Michael Schwarzenberger vom BBZ Arenenberg stellte an den Anfang seiner Ausführungen: „Wer Kühe züchtet, die nicht nur viel Milch geben, sondern auch gesund, robust und fruchtbar sind, handelt nachhaltig“.

IG "Neue Schweizer Kuh" kennen lernen

Die Hinterthurgauer Bergbauern wissen es. Ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Bergzone und in der voralpinen Hügelzone können nur als Grünland zur Raufutterproduktion genutzt werden. «Die Frage, mit welchen Kühen diese Flächen am idealsten bewirtschaftet werden, muss sich hingegen jeder einzelne Landwirt für sich selbst beantworten», sagte Jakob Hug gleich zu Beginn der Weiterbildungsveranstaltung zu den knapp 20 Landwirten.

Um neue Impulse zu erfahren, lud er Michael Schwarzenberger vom Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg ein, die Strategien der 2015 gegründeten IG «Neue Schweizer Kuh» vorzustellen und mit den Bergbauern zu diskutieren.

Nutzungsdauer kommt vor hoher Milchleistung

70 Prozent der Landwirtschaftlichen Nutzungsflächen in der Schweiz werden als Grünland genutzt. Seit den 60er-Jahren hat sich die jährliche Milchmenge einer Schweizer Kuh verdoppelt. Heute erbringen durchschnittliche Milchkühe zwischen 7500 bis über 10 000 Kilogramm Milch pro Jahr. Daraufhin werden die Kühe auch gezüchtet, sagte Michael Schwarzenberger.

Das Streben nach Milchleistungssteigerung hat auch Schattenseiten. Die Kuh sei in den vergangenen Jahren immer grösser, breiter und schwerer geworden. Damit nehmen auch Gelenk- und Klauenprobleme zu und das Trimmen auf Leistung mache sie auch anfälliger für Krankheiten.

IG «Neue Schweizer Kuh»

Zusammen mit interessierten Landwirten und weiteren Bildungszentren aus der ganzen Schweiz haben sie sich Gedanken gemacht, wie es mit der Tierzucht weitergehen solle, erklärte Schwarzenberger ihre Motivation, die IG «Neue Schweizer Kuh» zu gründen.

Die Antworten auf die Frage, was sich Landwirte von einer wirtschaftlichen Kuh erwarten, kamen prompt: Die Kuh soll robust und fruchtbar sein, eine mittlere Grösse haben, jedes Jahr ein gesundes Kalb zur Welt bringen, als Herdentier funktionieren und das eigene Grundfutter effizient in Milch umsetzen. Zudem wäre eine lange Nutzungsdauer ideal und sie sollte auch einen guten Charakter haben.

Robust, vital und fruchtbar

Langzeitstudien beweisen, dass grössere Kühe keinen Vorteil gegenüber kleineren Kühen aufweisen. So müssen schwere Kühe deutlich mehr Milch geben, um in der Energie-Umwandlungseffizienz gleich gut dazustehen. Diese Tiere brauchen dementsprechend auch mehr Kraftfutter. Durch die vermehrte Bewegung der Kühe im Berggebiet sei der Fokus auf kleinere, leichtere Tiere noch wichtiger. Doch wie kommt man zu robusten, kleinen und gesunden Tieren? Für Michael Schwarzenberger war klar, dass die Genetikindustrie sich bemühen muss, die entsprechende Genetik auf den Markt zu bringen. Dafür erstellte die IG einen Katalog mit Merkmalen der Zucht.

Rassenunabhängig rangieren auf einem Index nun geeignete und auf dem Markt verfügbare Stiere, welche die Kriterien der IG am ehesten erfüllen. Es sind nicht die bislang geforderten Werte wie schönes Euter und Milchleistungssteigerung, die gefordert wurden. Es sind Robustheit, Vitalität, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit, die im Zentrum stehen. Im Mittelpunkt stehe aber das Züchten von Tieren, die betriebseigenes Gras effizient in Milch umzusetzen haben.

Züchter denken in Generationen

Schwarzenberger rief die Bauern dazu auf, sich nicht von den Katalogen mit den wunderschönen Kuhbildern blenden zu lassen. «Schaut euch die Merkmale gut an, überlegt, was ihr braucht und was für eure Zucht wichtig ist», erklärt er ihnen. Wählt die Stiere gut aus und wenn der Besamer sie nicht auf Lager hat, lasst sie reservieren.

Wenn sich der Bauer für passende Genetik einsetzt könne er auch bestimmen, was in Zukunft in den Katalogen angeboten werde. «Züchten heisst, in Generationen denken, nehmt euch Zeit, lernt die Mutterlinien kennen und züchtet kompromisslos weiter, was sich bei euch im Stall bewährt.» Bei jedem Landwirt stehe eine gute Kuh im Stall, ist Schwarzenberger überzeugt. Oft komme man am weitesten, wenn man eigene Tiere nachnehme. Damit profitiere man nachhaltend.