellt werden. Es seien die verschiedenen Gräser, welche der Wiese Charakter geben. Beiträge erreiche der Landwirt nur, wenn der Kontrolldienst mindestens sechs bestimmte Grasarten auf einer definierten Fläche finde. Mit der Gräser Vielfalt könnten problemlos über 1'000 verschiedene Insekten gefördert werden. Damit die Gräser nach dem Mähen ihre Samen wieder an die Wiese abgeben könnten, müsse der Trocknungsvorgang auf der Wiese mindestens drei Tage dauern können.