Die Wiler Altstadt bietet nicht nur Lebensraum für Menschen, sondern auch für Tiere. Auf einer zweistündigen Exkursion machte die Wiler Altstadtvereinigung in Zusammenarbeit mit der Naturgruppe Salix unter dem Titel „Vogelfrei“ auf die Präsenz einer Vielzahl von Vogelarten in der Altstadt und in deren Umgebung aufmerksam. Nach der grossen Nachfrage vor einem Jahr konnte Simon Lumpert, Präsident der Altstadtvereinigung, um 6 Uhr in der Früh auf dem Wiler Hofplatz erneut rund zwei Dutzend Vogelinteressierte begrüssen.

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Simon Lumpert (zweiter von rechts) von der Wiler Altstadtvereinigung begrüsste die Vogelfreunde auf dem Hofplatz.


Alle Blicke nach oben

Unter der Leitung des Biologen Remo Wenger aus Maugwil begaben sich Jung und Alt auf die Entdeckungstour. Mit offenen Augen und Ohren nahmen die Teilnehmenden, zu denen auch die SP-Nationalrätin und Altstadtbewohnerin Barbara Gysi mit ihrem Partner zählte, die Altstadt und die Gegend um den Stadtweiher für einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel wahr, richteten sich doch die Blicke mit Hilfe von Feldstechern und Fernrohr vorwiegend nach oben.

Der aus dem Wallis in die Ostschweiz gezogene Vogelkundler Remo Wenger, dessen Hauptgebiet die Tagfalter sind, ergänzte seine Ausführungen mit der Präsentation der einzelnen Vogelarten auf seinem Tablet. Als erste Vogelart zeigten sich auf dem Hofplatz die Stadttauben, die einst keine Stadtbewohner waren. Auch die munteren Starenvögel, die wahre Stimmenimitatoren sind, scheinen sich in der Wiler Altstadt wohl zu fühlen . Grösser wurde auf dem Rundgang die Vogelvielfalt auf dem Damm und erst recht rund um den Stadtweier sowie am Chrebsbach.

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Nationalrätin Barbara Gysi im Gespräch mit Remo Wenger


Unermüdliche Insektenjäger

Zu erfahren gab es von Remo Wenger, dem Inhaber eines Umweltbüros, vieles. So legen die Schwalben während der Brutzeit bei ungenügendem Insektenangebot grosse Distanzen zurück, um den Futterbedarf ihres Nachwuchses decken zu können. Eine Rauchschwalbe verfüttert während der Brutzeit rund 1,2 Kilogramm Fluginsekten, die ebenfalls seltener werden. 

Besonders lautstarke Bewohner sind die Mauer- und Alpensegler, die in Wil rund um den Hof eine bemerkenswerte Kolonie bilden. Diese Langstreckenzieher, welche die Winter in Afrika verbringen, ernähren sich ausschliesslich von Insekten, die im Flug erhascht werden. Die schnellen Vögel mit ihren schrillen Rufen können bis zu 200 Tage ohne Unterbruch in der Luft bleiben, wo sie auch schlafen und sich paaren. Nur für die Fütterung der Jungvögel machen die Segler an den Brutplätzen kurz halt.

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Selbst entlang der stark befahrenen Grabenstrasse kommen die Vogelfreunde auf ihre Rechnung.

Ein eher seltener Vogel ist die Wacholderdrossel, die gerne in Kolonien brütet. Eine solche befindet sich entlang des Chrebsbaches, in dem die Teilnehmenden der Exkursion einen dieser hübschen Vögel beim Morgenbad beobachten konnten.

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Wacholderdrossel beim Morgenbad im Chrebsbach

Nach der Begegnung mit weiteren Vogelarten wie Bachstelze, Haus- und Gartenrotschwanz, Rotkehlchen, Spatz, Zilpzalp. Mönchsgrasmücke, Buchfink sowie Kohl-, Blau-, Schwanz- und Sumpfmeise endete ein stimmungsvoller Start in den neuen Tag. Fazit der Teilnehmenden: Wo die Natur stimmt, hat es noch immer viele Vögel.