Der Zweckverband Seniorenzentrum Uzwil führt die beiden Pflegeheim-Standorte Marienfried und Sonnmatt. In diesem Jahr wird mit einem Defizit von über zwei Millionen Franken gerechnet. Es gäbe derzeit kaum Nachfragen nach Pflegeplätzen im Marienfried. Welches sind die Gründe dafür?

Corona hat die Nachfrage nach Pflegeplätzen negativ beeinflusst. Die Auslastung vieler Pflegeinstitutionen ist tief. Kommt hinzu, dass wir mit der Erweiterung das Angebot just in dieser Phase ausgebaut haben. Die demografische Entwicklung zeigt zwar, dass der Bedarf markant steigen wird. Um stark pflegebedürftige Menschen aufzunehmen, müsste das Marienfried jedoch umgebaut werden. Das lohnt sich nicht.

Hat Corona das Schicksal des Marienfrieds besiegelt oder wäre die Schliessung in einigen Jahren ohnehin nötig geworden?

Corona hat den Prozess beschleunigt. Bei der Nachfrage, die es vor Corona gab, hätten wir das Haus vielleicht noch fünf oder sechs Jahre betreiben können.

Das Marienfried gehört für viele einfach dazu. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Sehr. Auch für mich persönlich. Ich war gern da, vor Corona wöchentlich zum Mittagessen. Das Marienfried hat für Niederuzwil aufgrund seiner bewegten Geschichte eine besondere Ausstrahlung und Bedeutung.

Haben Sie bereits Rückmeldungen erhalten?

Viele Bewohnende und auch die Mitarbeitenden haben mit einem solchen Schritt gerechnet. Das höre ich. Drum ist dort die Überraschung vielleicht etwas kleiner als in der Öffentlichkeit. Und sonst gibt es natürlich von Trauer über Enttäuschung bis zur Freude über das neue Zuhause alle Facetten.

Der Umzug der Demenz-Abteilung ist für Ende Oktober geplant. Wie geht es danach für das Marienfried weiter?

Nach dem Umzug der Demenz-Abteilung bleibt die «normale» Station noch zwei Wochen in Betrieb und wird in der ersten Novemberhälfte gezügelt. Danach wird das Haus geschlossen.

Weiss man bereits, was mit dem Gebäude passieren wird?

Die aktuellste und wahrscheinlichste Idee ist die Umnutzung als Schulhaus. Das dürfte allerdings aufgrund der politischen Prozesse und dem nötigen Bauprojekt noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis das Gebäude umgebaut werden kann. Ich rechne da mit mehr als zwei Jahren bis zu einem Baustart.