Die Stadt Wil braucht eine neue Stadtpräsidentin oder einen neuen Stadtpräsidenten. Denn Amtsinhaberin Susanne Hartmann (CVP) wird ab dem 1. Juni St. Galler Regierungsrätin sein. Das steht seit Sonntag fest. Als einzige Neu-Kandidierende schaffte die Wiler Juristin auf Anhieb den Sprung in die Regierung. Mit 57'464 Stimmen überbot sie das Absolute Mehr von 53'945 um knapp 3500 Stimmen. Hinter den vier Bisherigen Bruno Damann (CVP, 68'766 Stimmen), Marc Mächler (FDP, 67’316), Fredy Fässler (SP, 65'242) und Stefan Kölliker (65'077) rangierte sich Hartmann auf Position fünf und distanzierte die anderen Neu-Antretenden und 8500 Stimmen und mehr. Der zweite Wahlgang um die zwei verbleibenden Regierungsrats-Sitze findet am 19. April statt.

Die Freude war gross bei Hartmann, die sich betreffend Departements-Wunsch nicht in die Karten blicken liess. Das Finanzdepartement werde es aber wohl nicht, da es schon «zwei Interessenten» gebe. Für die Wiler Stadtpräsidentin kam die Wahl überraschend. Dass dies nicht nur eine Floskel ist, beweist dies: Durch ihre Ernennung in die St. Galler Regierung bereits im ersten Wahlgang muss Hartmann dem Noch-Stadtrats-Kollegen Daniel Meili ein Nachtessen bezahlen. Um dieses hatten die beiden gewettet – und Hartmann darauf getippt, dass sie es nicht im ersten Wahlgang in den Regierungsrat schafft. Apropos Meili: Dieser wird die Stadt Wil ab dem 1. Juni als Stadtpräsident ad interim bis Ende des laufenden Jahres führen. Danach beginnt das neue Stadtoberhaupt, welches im Herbst zu wählen sein wird.

Cavelti übertrumpft Häusermann

Bei den Kantonsratswahlen gab es im Wahlkreis Wil Verschiebungen. SVP, FDP und SP verloren je einen Sitz, während CVP, Grüne und GLP je ein Mandat dazugewannen. Somit haben nun SVP und CVP je fünf Sitze, die FDP kommt noch auf drei, die SP und die Grünen je auf zweie und die GLP hat nun einen Sitz. Dass die GLP nach vier Jahren «Pause» im Wahlkreis Wil wieder in die Pfalz zurückkehrt, kommt nicht überraschend. Schon eher überraschend ist, dass der Sitz an Unternehmerin Franziska Cavelti Häller ging und nicht an Spitzenkandidatin Erika Häusermann. Auf Cavelti (Listenposition 4) entfielen 1312 Stimmen, auf Häusermann (Listenposition 1) «nur» 974. Lag es am Knatsch, der zwischen den beiden Frauen wegen Wahl-Flyern entbrannt ist? Franziska Cavelti wollte sich gegenüber hallowil.ch nicht mehr dazu äussern. Dafür sagte sie: «Ich hätte nicht damit gerechnet, gewählt zu werden, freue mich aber auf die neue Aufgabe.»

Im Video: Die «Wiler» Stimmen aus der Pfalz

 

Freude auch bei Michael Sarbach (Grüne), Stadtparlamentarier und Lehrer aus Wil. Nachdem er schon dreimal den Einzug in die Pfalz knapp verpasst hatte, klappte es nun knapp. Da den Grünen ein zweiter Sitz im Wahlkreis Wil zusteht, darf Sarbach nun mit dem wiedergewählten Guido Wick auf Stufe Kanton politisieren. «Wir waren aktiv und haben auch viele Stimmen von Leuten geholt, die sonst traditionell andere Parteien wählen. Das ist eine Belohnung für unsere Politik», sagte Sarbach.

