Rund 40 private Waldbesitzer waren der Einladung der Waldregion 1 für eine Waldbegehung gefolgt. Am Eingang des Oberuzwiler Waldes im Freudenberg startete die Begehung zu den vier Informationsposten, wo Förster und Jäger Details die Themen Forstschutz, Waldpflege, Holzmarkt und Jagd vorstellten. Theo Hürlimann, Vizepräsident im Waldrat, dem strategischen Führungsorgan der Waldregion 1, gab eingangs einen Einblick über die Grösse der Waldregion. Das Gebiet geht vom Bodensee über die Wälder Rorschacherberg, Tannenberg, Kloster Magdenau, Uzwil, Ortsbürger Wil, Iddaburg bis zur Grenze des Kantons Thurgau bei Fischingen. In den 10 Forstrevieren wirken 12 Förster. Hürlimann stellte fest, dass Waldbegehungen gemäss einer Umfrage bei den Waldbesitzern einem Bedürfnis entspreche. Die letzte Begehung fand im Jahr 2013 statt.

Waldbesitzer sind wichtige Dienstleister der Allgemeinheit
Der Waldrat Waldregion 1 führte eine Umfrage bei den Waldbesitzern über deren Zufriedenheit durch. 91% der Waldbesitzer zeigten sich sehr zufrieden oder zufrieden mit den Dienstleistungen der Förster. Waldbesitzer sind nach Hürlimann wichtige Kunden im 9'300 ha grossen Waldgebiet. Die Förster seien Dienstleister in Sachen Wald und zugleich Anlaufstelle für Fragen rund um den Wald. Mit der Waldbegehung könnten sie einen vertieften Einblick zu aktuellen forstwirtschaftlichen Themen geben.

Der Waldrat will die Allgemeinheit für die vielfältigen Leistungen des Waldes sensibilisieren. Die Mehraufwendungen der Waldeigentümer können aufgezeigt werden. Es gehe nicht nur um nachhaltige Produktion von Roh- und Werkstoff Holz. Der Wald schütze Menschen und Infrastruktur vor Naturgefahren. Hinzu komme dessen Wirkung als Lebensraum für seltene und bedrohte Pflanzenarten. Nicht zuletzt biete der Wald Ruhe und Erholung für die Menschen. Der Waldrat verfolgt nach Hürlimann die Waldpolitik wachsam und nutze das Netzwerk zu aktiven Politikern.

Vier Themen behandelt
Der Regionalförster Raphael Lüchinger widmete sich dem Thema Forstschutz und Forstorganisation. Revierförster Bruno Cozzio nahm sich dem Thema Waldstrategie, Waldpflege und Waldbewirtschaftung an. Heinz Engler Geschäftsführer HMO informierte über den Holzmarkt und die Probleme Import/Export. Zwei Jäger, Jochim Keultjes und Patrick Gloudie von der Jagdgesellschaft Uzwil, stellten Pflege des Wildbestandes vor.

Jägerschulung mit hohen Anforderungen
Die beiden Jäger, Jochim Keultjes und Patrick Gloudie, informierten über die strenge Ausbildung zum Jägerpatent. Die ganze Ausbildung dauere über 1,5 Jahre, allein Schulung. Hinzu kämen vier obligate Samstage für die Waffenhandhabung. Bei der Waffenprüfung müssten beim Schrot sieben der 11 Schüsse auf bewegte Ziele Treffer sein. Beim Kugelschuss müssten vier von sechs Schüssen Treffer sein. Bei der Theorieprüfung müssten von 15 Themen deren 10 richtig beantwortet werden.

Das Patent sei Voraussetzung für ein Mitmachen bei der Jagdgesellschaft. Der Beitrag variiere je nach Gesellschaft zwischen 50 bis 200 Franken. Die Zahl zum Abschuss frei gegebenen Tiere werde auf Grund von Zählungen festgelegt. Geschossen werden in dieser Region Rehe, Fuchs und Dachs. Der Feldhase sei zwar nicht geschützt, bleibe in ihren Kreisen ob der tiefen Population verschont.

Waldfunktionen
Nach Revierförster Bruno Cozzio dient der Wald der Waldwirtschaft und der Erholung. In unserer Region kenne man nur wenig Schutzwald. Für eine erfolgreiche Holznutzung müsse entsprechende Pflege stattfinden. Der Waldbesitzer lege fest, welchen Bäumen er passende Umgebung für eine Nutzung bieten wolle. Zur Waldpflege gehöre auch das Belassen von Totholz, weil sich dort Nützlinge ansiedelten, welche Schädlinge bekämpften.

Förster als Dienstleister
Regionalförster Raphael Lüchinger wies auf die Dienstleistung der Förster hin. Diese Dienste werden über die Grundsteuern finanziert. Förster dienten der Sicherstellung der Waldfunktion, aber immer im Einklang mit der Natur. Für die kostengünstige Bewirtschaftung arbeiteten sie vermehrt mit Gemeinschaftsholzschlägen.

Eine Pflicht für die Waldbewirtschaftung gibt es nach Lüchinger nicht. Vor Haftungsansprüchen müsse sich der Waldbesitzer kaum Sorgen machen, weil der Waldbesucher mit Gefahren rechnen müsse. Für den Bau von Waldhütten seien die örtlichen Gemeinden zuständig. Allerdings herrschten restriktive Vorgaben. Lüchinger wies abschliessend auf das Eschensterben hin, ausgelöst durch eine Pilzart. Eine Bekämpfung sei ob der Verbreitung über die Luft praktisch unmöglich. Befallene Eschen sofort zu fällen sei nicht unbedingt notwendig. Der Baum könne sich auch vom Befall erholen.

Der Wald für Holznutzung
Heinz Engler von der Holzmarktwirtschaft wies auf die notwendige Pflege des Waldes hin, soll er nicht zum Urwald werden. Bei richtiger Pflege könne die CO2-Bindung des Waldes optimal funktionieren. Sie hätten öfters Probleme mit Umweltverbänden ob fehlendem Fachwissen.

Seit dem Jahr 2000 exportiere die Schweiz auch Hölzer. Die Holzbranche sei extrem Preisschwankungen ausgesetzt, insbesondere durch günstige Importe. 70 bis 80 Prozent des Schweizer Holzbedarfs werde importiert. Noch schlechtere Bedingungen habe die Aufhebung der Preisbindung des Euro zum Franken gebracht mit einem 20-prozentigen Preiseinbruch. Die Nachfrage nach Schweizer Holz habe aktuell zugelegt auch durch den Slogan „Schweizer Holz ist Trumpf“.

Abschliessend waren die Waldbesitzer zu Wurst und Brot geladen, um den Austausch auf lockerer Ebene zu ermöglichen.