Einmal mehr gehen die Meinungen weit auseinander betreffend Zukunft im Gebiet Geren. Schon seit Jahren beabsichtigt der Gossauer Holzverarbeitungsbetrieb Gebrüder Eisenring AG, den Hauptsitz nach Lenggenwil zu verlegen und eine Produktionshalle zu bauen. Nachdem das kantonale Baudepartement vergangenes Jahr die Pläne zurückgepfiffen hatte, geht es nun in die nächste Runde. Am kommenden Sonntag findet an der Urne eine Grundsatzabstimmung statt, bei der es um die Frage geht, wie hoch in jenem Gebiet gebaut werden darf. 15 Meter hoch wie bisher? Oder doch 18,5 Meter hoch wie von Gebrüder Eisenring gewünscht?

Wenige Tage vor dem Urnengang tun die Gegner der IG Lebensqualität NLZ nun das, was sie an einer Infoveranstaltung Ende Oktober bereits angekündigt hatten – nur schon etwas früher: Sie reichen noch diese Woche beim Departement des Innern des Kantons St. Gallen eine Abstimmungsbeschwerde ein. Sie nennen gleich acht Beschwerdegründe. So habe die Gemeinde vorwiegende Argumente für die höhere Bauweise dargelegt und die Bedürfnisse einer Einzelfirma höher gewichtet als die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Information und Wahlempfehlung seien nicht sauber getrennt worden, womit die die gesetzliche Pflicht zur neutralen und unabhängigen Information verletzt worden sei. Für die IG ist die vom Gemeinderat hergestellte Abstimmungsbroschüre nicht vollständig und reiche nicht aus zur Wahlentscheidung. Zudem seinen bei einer Modell-Darstellung Fehler passiert, Begriffe vermischt worden und Legenden sowie Masse vergessen gegangen. Patrick Mathis von der IG Lebensqualität NLZ sagt gegenüber hallowil.ch: «Die Gebäudelänge ist uneingeschränkt. Zwar gibt es momentan Pläne der Firma Gebrüder Eisenring AG. Aber wir wissen nicht, was dann wirklich kommt. Das macht uns Angst.»

Keine Stellungnahme der Gemeinde

Der Gemeinderat verzichtet auf eine Stellungnahme «aufgrund des nun allenfalls anlaufenden Verfahrens».

Was bedeutet das nun für die Grundsatzabstimmung von Sonntag? Diese findet wie geplant statt – zusammen mit jener zur Sanierung des Lernschwimmbeckens in der Oberstufe Sproochbrugg in Zuckenriet. Sollte sich eine Mehrheit der Stimmbürger für die maximal 15 Meter hohe Bauweise aussprechen, dürfte die IG die Beschwerde zurückziehen. Spricht sich der Souverän aber für eine zulässige Bauhöhe von 18,5 Metern aus, so wird der Kanton zu befinden haben, was mit der Beschwerde passiert. Die IG muss diese Woche aktiv werden, um die gewährte Frist nicht zu verpassen. Ab Zustellung der Wahlunterlagen stehen zwei Wochen zur Einreichung einer Beschwerde zur Verfügung.

Post inside
Patrick Mathis von der IG Lebensqualität NLZ begründet die Abstimmungsbeschwerde.

_______________________________________________________________________________

Gemeinderat begründet seine Haltung (4.11.):

Sollen im Gebiet Geren künftig Gebäude mit einer Firsthöhe von 18,5 Metern oder 15 Metern realisiert werden dürfen? Diese Kernfrage stellt sich den Stimmbürgern von Niederhelfenschwil am 17. November an der Urne. Grund der Abstimmung ist die geplante Betriebsansiedlung der Gebrüder Eisenring AG. Diese will ihr wachsendes Holzverarbeitungs- und Holzhandelsunternehmen aus Platzgründen verlegen. Für betrieblich optimierte Abläufe ist in Lenggenwil eine Produktions- und Lagerhalle nötig, welche die heutig gültige Baumasse überschreitet.

Deshalb hat der Gemeinderat von Niederhelfenscchwil entschieden, die geplante Umzonung des besagten Areals der laufenden Gesamt-Ortsplanungsrevision vorzuziehen. Mit diesem Schritt werde gewährleistet, dass sich die Stimmbürger explizit zur geplanten Anpassung äussern können und nicht über den Zonenplan der gesamten Gemeinde befinden müssen, argumentiert die Behörde.

50 neue Arbeitsplätze als Köder

Durch die bevorstehenden Gesamt-Ortsplanungsrevisionen werden die Gewerbe- und Industriezonen in die neuen, sogenannten Arbeitszonen überführt. Dies wird schrittweise laut Gemeinderat bis im Jahr 2027 im ganzen Kanton St.Gallen geschehen. Die heutige Zone im Gebiet Geren entspricht der künftigen Bezeichnung „Arbeitszone A15“. Die wesentlichen Abweichungen der Arbeitszone A15 gegenüber der nun geplanten Arbeitszone A18.5 sind die erlaubte Gebäudehöhe und -länge. Durch die Anpassung zur Zone A18.5 wären neu Gebäude mit einer Firsthöhe von 18,5 Metern zulässig. Die Länge des Gebäudes würde im obligatorischen Sondernutzungsplan festgelegt werden. Heute ist die Gesamthöhe auf 15 Meter und die Gesamtlänge auf 80 Meter beschränkt.

Sowohl betreffend der Grenzabstände als auch der Empfindlichkeitsstufe bezüglich Lärm bleiben die beiden neuen Arbeitszonen gleich wie heute. „Durch die Zonenanpassung will der Gemeinderat den heutigen Bedürfnissen entsprechen und einen Beitrag zum bewussten Umgang mit den vorhandenen Baulandreserven leisten. Zudem können rund 50 Arbeitsplätze in der Gemeinde angesiedelt werden“, schreibt die Behörde.

Gemeinderat rechnet kaum mit Lärm

Für den Gemeinderat sprechen nebst den ökologischen und wirtschaftlichen Gedanken auch „klare Vorteile“ für die Anwohner für die Arbeitszone 18.5. Diese gewährleistet, dass an Stelle von mehreren einzelnen Baukörpern ein Gesamtprojekt mit einer einzigen Produktions- und Lagerhalle realisiert werden kann. „Dank dieser können die Arbeitsprozesse innerhalb einer Halle getätigt werden. So ist durch die Produktions- und Arbeitsabläufe kaum mit Lärmemissionen zu rechnen“, schreibt der Gemeinderat weiter.

Vergangene Woche hat sich die IG Lebensqualität NLZ Luft verschafft und an einem öffentlichen Infoanlass kundgetan, warum es die Ansiedelung aus ihrer Sicht nicht braucht. Die Argumente sind in diesem Artikel nachzulesen. (gk/red)