Schweizweit sind immer mehr Menschen arbeitslos. Ende Juni beträgt die Zunahme im Kanton St. Gallen im Vergleich zum Vorjahr rund 42 Prozent. Der Wahlkreis Wil liegt gemäss neusten Zahlen des Volkswirtschaftsdepartements mit 36.3 Prozent mehr Stellensuchenden als im Juni 2019 leicht unter dem kantonalen Durchschnitt. Am grössten war die Zunahme im Sarganserland, wo es zurzeit 62 Prozent mehr Arbeitslose gibt als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, gefolgt vom Rheintal mit 55 Prozent. Natürlich sind die seit Monaten extrem hohen Werte auf die Corona-Pandemie und die vom Bundesrat zu ihrer Eindämmung beschlossenen Massnahmen zurückzuführen.

Im Wahlkreis Wil suchten Ende Juni 1926 Menschen eine Stelle. Ende Mai waren es 1880, Ende Juni des Vorjahrs 1413. Im Wahlkreis Toggenburg präsentiert sich die Entwicklung ähnlich. Waren im Juni 2019 noch 592 Personen auf Stellensuche, sind es aktuell 818. Das entspricht einer Zunahme von 38 Prozent. 

Junge überdurchschnittlich betroffen  

Generell bestätige sich der Trend, dass jüngere Altersgruppen überdurchschnittlich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Wirtschaftsleben betroffen sind, schreibt das Volkswirtschaftsdepartement. Bei den 15-24-jährigen Stellensuchenden beträgt der Anstieg gegenüber dem Vormonat 56 Personen oder etwas über drei Prozent. Etwas weniger sind es bei den 25-49-Jährigen, nämlich 1,5 Prozent. Bei den Ältesten sind es gut zwei Prozent.

Kantonsweit ist die Zahl der Stellensuchenden im Baugewerbe (-4 Prozent) und im Gastgewerbe (-3.1 Prozent) gegenüber dem Vormonat etwas gesunken, dies aus saisonalen Gründen. In verschiedenen Industrie-Branchen, etwa im Papier- und Druckgewerbe, oder der chemischen Industrie (je knapp +8 Prozent) stieg die Zahl. Ebenfalls unverändert im Kanton ist der Anstieg im Detailhandel (+2.4 Prozent).

Auch Kurzarbeits-Anträge steigen weiter

Gegenüber dem Mai haben im ganzen Kanton nochmals 100 Betriebe für 1000 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Damit haben im Kanton St. Gallen insgesamt 104'000 Beschäftigte in 9300 Betrieben Kurzarbeit. Das sind mehr als ein Drittel aller Beschäftigten im ganzen Kanton. 

Am höchsten ist die Kurzarbeit-Quote im Grosshandel mit über 70 Prozent aller Beschäftigten, dicht gefolgt vom Gastgewerbe mit 69 Prozent. Auch die Branchen «Autohandel und -reparatur», «Elektrotechnik, Elektronik, Optik Künstler, Freiberufler», «Kunst, Sport und Erholung» sowie Freiberufler weisen Quoten von über 60 Prozent auf. Über 50 Prozent liegt die Quote bei Metallbau, «Möbel, Reparatur von Maschinen», «Textilien, Bekleidung, Schuhe» sowie «Verkehr und Transport». Relativ wenig Kurzarbeit gibt es in den Bereichen «Land, Forst, Fischerei» (2.4 Prozent), im Finanzsektor (5.9 Prozent) und bei Lehrpersonen (7.8 Prozent). (pd/red)

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Ein Drittel mehr Stellensuchende als vor einem Jahr im Wahlkreis Wil (9.6.)

