Was geschieht in Bütschwil, wenn die Umfahrungsstrasse am 17. September mal eröffnet ist? Genau das ist die Frage, welche im Dorf zu Diskussionen Anlass gibt – nicht erst seit heute. Kanton St. Gallen und die Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil haben Pläne präsentiert, wie die Strassen angepasst, allenfalls umklassiert werden und wo künftig die Bushaltestellen sind. Doch mit diesen flankierenden Massnahmen sind nicht alle einverstanden. Ein «Komitee für echte flankierende Massnahmen» (Keflam) wehrt sich.

Die Diskussionen laufen schon geraume Zeit. Doch man schien sich anzunähern. Im März dieses Jahres haben Keflam und die Gemeinde eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet. Diese enthielt folgende vier Punkte: Erstens: Erstellung einer Absichtserklärung der Gemeinden Lütisburg und Bütschwil-Ganterschwil zu einem sicheren Anschluss im Gebiet Lerchenfeld. Zweitens: Verzicht auf einen Kreisel an der Ottilienstrasse. Drittens: Mitwirkung des Keflam bei der Ausarbeitung der flankierenden Massnahmen auf der Ottilien- und Wilerstrasse. Viertens: Verzicht des Kaflam auf die Forderung, die Ottilienstrasse solle Gemeindestrasse bleiben.

Keflam mit «roten Linien»

Vor einem runden Tisch im Juli dieses Jahres präsentierte das Komitee Keflam dann «rote Linien» für die flankierenden Massnahmen auf der Ottilien- und Wilerstrasse. Die Forderungen: Verzicht auf eine Trottoir-Überfahrt auf der Mosnangerstrasse. Keine Enteignungen an der Ottilienstrasse. Kein Kreisel an der Kreuzung Ottilien- und Wilerstrasse. Keine beidseitige Bushaltestelle «Hofwiesen». Verzicht auf eine zusätzliche Bushaltestelle im Grünen zwischen Engi und Chrüz. «Der Keflam-Vorstand musste feststellen, dass die Verantwortlichen des kantonalen Tiefbau-Amtes nicht auf die roten Linien eingegangen sind. Die Vereinbarung von März ist somit hinfällig», schrieb der Keflam-Vorstand vergangenen Woche in einem der Redaktion vorliegenden Brief an den Gemeinderat von Bütschwil-Ganterschwil.

Das Komitee Keflam droht nun mit Konsequenzen: «Sollten die Verantwortlichen des kantonalen Tiefbauamts die flankierenden Massnahmen des Kantons St. Gallen nicht zugunsten der Verkehrssicherheit, der Verkehrsentlastung im Dorf Bütschwil sowie im Sinne eines sparsamen Einsatzes von Steuergeldern anpassen, ergreift Keflam im Jahr 2021 das fakultative Referendum gegen den Gemeinderatsbeschluss.»

Eines ist klar: Die Umfahrung Bütschwil wird auch für Diskussionen sorgen, wenn sie eröffnet ist.

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Umfahrungsstrasse wird in Scharen besichtigt (29.8.20)

Wenn eine Strasse eröffnet wird, ist das oftmals kein Grund für allzu grosse Freudensprünge. Anders in Bütschwil. Rund 17'000 Fahrzeuge zwängen sich Tag für Tag durchs Dorf, sorgen für Stau und zuweilen auch für gefährliche Situationen. So ist es mehr als verständlich, dass man sich richtiggehend auf den 17. September freut. An diesem Tag wird die Umfahrungsstrasse mit vier Tunnels und Gesamtkosten von rund 200 Millionen Franken dem Verkehr übergeben. Die Hoffnung besteht, dass der Verkehr durch das Dorf um zwei Drittel abnehmen wird.

Ein eigentliches Eröffnungsfest wird es wegen der Corona-Situation nicht geben. Am Samstag war aber die Bevölkerung von Bütschwil-Ganterschwil eingeladen, die knapp vier Kilometer zwischen Engi und Neudietfurt unter die Füsse oder unter die Räder zu nehmen – nicht-motorisiert. Und das Volk kam, Regenwetter hin oder her. Noch duftete es im Bahnhofstunnel nach Raclette und nicht nach Benzin. Zu gewinnen gab es die erste Durchfahrt am 17. September in einer alten Kutsche.

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Könnte man zur Littering-Bekämpfung eigentlich stehen lassen ...

Bütschwil in Feststimmung. Das trifft aber nicht durchwegs auf die flankierenden Massnahmen zu, welche nun im Dorf zur Verkehrsberuhigung getroffen werden müssen und umstritten sind. Bürger setzen sich gegen die Pläne von Gemeinde und Kanton zur Wehr. Was Gemeindepräsident Karl Brändle dazu sagt, sehen sie im untenstehenden Video-Interview aus dem Bahnhofstunnel.

Gemeindepräsident Brändle: «Ein historischer Moment»

 

hallowil.ch befährt die Umfahrung Bütschwil: