Der Weg zwischen dem Toggenburg und Zürich führt topografisch bedingt über Umwege. Die Anbindung mit dem öffentlichen Verkehr verläuft von Wattwil einerseits über Wil und andererseits durch den Rickentunnel via Uznach sowie Rapperswil und ist derzeit nur mit Umsteigen an den Bahnknoten möglich. Dies soll sich aus Sicht der Toggenburger Arbeitgebervereinigungen (AGV) ändern.

«Für die Toggenburger Unternehmen stellt es zusehends eine Herausforderung dar, die notwendigen Arbeitskräfte zu finden. Das gilt für Ingenieurinnen wie auch für Elektriker», sagt Michele Vela, Geschäftsführer der Ebnat AG und Präsident der Arbeitgebervereinigung Ebnat-Kappel. «Will sich das Toggenburg als attraktiver Wohn- und Arbeitsort positionieren, so braucht es dringend Verbesserungen im ÖV-Angebot.» Die Vision von Vela: eine direkte Zugverbindung von Wattwil nach Zürich mit einer Reisezeit von unter einer Stunde. Die Industrie und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell hat diese Idee nach einem Austausch mit den Toggenburger Wirtschaftsverbänden im vergangenen Jahr weiterverfolgt und ist mit der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) in Kontakt getreten.

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So sehen die ersten Pläne einer Direktverbindung aus.


Flügelung in Wil als mögliche Bestvariante

Die SOB nahm den Ball auf, identifizierte verschiedene Optionen und unterzog diese einer ersten Vorprüfung. Nur eine Variante scheint das Potenzial einer sinnvollen Umsetzung zu besitzen: Eine Toggenburger S-Bahn-Linie nach Wil, wo die Komposition an den Interregio von St. Gallen kommend angekoppelt wird und anschliessend bis nach Zürich als Schnellzugverbindung verkehrt. Diese Flügelung verkürzt zwar die Reisezeit von und nach Zürich nicht. Sie würde aber auf relativ einfache Weise eine Direktverbindung im Halbstundentakt ermöglichen. Die Variante könnte überdies den Effekt haben, dass auch der Eckanschluss aus dem Toggenburg in Richtung St.Gallen wieder funktioniert, schreibt die IHK am Freitag in einer Mitteilung.

Zur Abklärung der tatsächlichen Machbarkeit und der entstehenden Kosten müsste dieser Ansatz vertieft geprüft werden. Ob und wann die Flügelung zustande kommt, ist somit ungewiss. Die IHK wird nun gemeinsam mit der Region Toggenburg, die sich schon lange für die verbesserte Anbindung an den Grossraum Zürich einsetzt, und den AGV Optionen prüfen, wie sich das Projekt im Rahmen eines künftigen ÖV-Optimierungsschritts realisieren lässt. Ungeachtet davon besteht auch bei der Anbindung über Rapperswil Verbesserungsbedarf. Klar ist zudem: Soll die Reisezeit zwischen Wattwil und Zürich wie von Vela gefordert tatsächlich auf unter eine Stunde sinken, sind grössere infrastrukturelle Massnahmen und zusätzliche Verbindungen notwendig. Es sind dies Massnahmen, die nicht innert kurzer Frist realisiert werden können – die aber als Vision für die Entwicklung des Toggenburgs auf die langfristige Mobilitätsagenda gehören. (pd/red)