Der Überfall auf den Avec-Shop am Bahnhof Wil vor rund zwei Wochen – der Täter ist bis heute nicht gefasst - befeuerte von neuem die Sicherheitsdiskussion auf dem Wiler Bahnhofplatz. Auch wenn dieses Beispiel das Gegenteil belegt, so gilt: Es passiert weniger, als man glauben würde. Das subjektive Sicherheitsempfinden ist wegen herumlungernder Leute aber tief, womit eben doch ein Problem besteht.

Was viele nicht wissen: Es gibt verbindliche Regeln, wie man sich am Bahnhof Wil zu verhalten hat. Diese wurden von der SBB und der Frauenfeld-Wil-Bahn erlassen. Die Bundesbahn hat eine 13 Punkte umfassende Verbotsliste erstellt, deren Einhaltung an allen Schweizer SBB-Bahnhöfen gilt. Verboten ist unter anderem:
- Sitzen und Liegen auf Boden und Treppen
- Fahren mit Fahrzeugen aller Art – ausgenommen Invalidenfahrzeuge
- Mitführen freilaufender Tiere
- Herumliegenlassen von Kaugummis, Zigarettenstummel sowie Spucken und Urinieren
- Unberechtigter Aufenthalt in Warteräumen
- Betteln
- Abspielen von Tonträgern
- Ungebührliches Verhalten gegenüber anderen Kunden oder dem SBB-Personal
- Füttern von Vögeln und anderen Tieren

Und was passiert, wenn man sich nicht daran hält? «Verstösse gegen die Bahnhofordnung können zur Wegweisung, Strafverfolgung und zu Schadenersatzforderungen führen. Über statistische Angeben hierzu verfügen wir nicht», sagt Oli Dischoe, Mediensprecher der SBB.

Keine Verteilaktionen bei der Frauenfeld-Wil-Bahn
Eine ähnliche Hausordnung hat die Frauenfeld-Wil-Bahn erlassen. Ergänzend ist im Bereich der Schmalspurbahn verboten, illegale Betäubungsmittel zu verkaufen und konsumieren. Explizit untersagt sind Kundgebungen, Darbietungen, Sammel- und Unterschriftenaktionen sowie Verteilaktionen und Warenangebote. So ist es kein Zufall, dass solche Aktionen jeweils in der SBB-Unterführung auf der Ostseite des Bahnhofs stattfinden. Zudem kann «Personen ohne gültigen Fahrausweis der Aufenthalt im Bahnhofareal verweigert werden». Sabrina Huber, Mediensprecherin der Frauenfeld-Wil-Bahn, sagt dazu: «Die Sitzgelegenheiten im Wartebereich sind in erster Linie für unsere Fahrgäste vorgesehen. Solange sich die Nicht-Fahrgäste an die Hausordnung halten, sind sie jederzeit willkommen an unseren Haltestellen.»

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Auch die Frauenfeld-Wil-Bahn gibt unmissverständlich zu Protokoll, was man tunlichst zu unterlassen hat.

Die Frauenfeld-Wil-Bahn hat die Hausordnung an allen grösseren ihrer Bahnhöfe erlassen. Systematische Kontrollen werden nicht durchgeführt. «Dennoch unterstützt uns die Hausordnung dabei, wenn jemand gegen die Regeln verstösst. Unser Personal kann fehlbare Personen auf die Hausordnung hinweisen oder im Ereignisfall dem Sicherheitsdienst oder auch die Polizei einschalten», sagt Huber. Aktuell hat an keinem Bahnhof der Frauenfeld-Wil-Bahn jemand Hausverbot. In den vergangenen fünf Jahren musste nie irgendwo ein Hausverbot ausgesprochen werden.