Auch im Zweitling Mørk ist die Nordkap-Insel Magerøya einer der Schauplätze. Weshalb haben Sie sich ausgerechnet das Nordkap ausgesucht?

Als Norden-Reporterin hat es mir Lappland besonders angetan, also der wilde Norden im Norden. Mein Co-Autor Christian Ruch ist ebenfalls mit diesem Virus infiziert, er war bereits 17-mal in Norwegen. Von daher lag es auf der Hand, dass wir Nordnorwegen in die Geschichte einbinden wollten – und das Nordkap ist nun mal ein spektakulärer Schauplatz.

In Ihrem Buch geht es aber nicht nur um den hohen Norden, sondern auch ums Sarganserland. Eine eher ungewöhnliche Kombi.

Ja, das stimmt. Ich trug schon länger die Idee mit mir herum, meine Heimat mit dem hohen Norden in einem Krimi zu kombinieren. Das tönt jetzt eher ungewöhnlich, und ist es wahrscheinlich auch. Für viele ist es ein Lebenstraum, einmal am Nordkap zu stehen. Hingegen habe ich noch nie jemanden sagen hören: Ins Sarganserland zu reisen, ist mein Lebenstraum. Dabei hat das Sarganserland bei genauerer Betrachtung einiges mit dem hohen Norden gemeinsam: Der Walensee ist ebenfalls ein Fjord, umringt von Bergen, die genau so gut in Norwegen stehen könnten. Die beiden ungewohnten Schauplätze haben vermutlich zum grossen Erfolg von «Venner» beigetragen.

Sie sprechen es gleich an: Ihr erster gemeinsamer Krimi war sehr erfolgreich. Wie gross ist da der Druck, mit dem zweiten Buch gleich anschliessen zu können?

Den haben wir schon gespürt. Beim ersten Buch hatten wir quasi freie Fahrt, weil es gar keine Erwartungen gab. Das zweite Buch sollte aber kein Abklatsch des ersten werden, und doch wollten viele Leser die gleichen Figuren wiederfinden. Deshalb haben wir einiges verändert – beispielsweise die Jahreszeit, und wir haben eine dritte Hauptfigur sowie mit Graubünden einen zusätzlichen Schauplatz in die Geschichte genommen.

Noch gibt es natürlich nicht viele Rezensionen, weil «Mork» neu herausgekommen ist. Aber lesen Sie diese?

Ja, klar. Beim ersten Buch wussten wir überhaupt nicht, wie dieses Experiment ankommen würde. Doch dann fiel schon die erste Rezension überaus positiv aus, und wir haben unzählige tolle Feedbacks von unseren Leserinnen und Lesern erhalten. Viele von ihnen waren schon am Nordkap, einige sind, nachdem sie das Buch gelesen haben, extra dahin gereist. Andere fanden es wiederum sehr schön, dass sie den Schauplatz im Sarganserland in- und auswendig kennen – und dieser endlich einmal in einem Buch vorkommt. Wieder andere haben zum ersten Mal in ihrem Leben den Chapfensee oberhalb von Mels besucht.

Nicht nur die Ortschaften unterscheiden sich, sondern auch das Genre: Ihr Buch ist ein witziger Krimiroman. Einen Krimi zu schreiben, ist schon schwierig. Dasselbe gilt für ein lustiges Buch. Aber die Kombination dürfte noch einmal eine grössere Herausforderung sein, oder?

In der Tat ist es nicht ganz einfach. Ich oute mich hiermit als ganz schlimme Krimi-Leserin, während mein Co-Autor Christian Ruch sich kaum für Krimis interessiert, was er vor dem Start eiskalt unterschlagen hat (lacht). Was wir beide aber gemeinsam haben, ist eine hohe Selbstironie und ein heiteres Gemüt. Wir neigen dazu, das Leben von der ironischen Seite zu betrachten und haben ein Faible für Realsatire. Und genau so soll auch das Buch sein. Viele Leute schätzten es, dass unser Krimi garantiert blutfrei ist und es zu keinem Gemetzel kam. Wir haben beide Romane recht unbedarft und aus purem Vergnügen geschrieben – und so soll es auch rüberkommen.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit Ihrem Co-Autor?

