Während der Chilbi-Samstag noch recht viele Leute ins Dorf lockte – schliesslich war da auch der Dorflauf angesagt -, so mussten die Standbetreiber am Sonntag oft Däumchen drehen, weil die Kundschaft es vorzog, zuhause zu bleiben, allzu garstig liess sich der Tag an. Einzelne Marktfahrer hatten sich da bereits verabschiedet. Dafür erhielten die Beizen in verschiedenen Zelten grossen Zuspruch. Schliesslich will man sich an der Chilbi mit Freunden und Bekannten treffen. Neue Marktordnung
Dieses Jahr gab es ein neues Aufstellungsregime für die Standbetreiber. Im Dorfkern wird gross gebaut. Es grenzt fast ein Wunder, dass die Gerbestrasse noch rechtzeitig für die Umleitung rund um den Dorfkern freigegeben werden konnte. Noch Mitte letzter Woche sah die Strasse zwischen Clientis Bank AG und dem Schmuckgeschäft Schär wie ein riesiger Sandhaufen aus. An der Chilbi erinnerte einzig noch die riesige Baugrube hinter dem Postblock daran, dass noch längere Zeit weitergebaut werden wird. Man musste sich ein wenig an die neue Ordnung gewöhnen, vor allem auch daran, dass kein Rundgang möglich war, da bei der Alten Gerbi alles abgesperrt war.

Wetterkapriolen
Viele Tage lang genoss man hierzulande den goldenen Oktober, um dann genau die Chilbi-Wochenende im Wetterbericht von einem schweren Herbststurmes erfahren zu müssen. War der Samstag tagsüber noch ganz passabel, begann es in der Nacht zu regnen, dann zu stürmen, bis gegen Morgen orkanartige Böen durchs Dorf fegten. Und so beschloss beispielsweise der Frauenverein, seine Zelte abzubrechen, bevor der Sturm es wegreissen konnte. Auch manche Anbieter – vor allem mit Kleidern – zogen es vor, am Sonntag nicht mehr vor Ort zu sein. So gab es denn auch manche Lücke auf den Marktstrassen, auch die aufgestellten Bänke blieben leer.

Chilbi-Gottesdienst
Zum ersten Mal boten die beiden Kirchgemeinden einen Gottesdienst im Chilbi-Zelt an. Sie knüpften damit an die ursprüngliche Bedeutung der Chilbi an, als man Kircheneinweihungen mit einer „Kirchweih“ – oder eben Chilbi – feierte und danach Jahr für Jahr daran erinnerte. Im Kasten unten finden Interessierte einen ausführlichen Artikel zum Gottesdienst.

Jugendliche Akteure
Die beiden einheimischen Jugendverbände Pfadi und Jungschi haben sich auch dieses Jahr etwas Abenteuerliches einfallen lassen. Bei den Jungschärlern war Geschicklichkeit gefragt, denn es galt, ein Geldstück mit einer Schleuder in einen leeren Pflanzentopf zu treffen. Dabei ging es wie im Casino zu und her: Die Bank – d.h. die Jungschi – gewann meistens, denn sie musste nur sehr selten, wenn überhaupt je den doppelten Betrag des eingesetzten Geldstücks auszahlen, da das Hineintreffen ausserordentlich tückisch war. Am Sonntag war dieses Angebot denn auch verschwunden. Das Motto hiess: Olympioniken – was ein paar junge Burschen und Mädchen mit hübschen Lorbeerkränzen auch unterstrichen.

Bei der Pfadi war vor allem Spass zu haben. Auf dem Parkplatz neben der Metzgerei Willi hatten sie eine Rampe aufgestellt, von welcher Wagemutige mit einem Rollbrett sitzend eine kurze Strecke herunterfahren konnte. Für solche mit langen Beinen war die Hauptherausforderung: Wohin mit den Beinen? Wie schön, dass sich weiterhin junge Menschen dafür begeistern lassen, Kindern und Jugendlichen abenteuerliche Unternehmungen zu bieten und etwas gegen Herumlungern und Perspektivlosigkeit zu tun.

