Der Gwerblerlunch der Uzwiler Gewerbetreibenden im monatlichen Turnus zur Mittagsstunde gilt immer der Behandlung von aktuellen Themen, welche dem Fortkommen im Unternehmen behilflich sein können. Gewerbepräsident Rolf Raschle hatte zu den Themen «Wandel im Zahlungsverkehr und Digitalisierung» zwei kompetente Referenten eingeladen. Zur Begrüssung wies Raschle darauf hin, dass die beiden Themen auch kleinere und mittlere Unternehmen interessieren müssen, wollen sie den Anschluss an die Zukunft nicht verpassen.

Ersatz für den über 100 Jahre alten Einzahlungsschein
Samuel Strässle, Produktmanager Zahlungsverkehr bei der St. Galler Kantonalbank, wies eingangs darauf hin, dass eigentlich der ISO-Standard 20022 der EU den Wandel im Zahlungsverkehr angestossen habe, den die Schweiz übernommen habe. Weitergehend hätten regulatorische Anforderungen aus dem Geldwäschereigesetz, der Wirrwarr an Formaten und die Digitalisierung die Neuerung angestossen.

Es müsse wohl auch anerkannt werden, dass der über 100 Jahre alte Einzahlungsschein nicht mehr heutigen Bedürfnissen im Zahlungsverkehr genügen könne. Eine erste spürbare Veränderung sei die Einführung der IBAN-Nummer an Stelle der PC-Konto-Nummer. Weiter folge die E-Rechnung unter dem Titel «eBill», welche bei allen Banken durchgehend eingeführt sei. Die noch bevorstehende Änderung werde alle Einzahlungsscheine durch die neue QR-Rechnung mit dem sogenannten QR-Code ersetzen.

ISO 20022 erfolgreich eingeführt
Nach Strässle haben bereits 90 Prozent der Firmenkunden ein Umstellungsprojekt auf ISO20022 gestartet. 80 Prozent hätten die Umstellung bereits abgeschlossen. ISO 20022 sei die technische Voraussetzung für eine reibungslose Übermittlung der Daten via QR-Rechnung.

Ohne ISO 20022-Standard wird es bei der automatischen Abstimmung von Zahlungsein- und -ausgängen bald einmal zu Verzögerungen kommen. Weil Name und Adresse des Zahlungsabsenders fehlen, kann die Geldwäschereiverordnung nicht eingehalten werden.

Weitergehend wies Strässle darauf hin, dass die Umstellung auch mit Vereinfachungen in der Abwicklung beim Zahlungsverkehr beinhalte. So entfalle das Abtippen der langen Referenznummer im E-Banking. Das System E-Rechnung habe bei über 1'000 Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen bereits Einzug gehalten.

Trends sind die treibende Kraft bei der Digitalisierung
Mit Joël Ben Hamida von «Bexio» Rapperswil referierte ein auf Digitalisierung spezialisierter Unternehmer vor den aufmerksamen Uzwiler Gewerblern. Es seien die Trends im digitalen Bereich, welche als treibende Kraft den Wandel immer schneller machten. Wie immer mehr alles digital ablaufe zeigten mehrere Beispiele. Im Jahr 2015 habe mit «Uber» das weltgrösste Taxiunternehmen gestartet, besitze aber kein einziges Taxi. Facebook als bekannteste Medienplattform, produziere aber keine eigenen Inhalte. «Alibaba» der weltgrösste Einzelhändler, besitze kein Lager und «Airbnb», weltgrösste Immobilienplattform, besitze aber keine eigenen Immobilien.

Wie das Tempo bei der Einführung von digitalen Medien zunehme zeige sich an bisherigen Entwicklungen. Zur Erreichung von 50 Mio. Nutzern habe das Radio 38 Jahre gebraucht. Das Fernsehen benötigte nur noch 13 Jahre. Drastisch nach unten ging es beim I-Phone, das noch 4 Jahre für 50 Mio. Nutzer brauchte. Das Internet benötigte noch drei Jahre, Facebook ein Jahr und Twitter gar nur neun Monate.

Frühzeitige Anwender sind die Gewinner
Joël Ben Hamida betonte, dass sie als Gewerbetreibende gefordert seien, sich der Digitalisierung zu stellen, ansonst sie von den aktiven Nutzern überholt werden. Es sei einfach wichtig, dass heute jedes Unternehmen einen Facebook-Account habe. Der Computer habe zwar seine bestimmten Funktionen. Hingegen laufe immer mehr über das Smartphone ab.

Grundsätzlich habe sich mit dem Internet die Suche nach Informationen total verändert. Werbung über Internet habe drastisch zugelegt. Der Gewinn im Printbereich beim Tagesanzeiger von 2001 sei gleich gross gewesen, wie der Ertrag aller 12 Tageszeitungen im Jahr 2017. 65 Prozent der Einkäufe starteten via Smartphone, 25% auf dem Laptop und weitere 11% auf dem Tablett. Beruhigend nannte Hamida abschliessend, dass 82 Prozent der Unternehmer an Vorteile mit digitalen Plattformen glauben.

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Der spontane Austausch unter Gewerbetreibenden gelingt beim Gewerblerlunch vorzüglich.

Der Information aus dem unternehmerischen Bereich folgte der Mittagslunch aus der Landhaus-Küche, verbunden mit regem Austausch. Die beiden Referate boten genügend Diskussionsstoff.