Mit einer klaren Aufteilung: Wir haben im Vorfeld bei beiden Krimis zwei parallele Handlungsstränge aufgezeichnet. Das bot sich ohnehin an, weil die Geschichte aus zwei, beziehungsweise drei Perspektiven erzählt wird. Christian Ruch übernahm die Sicht des jungen Polizisten Einar, ich schrieb die Geschehnisse aus der Perspektive von Selina. Wir haben auch örtlich nie am selben Ort geschrieben, sondern im Vorfeld grob skizziert, was bei welcher Figur in welchem Kapitel und an welchem Ort passieren wird. Dann flogen die Kapitel hin und her, und es galt, das eine oder andere anzupassen. Unsere Schreibstile unterscheiden sich bewusst, weil unsere Hauptfiguren unterschiedlich denken und sprechen – das bringt auch Abwechslung in die Story.

Waren Sie sich immer einig?

Fast! Wir haben uns gegenseitig viele Freiheiten gelassen beim Weiterentwickeln der Figuren und der Nebengeschichten – sofern der rote Faden nicht tangiert worden ist. Punkto kriminalistischer Spannung haben wir das Heu nicht auf derselben Bühne, da brauchte es von beiden Seiten Zugeständnisse. Insgesamt aber hatte die Zusammenarbeit viele Vorteile: Jemand, der selber tief in der Geschichte steckt, gibt das erste Feedback und merkt sofort, wenn die Handlungen nicht kongruent sind oder eine Reihenfolge unlogisch ist. Man schreibt zwar für sich im stillen Kämmerlein, kann sich aber trotzdem intensiv austauschen. Zudem verdoppeln sich zu zweit die Inspirationen. Ich hatte zum Beispiel bei «Venner» die Grundidee, aber erst durch den Input von meinem Co-Autor wurde daraus ein stimmiges Ganzes. Man spinnt die Ideen gemeinsam weiter und plötzlich fügt sich eins zum andern.

Was verbinden Sie mit den beiden Haupt-Protagonisten?

Wir wollten zwei kontrastreiche Persönlichkeiten zeigen: Selina, die junge, taffe Meeresbiologin mit einem Sarganser Vater, und der leicht tollpatschig-naive Dorfpolizist Einar, der kaum je aus Norwegen herausgekommen ist. Es hat uns wahnsinnig viel Spass gemacht, diese beiden Hauptfiguren zu entwickeln, und auch die Leser haben sie und das weitere «Personal» ins Herz geschlossen, manche Figuren haben inzwischen regelrechte Fanclubs. Einige wenige Protagonisten gibt es tatsächlich im realen Leben, das Gros aber ist rein fiktiv.

Welches würden Sie als die grösste Herausforderung bezeichnen?

Mir ist ein saftiger Spannungsbogen wichtig, mein Co-Autor möchte vor allen lustige und romantische Szenen – was der Spannung wieder abträglich sein kann. Da mussten wir uns immer wieder finden. Ein zweiter grosser Punkt sind die Gegebenheiten, die wir aus zwei oder drei Perspektiven schildern und die übereinstimmen müssen, zum Beispiel bei der zeitlichen Abfolge.

Wie schreiben Sie am liebsten?

Als selbstständige Texterin und Journalistin musste ich mir für den Krimi jeweils Zeitfenster freischaufeln. Könnte ich wählen, würde ich drei, vier, fünf Tage am Stück dranbleiben. Das ist aber gar nicht so einfach mit Job, Familie und allem, was im Alltag noch Platz finden muss. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Gibt es denn bereits Pläne fürs nächste Buch?

Konkret nicht. Wir wollen die Geschichte nicht totfahren. Jetzt schauen wir erst einmal, wie Mørk ankommt. Falls es aber wieder so viele Nachfragen nach einer Fortsetzung geben sollte – wer weiss?

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