Kulinarisches
Kulinarisch gab es allerlei zu geniessen. Chäshörnli und Apfelmus scheinen besonders begehrt zu sein, aber auch Raclette. Man konnte auch unterwegs an einem Stand etwas auf die Hand kaufen, was am Sonntag dann allerdings sehr ungemütlich war. Diesmal war auch ein spezieller Stand mit einer Unzahl an Käse- und Fleischspezialitäten vor Ort, am Samstag gegenüber dem Gemeindehaus, am Sonntag dann etwas geschützter auf der Wiesentalstrasse. Während die Glacéverkäufer vermutlich kein gutes Geschäft machten, gab es vor dem Marronistand öfters längere Schlangen. Diese heissen Dinger wärmen doch so schön kalte Hände.
Aufgefallen ist, dass das frühere Schleckzeug für Kinder heutzutage eher ein Schattendasein fristet, während Magenbrot, aber auch heisse Würste oder Crèpes grossen Anklang finden.

Vereine
Die Chilbi ist auch ein guter Ort, um sich als Verein oder politische Partei zu zeigen. Der Männerchor Frohsinn hatte ein ziemlich gemeines Wurfspiel ausgeheckt. Auch wenn man längere Zeit vor diesem Stand wartete, sah man kaum je einen Schirm in einer der aufgestellten Röhren stecken. Das freute natürlich die Vereinskasse! Auch die Ludothek war – wie immer – vor Ort, allerdings mit einem kleineren Angebot, da weder Platzverhältnisse noch Wetter besonders verlockend waren.

Da in Oberuzwil bald eine neue Amtsperson für den Gemeinderat gewählt werden wird, waren auch die beiden Kandidierenden an der Chilbi anzutreffen. Patrick Schätti wirkte im „Zelt“ in der Küche, Ingrid E. Markart-Kaufmann gab beim FDP-Stand bei Fragen Auskunft. Ihr kleines Zelt wurde allerdings am Sonntagmorgen Opfer des Sturms.

Bahnen fürs Jungvolk
Die Reitschule hatte ihren Platz wie immer auf dem Feuerwehrplatz. Auf dem Parkplatz daneben war am Samstag schon von Weitem riesiges Gekreische zu hören, kein Wunder bei dieser Chilbi-Attraktion namens KAMIKAZE. Am Sonntag blieb diese dann allerdings in Ruheposition, denn bei Regen und Sturm ist es viel zu gefährlich, auch die Kundschaft war vermutlich kaum vorhanden. Auf der überdachten Scooterbah - schon vor fünfzig und mehr Jahren der Traum der Teenagerwelt – versuchten sich junge Burschen, aber auch Mädchen als coole Steuerkünstler. Die Autos machten allerdings oft gar nicht das, was ihre Steuerleute beabsichtigten.

Gemeinnütziges
Wie schon seit Jahren stand auch Josef Rickenbacher mit seinen Helferinnen und Helfern vor der Post und verkaufte für das Hilfswerk LE PONT allerlei feine Erzeugnisse aus Drittweltländern. Der Erlös der ökumenischen Apfelschnitzaktion kommt dieses Jahr dem Verein LEED Schweiz zugute. Näheres zu beiden Hilfswerken steht unten im Kasten. Auch das hat Tradition. Uns geht es zum grossen Teil sehr gut hier in der Schweiz, aber in manchen Weltgegenden ist die Not gross. Solidarität gehört darum auch heute zum ursprünglich beabsichtigten Handeln an einer Chilbi/Kirchweih.


Gemeinde Oberuzwil

1. Ökumenischer Chilbi-Gottesdienst in Oberuzwil

Jungschi Oberuzwil

Pfadi Bi-Pi Oberuzwil

Hilfswerk Le Pont – die Brücke

Verein LEED Schweiz – für Unterprivilegierte in Indien