Zum diesjährigen Programm gehörten für einmal nicht klassische Motetten und Literatur für den Kammerchor, sondern vertraute Lieder, welche ältere Zuhörer wohl noch aus ihrer Schulzeit kennen: „Luegid vo Bärg und Tal“, „O du liebs Ängeli“, „Le vieux Chalet“ oder das berührende „Der Mond ist aufgegangen“. Auf den Programmzettel figurierten aber auch romanische und französischsprachige Lieder aus dem schweizerischen Volksliedschatz, darunter auch drei mit grosser Präzision vorgetragene Roelli-Lieder.

Liedprogramm mit Willi Valotti und dem Trio „item“
Zusätzlichen Pfiff erhielt das Programm durch feinfühlige instrumentale Arrangements und einen oft modernisierten Satz. Der Liederabend schloss mit deutschen Kunstliedern mit vorwiegend romantischem Hintergrund wie das innige „Abend wird es wieder“ mit dem Text von Hoffmann von Fallersleben, aber auch einem witzig inszenierten, rassigen „Der Kuckuck und der Esel.

Markante Akzente setzte das Trio "item", bestehend aus Vollblutmusikern wie Willi Vallotti (Akkordeon), Violinist Michael Bösch (er ist familiär und musikalisch Abkömmling der berühmten Appenzeller Alder-Dynastie) und Claudio Gmür, Pianist und selbst Chorleiter.

Anspruchsvolle Liedvorträge
Mit ihrem diesjährigen Sommerkonzert öffnete die Kantorei Toggenburg die Fenster der klassischen Kunstmusik weit auf und horchte nach draussen – auf den Klang der Volkslieder, wie sie in ihrer natürlichen Schönheit hereinklingen. Zu Recht machte das reichhaltige Programmheft aber darauf aufmerksam, dass viele Volkslieder nicht einfach „im Volk“ entstanden sind, sondern oft namhafte Dichter (für den Text) und Komponisten in ihren Genen haben, wie das gerade auch beim volkstümlichen „Luegid vo Bärge und Tal“ der Fall ist.

Der Strauss der vorgetragenen Volkslieder war austariert. Alle erschienen in ihrer originalen Substanz, wurden aber durch zeitgemässe Klänge aktualisiert und kommentiert. Zu Beginn erklang eine Auswahl von Liedern aus der Feder von Hans Roelli. Sie waren lange Zeit „Knüller“ in Volksliedkreisen und erwiesen sich auch heute noch als keineswegs angestaubt, im Gegenteil höchst zart und lieblich, stellenweise innig und eindringlich.

Ansprechende Mischung
Dem schlossen sich Volkslieder in schweizerdeutscher Mundart an. In der Vortragsweise der Kantorinnen und Kantoren wurden daraus trotz zeitweiligem Gefühlsüberhang in Text und Melodie völlig unsentimentale und luftige GEbilde, manchmal durch aufblitzenden Humor auch echt lustige. Es folgten ebenso kunstvoll vorgetragene bekannte und weniger bekannte Lieder aus den anderen Schweizer Sprachregionen, das stimmungsvolle „La Sera sper il lag“ nach einem Gedicht von Flurin Camathias, das bekannte „Le vieux chalet“ von Bovet und das mit italienischem Temperament spritzig präsentierte „Teresina Bella“.

Den Abschluss machten innige bis sehnsüchtige Weisen aus der deutschen Liedertradition, auch hier allzu dick aufgetragene Romantik durch einen Spritzer Humor aufmischend. Der Abend klang mit „Der Mond ist aufgegangen“ aus, in seiner stimmungsvollen Schlichtheit unerreicht und immer wieder neu ergreifend.

Bedauern über Abschied von Markus Leimgruber
Die Kantorinnen und Kantoren freuten sich sichtlich, für das Publikum das anspruchsvolle Programm aufzuführen. Mit Bedauern gab Präsidentin Barbara Jäger auch bekannt, dass ihr langjähriger Dirigent, der initiative Wiler Kirchenmusiker und Leiter der Singbox Wil, Markus Leimgruber, die Leitung des Chors abgibt. „Er hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind“, sagte die Präsidentin, „ein spezielles Chorensemble, klein aber fein.“

Auch bei diesem Konzert zeichneten sich die engagierten Sängerinnen und Sänger durch grosse Homogenität des Klanges aus, auch durch ihr deutliches Sprechen und ihre freie, auf einander bezogene Vortragsweise. Der Abend war ansprechend, immer wieder auch echt berührend. Wechselnde neue Akzente verfremdeten das vermeintlich Bekannte in anregender Form. So wurde vieles wieder neu oder anders hörbar.

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Dirigent Markus Leimgruber lässt „sein“ Ensemble hochleben.

Das Konzert wurde am 16. Juni in der Evangelischen Kirche Lichtensteig aufgeführt, am 17. Juni in der Kirche St. Peter Wil (Fotos vom 1. Konzert)