In der Region Wil haben gerade einige Gemeindepräsidenten ihren Rücktritt angekündigt oder bereits vollzogen. Sie sind schon über 30 Jahre im Amt tätig. Kommen da die Gedanken bei Ihnen vermehrt auf? Oder wie gehen Sie damit um?

Da ich mir immer vorgestellt habe, bis zur ordentlichen Pensionierung zu arbeiten, nein. Ich bedaure die Rücktritte der langjährigen Weggefährten ausserordentlich. Die Entscheide kann ich immer nachvollziehen und verstehen.

30 Jahre ist für einen Gemeindepräsidenten eine lange Zeit. Waren Sie noch nie «amtsmüde»?

Nein, es bleibt gar keine Zeit. Zusammen mit dem Gemeinderat und den Mitarbeitenden darf ich laufend spannende Projekte bearbeiten und begleiten. Da kommt keine Amtsmüdigkeit auf. Die Tätigkeit des Gemeindepräsidenten ist so vielfältig, dass es für mich nach wie vor ein Top-Job ist.

Wie gross – oder eben nicht – ist die Gefahr, in all den Jahren «betriebsblind» zu werden?

Es gibt tatsächlich zwei Seiten. Einerseits kann das Gremium von einer reichen Erfahrung profitieren, anderseits muss es aktuell bleiben. Durch den Austausch auf allen politischen Ebenen, mit unter anderem Weiterbildungen, glaube ich, à jour zu bleiben.

Sie waren schon in Ihren jungen Jahren politisch interessiert. Als Sie das Amt 1991 angetreten haben: Haben Sie es sich in etwa so vorgestellt?

Ich bin ja auf der Gemeindeverwaltung «gross» geworden. Zudem war ich einige Jahre vor der Wahl als Gemeindepräsident als Gemeinderatsschreiber tätig. So kannte ich in etwa die anfallenden Geschäfte und die Tätigkeiten eines Gemeindepräsidenten. Von der Intensität und dem zeitlichen Aufwand - mit all der Verantwortung - bin ich dennoch überrascht worden.

Wie hat sich die Arbeit während all der Jahre verändert und entwickelt? Was ist heute vielleicht gar nicht mehr vorstellbar, was damals noch gang und gäbe war?

Die technische Entwicklung hat auch vor der Verwaltung nicht Halt gemacht. Bei meinem Amtsantritt gab es auf der Gemeindeverwaltung zwei Computer und einige Terminals, die mit dem Rechenzentrum verbunden waren. Sonst waren überall Schreibmaschinen im Einsatz. Die heutigen Lernenden kennen die Schreibmaschine schon kaum mehr. Die IT mit all ihren Vor- und Nachteilen ist nicht mehr wegzudenken. Obwohl ich Nichtraucher bin, wurde an den Sitzungen – und vereinzelt in den Büros – ganz selbstverständlich geraucht.

Als Gemeindepräsident ist man stets im Fokus, man kann es aber natürlich nicht jedem Recht machen. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Zentral ist, abschalten zu können. Das war Dank der Familie immer möglich. Klar nagt es vielleicht ein wenig. Kritik regt jedoch auch zum Nachdenken an. War sie vielleicht doch berechtigt und haben wir alle Fakten in Erwägung gezogen?

Vor allem die Bauten interessieren Sie. Gibt es ein Geschäft, welches Sie ganz besonders beschäftigt hat?

Richt- und Zonenplanrevisionen beschäftigen ganz intensiv. Mit diesen Instrumenten wird ein Grossteil der baulichen Entwicklung einer Gemeinde mitbestimmt. Diese Instrumente sind dann über Jahre hinweg gültig und wegleitend. Da lohnt es sich, viel Zeit zu investieren.

Welches war oder ist die grösste Herausforderung im Hinblick auf Ihre Arbeit?

Die Prioritäten in der ganzen Vielfalt der Geschäfte richtig zu setzen.

Sie haben einmal angetönt, dass Sie nicht über das Pensionsalter hinaus Ihrem Amt nachgehen wollen. Können Sie sich ein Leben ohne Politik überhaupt noch vorstellen?

Auch wenn ich mich mit der Pensionierung aus der aktiven Politik zurückziehen werde, bleibe ich politisch interessiert und werde sicher die eine oder andere Veranstaltung in Zukunft besuchen.