Die FDP lanciert einen Angriff auf die CVP-Hochburg Wil. Seit vielen, vielen Jahren ist das Stadtpräsidium der Äbtestadt in CVP-Hand. Nun soll sich dies ändern, wenn es nach dem Wiler Freisinn geht. Dann die Partei will den aktuellen Vize-Präsidenten der Stadt, Daniel Meili, ins Rennen schicken. Will? Das letzte Wort haben die Parteimitglieder, welche die Kandidatur noch gutheissen müssen – und aller Voraussicht nach auch werden.

Daniel Meili war der letzte Gemeindepräsident von Bronschhofen, bevor die Gemeinde per 2013 mit der Stadt Wil vereint wurde. Er übernahm das Gemeindepräsidium eineinhalb Jahre vor der Fusion in einer laufenden Legislatur, als Vorgänger Max Rohr aus Altersgründen zurückgetreten war. Zuvor war Meili zweieinhalb Jahre Schulpräsident Bronschhofens gewesen. Seit nun mehr siebeneinhalb Jahren ist er in Wil für das Ressort Versorgung und Sicherheit verantwortlich – und somit auch Chef des Sicherheitsverbundes und der Technischen Betriebe Wil. Fix ist, dass Meili per 1. Juni die Führung der Stadt Wil übernehmen wird. Dann tritt Susanne Hartmann (CVP) ihr Amt als St. Galler Regierungsrätin an. Meili wird bis Jahresende Stadtpräsident ad interim – und will das Amt dann definitiv übernehmen. «In unstabilen Zeiten braucht es Stabilität Die Zeit ist reif, liberalen Gedanken in die Stadt zu bringen», sagt Meili.

Im Interview: Das sagt Daniel Meili zur Kandidadtur:

 
Video: Mikhailo Zinchenko

FDP will zweiten Sitz im Stadtrat

Die FDP will zudem Jigme Shitsetsang ins Rennen um einen Sitz im Stadtrat schicken – und somit einen zweiten Sitz in der Exekutive erobern. Auch hier entscheiden die Parteimitglieder abschliessend. Shitsetsang ist seit 2011 im Stadtparlament und politisiert seit 2016 auch im Kantonsrat. Zudem war er mehrere Jahre Parteipräsident der FDP Wil.

Schon morgen Freitag will die CVP ihre Kandidaturen für das Stadtpräsidium und den Stadtrat – je eine Person – bekanntgeben.

_______________________________________________________________________________

Ein anonymes Schreiben  sorgt für Wirbel (28.4.)

Das Schreiben hat es in sich. «Da die anderen Parteien über keinerlei valable Kandidaten verfügen, hat sich die FDP entschieden, den gesamten Stadtrat zu besetzen.» Das schreibt ein «überparteiliches FDP Gremium» in einem Brief, der am Montag im Briefkasten der hallowil.ch-Redaktion gelandet ist. Einen Absender hat das Schreiben nicht.

Der Brief trägt den Übertitel «Kein Aprilscherz – aber die Wahrheit zum 1. Mai 2020». Dies dürfte eine Anspielung an den April-Scherz von hallowil.ch sein, bei welchem auf diesem Portal der ehemalige Stadtpfarrer Roman Giger für einen Tag als Kandidat für das Stadtpräsidium ins Spiel gebracht worden war.

«Würde es allen zutrauen»

Im Schreiben werden Namen genannt. Daniel Meili werde das Stadtpräsidium übernehmen, da er als langjähriges Mitglied im Stadtrat viel Erfahrung habe und führungsstark sei, heisst es. Adrian Bachmann sei künftig beim Departement Bildung und Sport an der Spitze – ebenfalls wegen der grossen Erfahrung. Daniel Gerber soll im Departement Bau, Umwelt und Verkehr die Leitung übernehmen. Als Umweltfreisinniger könne er einen «massiven Mehrwert» bringen. Jigme Shitsetsang werde das Departement Soziales, Jugend und Alter leiten. Er könne von seiner Tätigkeit als Amtsleiter in Gossau profitieren. Und Marcel Malgaroli sei künftig der Vorsitzende der Technischen Betriebe Wil (TBW). Als «technischer Mann mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund» sei er «absolut dafür geeignet».

Und was sagen die Beteiligten? Claudio Altwegg, Präsident der FDP Stadt Wil: «Von mir oder der Parteileitung kommt dieses Schreiben nicht und wir kennen den Absender nicht. Das schmeichelt und bestätigt uns. Obwohl ich es allen zutrauen würde, wäre es aber vermessen, zu fünft anzutreten.» Die FDP will mit zwei Kandidaten ins Stadtrats-Rennen steigen, also einen zweiten Sitz in der Exekutive erobern. Mitte Mai will die Partei Namen nennen.

Alle Stadträte wollen weitermachen

Auch Daniel Meili kennt weder das Papier noch den Absender. Er lässt aber durchblicken, dass er sich eine Kandidatur fürs Stadtpräsidium effektiv gut überlegt. «Es wäre gelogen, wenn meine Partei und ich uns nicht intensiv mit diesem Gedanken befasst hätten. Der Entscheidungsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen», sagt Meili zu hallowil.ch. Es wäre nicht seine erste Kandidatur fürs Stadtpräsidium. Er war bereits vor acht Jahren angetreten, als dann schliesslich Susanne Hartmann das Rennen machte.

Bereits jetzt ist klar, dass Daniel Meili ganz sicher Wiler Stadtpräsident wird – für mindestens sieben Monate. Er übernimmt am 1. Juni das Amt von Susanne Hartmann, die dann als St. Galler Regierungsrätin an- und somit als Wiler Stadtpräsidentin abtritt. Da Meili aktuell Vize-Stadtpräsident ist, wird er zum Stadtoberhaupt bis Jahresende ernannt. Alle vier bisherigen Stadträte – neben Meili sind dies Jutta Röösli, Dario Sulzer und Daniel Stutz – hatten in der «Wiler Zeitung» verlauten lassen, dass sie als Stadträte weitermachen wollen.

Eine Kandidatur für das Stadtpräsidium gibt es also weiterhin nicht – noch nicht. Wer bricht das Eis? Kandidaturen sind bis am 29. Juni möglich und wegen der Corona-Krise online einzureichen.

Der anonyme  Brief:

Post inside