Das Thema «Wohnen im Alter» ist auf ausserordentlich grosses Interesse gestossen. Die Arbeitsgruppe Nanu des Wiler Forums für nachhaltige Entwicklung liess es durch drei Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Bruno Gähwiler zeigte als Präsident der Genossenschaft Alterswohnungen Wil deren Geschichte und Bedeutung auf. Über das Konzept der seit gut fünf Jahren bestehenden Thurvita AG informierte CEO Alard Du Bois-Reymond. Wie zukünftige Wohnformen aussehen könnten, war von Margrit Hugentobler, der ehemaligen Leiterin des ETH-Wohnforums zu erfahren.


Weitsichtige Pioniere

Vor 50 Jahren, als es in Wil noch kein Altersheim, kein Pflegeheim und kein Spital gab, haben zwölf initiative Private die Genossenschaft für Alterswohnungen gegründet. Die Genossenschaft sei durch die politische Gemeinde, die beiden Kirchgemeinden und die Ortsgemeinden ergänzt worden, führte deren Präsident Bruno Gähwiler aus. Später seien auch der Gewerbeverein und der Industrieverein sowie der Rotary und der Lions Club dazugekommen.

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Bruno Gähwiler, ehemaliger Stadtpräsident und Präsident der Genossenschaft Alterswohnungen Wil.


200 altersgerechte Wohnungen

Heute verfügt die Genossenschaft über 198 Alterswohnungen und zwei Pflegewohnungen, verteilt auf neun Liegenschaften. Sie befinden sich an der Flurhofstrasse, an der Bergholzstrasse, an der Thuraustrasse und an der Haldenstrasse. Das Genossenschaftskapital beträgt 800'000 Franken. Der Buchwert der Liegenschaften beläuft sich auf 16 Millionen, der Verkehrswert auf 42 Millionen Franken. Der jährliche Mietzinsertrag macht 2,8 Millionen Franken aus. Bruno Gähwiler wies darauf hin, dass mit dem Mietzins auch zusätzliche Leistungen wie Abwartsdienst, Mittagstische sowie Besuche von Spitex und Pro Senectute abgegolten würden.

Bereit für neue Investitionen

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass das durchschnittliche Eintrittsalter zwischen 74 und 76 Jahren liegt. Die durchschnittliche Wohndauer beträgt 8 bis 10 Jahre. Ein Wohnungswechsel vollzieht sich jährlich bei gut 20 Wohnungen. Die Genossenschaft verfügt über eine gesunde Finanzlage, so dass sie mit Blick auf die Zukunft bereit für Investitionen für neue Wohnungen ist.

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Alard Du Bois-Reymond ist CEO der Thurvita AG.


Gutes Leben im Alter

Alard Dubois-Reymond ist CEO der Thurvita AG. Die seit gut fünf Jahren bestehende Organisation fasst ambulante und stationäre Dienstleitungen im Altersbereich zusammen. Sie betreut in der Region Wil alte und betagte Menschen in allen Lebenslagen. Dies geschieht in Alters- und Pflegeheimen oder zuhause bei den Betagten mit Hilfe der Spitex. Mit Thurvita Care wird zudem palliative Pflege angeboten, welche auch für die Übergangszeit nach einem Spitalaufenthalt in Anspruch genommen werden kann.

«Ich will nicht ins Pflegeheim.» Mit dieser ablehnenden Grundeinstellung aller Betagten sieht sich auch Alard Dubois-Reymond konfrontiert. In Strategiesitzungen habe man deshalb vor fünf Jahren den eigenen Auftrag definiert. Thurvita sehe sich als Dienstleister. «Wir wollen genau jene Hilfe anbieten, welche im konkreten Fall gebraucht wird,» sagt der CEO, «und wir sind in der Lage, die individuell benötigten Leistungen aus einer Hand anzubieten.»

Älter werden im Quartier

Alard Dubois-Reymond hob zwei Thurvita-Projekte besonders hervor. In Bronschhofen soll das Projekt «Älter werden im Quartier» verwirklicht werden. Geplant ist der Bau von 34 Alterswohnungen und 44 Familienwohnungen. Mit den Familienwohnungen soll das Entstehen eines Altersghettos verhindert werden. Die Alterswohnungen werden so gebaut und ausgestattet, dass sie alle gesetzlichen Bestimmungen von Pflegewohnungen erfüllen. Damit kommt das Pflegeheim sozusagen zu den Betroffenen nach Hause. Auch die Spitex wird vor Ort sein. Die in Pflegeheimen schon heute rückläufige Zahl an beanspruchten Plätzen wird damit weiter sinken.

Demenzkranken gerecht werden

Demente Personen in Altersheimzimmern einzuschliessen, beurteilen Fachleute als schlechte Lösung. Thurvita plant in Rossrüti in der Nachbarschaft zum bestehenden Heim den Bau von 80 Plätzen für an Demenz erkrankte Menschen. Sie sollen in zehn Wohngruppen aufgeteilt betreut und in alltägliche Verrichtungen einbezogen werden.

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Margrit Hugentobler, ehemalige Leiterin des ETH-Wohnforums.


Unterschiede verstärken sich

Menschen sind Individualisten. Alten Menschen werde das oft nicht mehr zugestanden. Und es werde versucht, sie alle gleich zu behandeln. Margrit Hugentobler, ehemalige Leiterin des ETH-Wohnforums, ist überzeugt, dass sich die Unterschiede von Mensch zu Mensch im Alter noch ausgeprägter manifestieren. Das zeige sich auch bei den Ansprüchen ans Wohnen.

Immer später alt

Die Grenze, wann ein Mensch als alt zu bezeichnen sei, habe sich im individuellen Empfinden und vom Leistungsvermögen her nach oben verschoben. Die Wohnung aber werde in der nachberuflichen Phase als zentraler privater Rückzugsraum immer wichtiger. Angestrebt werde grösstmögliche Selbständigkeit in der Alltagsgestaltung und Verlässlichkeit des sozialen Umfelds. Margrit Hugentobler wies schliesslich auf Projekte in St. Gallen und in anderen Kantonen mit neuen Wohnformen hin, Alterswohngemeinschaften unterschiedlicher Grösse und Struktur.

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Sie standen auf dem Podium Red und Antwort: Bruno Gähwiler, Margrit Hugentober, Alard Du Bois und Moderator Hans Suter (Redaktionsleiter Wiler Zeitung).

Die Arbeitsgruppe Netzwerk Alter – nachhaltig unterwegs (Nanu) hat die Themen für die nächsten Podien bereits festgelegt: 2019 Freiwilligenarbeit im Alter, 2020 Gesund und aktiv bleiben, 2021 Pflege und Unterstützung im Alter und 2022 Austausch, Zukunftswerkstatt.