Herr Fürer, Sie sind heute Vizepräsident der Stiftung Kartause Ittingen, Sie waren anfänglich Prokurator der renovierten Kartause Ittingen, was muss man sich unter Ihrem damaligen Amt vorstellen?

Im Kartäuserorden ist der Procurator der Verantwortliche für das Weltliche: Er steht dem Gutshof, den Gästehäusern, dem Keller und der Küche vor. In Ittingen ist der Procurator der Vorsitzende der Geschäftsleitung, ihm unterstehen der Gastwirtschaftsbetrieb, der Gutsbetrieb, das Wohnheim und die Werkstätten. Und er ist das Bindeglied zu den Partnerbetrieben, den beiden kantonalen Museen und der Evangelischen Heimstätte.

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Rechtsanwalt Robert A. Fürer hat die Entwicklung der Karthause Ittingen währen 40 Jahren massgeblich mitgeprägt. 

In die Renovation der Kartause wurde damals 49 Millionen Franken investiert, wie ist gelungen, dieses Summe zusammenzubringen?

Wir hatten eine Finanzkommission mit exakt definierten Vorgaben. Ein Team beschaffte die öffentlichen Gelder, ein anderes die privaten Spenden. Bei der Mittelbeschaffung war es sehr dienlich, dass den Geldgebern in Aussicht gestellt werden konnte, dass die Stiftung ab 1983 eigenwirtschaftlich, das heisst ohne weitere Zuschüsse wirtschaften werde. Was in den bald vierzig Jahren ausnahmslos gelang.

Neben der öffentlichen Hand beteiligten sich auch Firmen und Privatpersonen, wie konnten diese von der Wichtigkeit des Projektes zu überzeugen?

Argumente für die Mittelbeschaffung waren der kunsthistorische Wert, das Nutzungskonzept und die in Aussicht gestellte Eigenwirtschaftlichkeit.

Wie wurde damals das Nutzungskonzept für die Kartause entwickelt?

Die monastischen Werte Gebet, Kunst, Gastfreundschaft, Fürsorge und Selbstversorgung wurden anhand heutiger Bedürfnisse neu gefasst. Die stimmige Nutzungsvielfalt machte die Stiftung krisenresistent.

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Wie die Kartause Ittingen ist auch der Hof zu Wil ein Monument von ehemaliger kirchlicher Macht- und Prachtentfaltung. 

Wie sehr musste auf die Wirtschaftlichkeit der künftigen Nutzung der Kartause geachtet werden, spielte die Erwirtschaftung von Einnahmen eine vorrangige Rolle?

Das Ziel der Eigenwirtschaftlichkeit ist in der Stiftungsurkunde verbindlich festgelegt. Die Stiftung erwirtschaftet Gewinn. Diesen verwendet sie für die unablässige Fortführung der Restaurierungsarbeiten. Ein Bauwerk dieser Grösse und Bedeutung kennt kein Ende der Bauarbeiten.