Die Ausgangslage scheint klar und unkompliziert zu sein: Denn die Strukturen der Katholischen Kirchgemeinden von Bazenheid, Gähwil und Kirchberg sind zum aktuellen Zeitpunkt in etwa identisch – bis auf die Grösse der einzelnen Kirchgemeinden. Schliesslich bilden 1995 Kirchbürger in Bazenheid, die 546 in Gähwil und die 2055 in Kirchberg den staatskirchenrechtlichen Souverän. «Alle drei Kirchgemeinden haben ihre eigene Tradition, Geschichte und ihr eigenes Pfarreileben», heisst es in einer Medienmitteilung. Die historische Bedeutung der Pfarreien werde unter anderem durch die unterschiedlichen kirchlichen Gebäude manifestiert. Im Jahr 2012 wurden die drei Pfarreien zur Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil- Kirchberg vereint. Seitdem wird die Seelsorge gemeinsam durch ein Pastoralteam in allen Pfarreien wahrgenommen. «Staatskirchenrechtlich, also verwaltungsseitig, ist dieser Schritt noch nicht getan», wir weiter erklärt. Es habe sich gezeigt, dass die heutige Organisation mit einem Zweckverband aufwendig, schwierig und fehleranfällig sei. Zudem seien bisher verschiedene Ansprechorganisationen für die Mitarbeiter der Seeilsorgeeinheit zuständig. «Was zu unnötigen Verwirrungen geführt hat», wird in der Mitteilung erläutert. Wie die drei Präsidenten der Kirchenverwaltungsräten Joseph Koch (Bazenheid), Hans Egli (Gähwil) und Patrick Loepfe (Kirchberg) in der Medienmitteilung erklären, haben die drei Kirchenverwaltungsräte dem Grundsatz, das Vereinigungsprojekt zu starten, bereits je separat zugestimmt. Nun gehe es darum, dass auch die Bürger der drei Kirchengemeinden zu diesem Vorhaben Stellung nehmen.

Dass die Seelsorgeeinheit Bazenheid, Gähwil und Kirchberg nun eine Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden prüft – ist angesichts der Misstöne, die noch Anfang des Jahres herrschten – fast ein Wunder. Denn vor einem Jahr wäre dieser Schritt zu einer Fusionierung eben kompliziert, ja sogar undenkbar gewesen: So kam es innerhalb der Seelsorgeeinheit zu Unstimmigkeiten – es ging so weit, dass die Auseinandersetzungen öffentlich ausgetragen wurden. Zum Schluss waren die Differenzen im Pastoralteam und zwischen den einzelnen Kirchenwaltungsräten so gross, dass das Bistum St. Gallen eingreifen musste und vier Mitglieder der Seelsorgeeinheit gekündigt hatten.

Auch ein neuer Pfarrer muss gewählt werden

Dass die drei Toggenburger Kirchgemeinden nun fusionieren und damit einen gemeinsamen versöhnlichen Weg gehen wollen, ist nicht einzige positive Entwicklung nach dem grossen Kirchenknatsch: Laut der Medienmitteilung soll auch die Pfarrstelle neu besetzt werden. Hierfür findet am Mittwoch, 28. Oktober, in allen drei Kirchgemeinden ausserordentliche Kirchbürgerversammlungen statt. Für den Posten des neuen Pfarrers wurde der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg von Bischof Markus Büchel Kaplan Mathai Ottappally empfholen. Denn gemäss der Verfassung des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen wählen die Bürger den Pfarrer. «Die Kirchenverwaltungen von Bazenheid, Gähwil und Kirchberg lernten Mathai Ottappally als liebenswürdigen, offenen und motivierten Seelsorger kennen», wird in der Mitteilung erklärt. Er glaube an das Miteinander und sehe den Neustart der Toggenburger Seelsorgeeinheit als Chance. Deshalb werde den Bürger empfohlen Ottappally bei den ausserordentlichen Kirchbürgerversammlungen zu wählen. Bei einer Wahl wird er seine Arbeit am 1. Januar 2021 aufnehmen.

Post inside
Er soll der neue Pfarrer werden: Mathai Ottappally. (Bild pd)


Der Fahrplan für die Fusionierung

In der Medienmitteilung wird zudem ersichtlich, dass in den nächsten Monaten ein Gutachten erarbeitet werden soll, das genau skizzieren will, wie die fusionierte Kirchgemeinde organsiert werden könnte. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen sollen dabei aufgezeigt werden. Im Frühsommer 2021 soll es schliesslich zu einer Urnenabstimmung über den Grundsatzentscheid zur Vereinigung kommen. Stimmen die Kirchbürger der drei Kirchgemeinden im Grundsatz zu, soll im Frühling 2022 der Vereinigungsbeschluss zur Genehmigung vorgelegt und im Sommer 2022 über die neue Gemeindeordnung befunden werden. Anschliessend kommt es zu einer sogenannten technischen Vereinigung – in der geht es um die Detailorganisation der Bereiche Infrastruktur, Personal, Finanzen und Verwaltungsaufgaben. Im September 2023 sollen an den Gesamterneuerungswahlen die Behörden für die neue fusionierte Kirchgemeinde gewählt werden. Der Start der neuen Kirchgemeinde erfolgt dann am 1. Januar 2024.