Bundesfeiern am Abend haben Tradition und sind vielerorts noch immer üblich. An manchen Orten aber beklagt man sich über die dürftige Präsenz von Bevölkerung und Vereinen wegen der vielen ferienbedingten Abwesenheiten. Uzwil geht seit einigen Jahren einen eigenen Weg. Die Feier ist auf den Mittag angesetzt, was private abendliche Feiern im Familien- und Freundeskreis ermöglicht. Die 1.-August-Feier am Mittag beim Schulhaus Kirchstrasse war auch dieses Jahr gut besucht und wies als Höhepunkt eine kabarettistische «Rede» auf.Für die Uzwiler Bundesfeier ist der Verkehrsverein Uzwil und Oberuzwil zuständig. Seit kurzem hat er in Christoph Breiter einen neuen Präsidenten. An der bereits traditionellen Feier hat er aber wenig verändert. Eher aussergewöhnlich war die Ansprache. Für einmal war kein Politiker engagiert worden. «D’Alliglattohre» aus Flawil nahmen die Aufgabe kabarettistisch wahr.

Professionelle Feuerwerker
«D’Alliglattohre», in Flawil als Fasnachts-Schnitzelbänkler bekannt, stellten sich als Feuerwerker vor. Felix und Heinz-Rüdiger – Tobias Fischer und Christoph Ackermann – sahen sich dann aber mit der Erwartung konfrontiert, eine Bundefeier-Ansprache zu halten. Ihr Feuerwerk war demzufolge kein pyrotechnisches, sondern eine geist- und witzreiche Zusammenstellung möglicher und unmöglicher Redensplitter von Bundesräten und anderen Prominenten.

2000-Watt-Bundesfeier
Bundespräsidentin Doris Leuthard liessen die Kabarettisten am AKW-Standort Gösgen auftreten. Auf ihren Wunsch habe man dort eine 2000-Watt-Bundesfeier auf die Beine gestellt. Auf einen 2000-Watt-Verstärker habe sie aber verzichtet und ihre Rede durch ein Verkehrshütchen gehalten. Doris Leuthard habe den 1. August zum Tag der erneuerbaren Energie erklärt. An keinem anderen Tag lasse sich so viel erneuerbare Energie gewinnen. Es müsse nur noch gelingen all die heisse Luft, welche landauf und landab an den Rednerpulten abgesondert werde, nutzbar zu machen.

Frühfranzösisch und Puurezmorge
Bundesrat Alain Berset persiflierte in Märstetten die Thurgauer Liebesmüh mit dem Frühfranzösisch. Weil die Thurgauer Mühe mit der französischen Sprache und er Mühe mit dem Deutschen habe, liessen ihn die Kabarettisten seine Rede auf (missverständliches) Frühenglisch halten.

Toni Brunner hatte im Albisgüetli den Unterschied zwischen einem 1.-August-Brunch und einem Puurezmorge zu erklären. Am 1.-August-Brunch dürfe man zum Püürli noch Püürli sagen. Aber beim Puurezmorge sei es ratsam, den Bauern nicht mit Püürli anzusprechen.

Aus der grossen weiten Welt
Bundesrat Johann Schneider-Ammann wurde als Weltreisender und mässig begabter Redner beschrieben. Nach seiner Rede zum Tag der Kranken komme er höchstens noch als Bundesfeier-Redner zum Zug.

Zum Zug kommt Peter Spuhler in verschiedenen Ländern und Kontinenten mit seinen Zügen. Und im Fernsehen soll er ebenfalls zum Zug kommen, und zwar mit dem «Fabrikantenstadler», einer Nachfolgesendung des «Musikantenstadls»,

Fifa-Präsident Gianni Infantino will seine Rede dort halten, wo ihm das dickste Couvert zugesteckt wird. In Hinterkappelen werden seine Erwartungen aber nicht erfüllt.

Sportreporter Bernie Schär vom Radio SFR spricht am Lauberhorn ohne Punkt und Komma über den Rütlischwur.

Und Friedrun Burkhalter wird nach dem Rücktritt ihres Mannes Didier aus dem Bundesrat endlich einen Mann wie andere Frauen haben: einen Mann, der den Rasen mäht, Kommissionen macht und das Auto wäscht.

Ein Fest für Jung und Alt
Der festliche Rahmen bot für jeden etwas. Der Sängerbund an der Thur hatte das Zeltdach aufgestellt, welches diesmal vor der Sonne und nicht dem Regen schützen musste, und war für Grillwürste, Kuchen und Getränke besorgt. Für die musikalische Umrahmung waren wieder die «Altstadt Ramblers» aus St. Gallen engagiert worden. Die Jungschar Quelle lud auf die Hüpfburg und zu Rasenspielen ein. Der Reitstall Wagner aus Niederbüren liess Kinder auf drei Freiberger Pferden reiten.