Die Zunahme im Wahlkreis Wil von April zu Mai ist mit 0,85 Prozent nur halb so gross wie im ganzen Kanton St. Gallen. Somit wurde der Anstieg zwar abgebremst, dies aber in einer Jahreszeit, in der die Zahl der Stellensuchenden üblicherweise sinkt. Aussagekräftiger ist der Vergleich mit dem Vorjahr. Ihm gegenüber ist die Zahl der Stellensuchenden um 465 Personen höher, was einer Zunahme von fast einem Drittel entspricht. Ende Mai waren im Wahlkreis Wil 1880 Personen auf Stellensuche. Deutlich härter getroffen hat es andere St. Galler Wahlkreise. Im Sarganserland gab es innerhalb eines Jahres einen Anstieg um 53 Prozent. Nahe bei 40 Prozent liegen das Rheintal sowie die Wahlkreise See-Gaster und Rorschach.

Im Vergleich mit den anderen Altersgruppen waren die jüngeren Stellensuchenden im Kanton St. Gallen noch vor kurzem vergleichsweise weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Mittlerweile haben sich die Werte angenähert. Die Stellensuchenden-Quoten betragen aktuell 4,4 Prozent für die 15-24-Jährigen, 4,8 Prozent für die 25-49-Jährigen und 4,7 Prozent für die 50-Jährigen und Älteren. Unter den Industriebranchen ist der Anstieg bei den jungen Stellensuchenden im Maschinenbau ausgeprägt. Dasselbe gilt bei den Dienstleistungen für den Bereich Verkehr und Transport sowie das Gastgewerbe. Weniger ausgeprägt ist die Zunahme im Baugewerbe und im Detailhandel.

Mehr als jeder Dritte weiterhin in Kurzarbeit

Die behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie haben in den vergangenen Monaten zu einem zuvor nie beobachteten Anstieg der Voranmeldungen zur Kurzarbeit geführt, wie der Kanton St. Gallen am Dienstagvormittag schreibt. Für den Monat Juni hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit kantonsweit bei knapp 9200 Betrieben und für etwas mehr als 103'000 Mitarbeitende Kurzarbeit bewilligt. Zum Vergleich: Vor Jahresfrist betrug die Zahl der meldenden Betriebe 15 mit weniger als 1000 Mitarbeitenden.

Die Voranmeldungen betreffen schätzungsweise etwas über ein Drittel der Beschäftigten im Kanton St.Gallen. Der produzierende Sektor ist mit über 40 Prozent stärker betroffen als die Dienstleistungen mit 33 Prozent. Unter den Industriebranchen ist etwa der Bereich Elektrotechnik, Elektronik, Optik mit fast 60 Prozent der Beschäftigten stark vertreten. In der Textilindustrie ist der Anteil fast gleich hoch und im Bereich «Möbel und Reparatur von Maschinen» sind es mehr als die Hälfte. Unter den Dienstleistungsbranchen weisen die Automobilbranche, der Grosshandel, Gastgewerbe und Hotellerie, die freiberuflichen Dienstleistungen sowie der Bereich Kunst, Sport und Unterhaltung Voranmeldequoten von knapp 60 Prozent und mehr auf. Viel geringer ist der Prozentsatz im Detailhandel, bei den Finanzdienstleistungen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Lehrstelle trotz Corona

Trotz der ausserordentlichen Lage auf dem Arbeitsmarkt erhielten Jugendliche im Kanton St.Gallen in den vergangenen Wochen vielerorts die Chance, Schnupperlehren zu absolvieren. «Dass Betriebe trotz Kurzarbeit neue Lernende anstellen und Lernende nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung weiter beschäftigen können, ist in der aktuellen Situation sehr hilfreich», sagt Daniel Lang, Leiter der Hauptabteilung Arbeitslosenversicherung im Amt für Wirtschaft und Arbeit. Um Berufseinsteiger im Alter zwischen 15 und 25 Jahren bei der Arbeitssuche gezielt zu unterstützen, hatte die Arbeitslosenversicherung im Kanton St.Gallen ihrerseits auch während der vom Bund verfügten Massnahmen ihre spezifischen Angebote weitergeführt. Dazu zählen das Motivationssemester und die «Navigation 20-30», welche auf individuelle Anschlusslösungen an die Arbeits- und Berufswelt ausgerichtet ist. Die Angebote würden rege genutzt, so Lang. (pd/red)