Das Championatsweekend begann bereits am Freitagnachmittag mit dem «Vet-Check»: Alle vier Pferde von Voltige Lütisburg bestanden den Test problemlos. Die Startreihenfolge wurde alsdann per Los entschieden. Für die Junioren Einzel von Lütisburg wurde damit eine kurze Nacht eingeläutet. Stefanie Brändle auf Keep Cool an der Longe von Nadja Büttiker lief als Erste morgens um viertel vor Acht in den Zirkel ein, gefolgt von Aliyah Holenstein und Anna Strässle auf Silvantus, longiert von Martina Brander. Sie zeigten alle drei eine solide Pflicht und sicherten sich eine feudale Ausgangslage. 

Die Küren am Nachmittag wurden dann bereits zum Schlüsselpunkt für den weiteren Turnierverlauf. Brändle platzierte sich auf dem 8. Zwischenrang und sicherte sich damit einen Startplatz für den Finaltag, Holenstein und Strässle hatten wenig Glück auf Silly, der vor der zu lauten Musik zu fliehen schien und den beiden Juniorinnen damit das Abrufen ihrer Leistung verunmöglichte. Die zweite Kürdarbietung am Sonntag absolvierten dann alle drei souverän. Stefanie Brändle kam auf den 9. Schlussrang, Aliyah Holenstein und Anna Strässle konnten die verpatzte Kür vom Vortag nicht wettmachen und fanden sich enttäuschenderweise auf den letzten beiden Plätzen wieder.

Ris: Technikteil mit Bestnote

Der Start von Sven Ris im feinen Starterfeld der Senioren Einzel war mit hohen Erwartungen verknüpft. Ris turnte gewohnt ruhig, doch leider mit einem kleinen Patzer in der Pflicht. Den Technikteil schloss er mit Bestnote ab. In der Kür am Sonntag musste er leider nochmals einen Missgriff akzeptieren, den er zwar professionell korrigierte. Für die Schlussnote kostete ihn das jedoch wertvolle Punkte und er musste sich mit Bronze begnügen. «Wir hätten Sven alle Gold gegönnt; leider hat es (noch) nicht sein sollen», so Moni Winkler. «Er ist jedoch unser persönlicher Sieger, ein Kämpfer, der auch auf dem Ersatzpferd eine tolle Leistung erbringt.» Acardi, Sven Ris Herzenspferd, verletzte sich leider während seines «Urlaubs» nach seiner Rückkehr aus Budapest, wodurch Ris auf Keep Cool an den Start ging.

Sina Graf, die zweite Einzelvoltigiererin in der Seniorenkategorie, durfte erfreulicherweise ihre Leistung im gewohnten Rahmen abrufen und belegte den neunten Schlussrang. Auch sie konnte mit dem Technikteil Plätze gut machen, musste sich dann jedoch im beeindruckenden Starterfeld leider nach hinten einreihen.


Eine harmonische Einheit

Martina Brander lief mit ihrem Junioren1-Team und Gruppenpferd Baldus ein. Nach einem sauberen soliden Pflichtdurchgang ging das junge Team am Samstag in Führung. Die Anspannung war enorm hoch, war doch der Zweitplatzierte Tösstal der Bronzegewinner der EM in Le Mans. Den Lütisburgerinnen kam ganz klar zugute, dass die von unzähligen Rückschlägen geprägte Saison das Team zu einer sehr harmonischen Einheit zusammengeführt hat. Ausgeglichen und sehr motiviert liefen sie in den Zirkel ein, bereit, alles zu geben. 

Das Team turnte selbstbewusst eine saubere Kür, Baldus lief zuverlässig seine Runden, wenige kleine Fehler mussten verzeichnet werden. Das Juniorenteam darf sehr stolz sein auf seine Leistung und hat sich den Vizemeistertitel gänzlich verdient. Einige Fehler erklärten sich wohl auch mit den Folgen des harten Fusstrittes, den Anna Strässle von einer Teamkollegin einstecken musste. Wie hoch der Adrenalinspiegel gewesen sein muss, kann man sich denken, denn später wurde im Spital eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma diagnostiziert. «Es war ganz und gar keine einfache Saison; doch das Team hat bewiesen, wie flexibel und stark es ist», so Martina Brander mit sichtlichem Stolz in der Stimme.

An der Longe von Moni Winkler zeigte Rayo nach seiner langen Verletzungspause eine phantastische Leistung. Das Seniorenteam von Lütisburg wurde durch Daria Gallo komplettiert. Bereits nach dem Pflichtdurchgang führten sie die Rangliste mit mehr als einer ganzen Note Vorsprung an. Am Sonntag zeigten sie eine saubere und solide geturnte Kür. Moni Winkler ist zufrieden: «Wir schätzen alle unsere erbrachte Leistung enorm. Es ist ein versöhnlicher Abschluss einer von vielen Widrigkeiten gezeichneten Saison.» Den Schweizermeistertitel 2021 nehmen sie alle mit Achtsamkeit entgegen und geniessen dieses Highlight nach dem grossartigen Auftritt in Rosental und dem souveränen Sieg des OKV Cupfinals.