Hartmann auch in den Kantonsrat gewählt

Ebenfalls zu den Siegerinnen gehört Monika Scherrer (CVP), Gemeindepräsidentin von Degersheim. Sie schaffte zwar die Wahl nicht. Da aber Parteikollegin Susanne Hartmann neben der Regierung auch noch in den Kantonsrat gewählt wurde und jenes zweite Amt natürlich nicht annahm, rutschte Scherrer nach. «Ich habe damit gerechnet, erster Ersatz zu werden. Aber nicht, dass es einen fünften Sitz gibt. Wir waren viel unterwegs und nahe bei den Leuten. Mir persönlich hat zudem geholfen, dass ich im Nationalratswahlkampf schon präsent war», sagte Monika Scherrer.

Zu den Verlierern gehört die SVP, die deutlich an Stimmen und auch einen Sitz verloren hat. «Das Ergebnis tut weh, weil uns ein paar wenige Listenstimmen den sechsten Sitz gekostet haben. Wir haben rund 71'000 Listenstimmen, die CVP hat 61'000. Und beide haben gleich viele Sitze. Aber so ist halt der Modus», sagte SVP-Kreisparteipräsident Bruno Dudli. Peter Haag ist somit ab Juni nicht mehr Kantonsrat.

Ernüchterung auch bei FDP und SP

Auch bei Claudio Altwegg, Wahlkampfleiter der FDP Kreispartei Wil, war die Enttäuschung wegen eines verlorenen Sitzes gross. Erich Baumann, der einst für Marc Mächler nachgerutscht war, muss seine Kantonsrats-Zelte wieder abbrechen und die FDP hat nur noch drei Sitze. «Ich habe nicht mit einem Sitzverlust gerechnet. Es scheint nicht gelungen zu sein, unsere Wähler zu mobilisieren», sagte Altwegg.

Ein bitterer Nachmittag war es auch für die SP, die ebenfalls einen Sitz verlor und den abtretenden Peter Hartmann somit nicht ersetzen darf. Raffael Sarbach, SP-Wahlkampfleiter und Bruder das in den Kantonsrat gewählten Mike Sarbach, sagte: «Es ist ernüchternd. Wir konnten unsere Themen wie Prämienverbilligungen und Krippenplätze nicht rüberbringen.»

Alles wie gehabt im Toggenburg

Keine einzige Verschiebung gab es im Wahlkreis Toggenburg. Alle elf bisherigen Kantonsräte waren wieder angetreten und wurden im Amt bestätigt. Die SVP hat mit vier Sitzen weiterhin dies Nase vorne, gefolgt von der CVP mit drei Sitzen und FDP sowie SP/Grüne mit je zwei Sitzen.

Den Liveticker zum Wahlsonntag gibt es hier zum Nachlesen.

Im Bezirk Münchwilen finden die Kantonsratswahlen erst am kommenden Sonntag (15. März) statt. Auch darüber wird hallowil.ch berichten.

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Sie vertreten die Region Wil im Kantonrat

Wahlkreis Wil, 18 Sitze:
Erwin Böhi (SVP, bisher)
Bruno Dudli (SVP, bisher)
Ursula Egli (SVP, bisher)
Damian Gahlinger (SVP, bisher)
Karl Schweizer (SVP, bisher)

Bruno Cozzio (CVP, bisher)
Ernst Dobler (CVP, bisher)
Cornel Egger (CVP, bisher)
Monika Scherrer (CVP, neu)
Sepp Sennhauser (CVP, bisher)

Caroline Bartholet (FDP, bisher)
Jigme Shitsetsang (FDP, bisher)
Andreas Widmer (FDP, bisher)

Daniel Baumgartner (SP, bisher)
Dario Sulzer (SP, bisher)

Michael Sarbach (Grüne, neu)
Guido Wick (Grüne, bisher)

Franziska Cavelti Häller (GLP, neu)

Wahlkreis Toggenburg, 11 Sitze:
Mirco Gerig (SVP, bisher)
Ivan Louis (SVP, bisher)
Christian Spoerlé (SVP, bisher)
Linus Thalmann (SVP, bisher)

Karl Brändle (CVP, bisher)
Mathias Müller (CVP, bisher)
Andreas Widmer (CVP, bisher)

Kilian Looser (FDP, bisher)
Imelda Stadler (FDP, bisher)

Martin Sailer (SP/Grüne, bisher)
Christoph Thurnherr (SP/Grüne, bisher)