In die Uzwiler Tagung eingegliedert war das Referat von Damian Kaeser vom Pastoralamt der Diözese. Er sprach über das Projekt «Neuland» des Bistums St. Gallen. Anlass zu diesem Projekt war der heutige Zustand der Kirche. Damian Kaeser bezeichnete ihn ungeschminkt als «desaströs». In dieser Situation würden ein paar Retuschen nicht weiterhelfen. Es seien grundlegende Veränderungen nötig. Es gehe um Haltungen. Dabei stehe «Lernen - Umlernen» im Vordergrund. Die Menschen wünschten sich nicht mehr eine Kirche, die ihnen sage, was sie zu tun hätten. Sie sollten und wollten die Kirche mitgestalten.

Massiver Bedeutungsverlust

Die Kirche habe massiv an Bedeutung verloren. Sie sei ein «Auslaufmodell». Heute werde aber viel schöngeredet. Wir seien nicht weit davon entfernt, dass nicht einmal die Hälfte der Menschen in unserem Land einer der grossen Landeskirchen angehörten. Es sei notwendig, die ganz schwierige Situation der Kirche anzuerkennen. «Neuland» zu betreten bedeute, alle Menschen zu akzeptieren und einzubeziehen. In der Schweiz hätten wir dabei die Chance, die Ressourcen von vielen angestellt Tätigen nutzen zu können. Das dürfe aber nicht zu einer Delegation der Verantwortung führen. Kirche seien alle Menschen. Ihre erste Aufgabe sei nicht, die Institution Kirche am Leben zu erhalten oder keine Steuerzahler zu verlieren. Es gehe darum, sich für Menschenrechte und für eine lebenswerte Umwelt einzusetzen. Wichtig sei es, ein Teil der Gesellschaft zu sein und deren Richtung zu beeinflussen.


Verschiedene Sichtweisen

Die Einstiegsfrage in die Tagung lautete: Was würde dir fehlen, wenn es die Kirche nicht gäbe?» Während die lakonische Antwort vieler Zeitgenossen wahrscheinlich «Nichts!» wäre, listeten die kirchlich Engagierten einen ganzen Katalog von persönlichen Werten auf. Darin fehlten weder Gottesdienste, noch Rituale, Gemeinschaft, Begegnungen, Antworten auf Lebensfragen, Musik, Architektur, Zugehörigkeit, moralische Richtschnur noch Heimat. Den Teilnehmern war jedoch klar, dass ihre Empfindungen nicht mehr von der Mehrheit der Menschen in der Seelsorgeeinheit geteilt werden.


«Von unten nach oben»

Das Kernteam mit Paul Gähwiler-Wick (Vorsitz), Peter Falk, Erwin Wild, Erwin Bolt, Kari Bürgler und Selina Hälg-Mauchle, begleitet durch Guido Kriech, baute den Workshop auf der Grundlage der Kick-off-Veranstaltung, seiner in der Zwischenzeit geleisteten Arbeit und den Erkenntnissen des Prozesses «Neuland» auf. In der traditionellen, hierarchisch gegliederten katholischen Kirche ging man nach dem Prinzip «top – down», «von oben nach unten», vor. Diesbezüglich ist die Kerngruppe zur Überzeugung gelangt, dass ein grundlegender Wechsel zum Ansatz «bottom – up», «von unten nach oben» unerlässlich ist. Man möchte alle Menschen erreichen und sie um ihre Mitwirkung bitten.

Arbeit in «Denkfabriken»

Anstreben will man die gesetzten Ziele durch die Bildung von sogenannten Denkfabriken. Für sieben Ansprechgruppen sollen offene Anlässe organisiert werden. So hofft man junge Familien, Jugendliche, kirchennahe oder kirchenferne Menschen, Behinderte oder Senioren zu erreichen. Menschen mit Leitungserfahrung und Nähe zu den entsprechenden Gruppen übernehmen die Verantwortung. Dabei ist ihnen mit auf den Weg gegeben worden, mutig zu handeln. Nur so könne Kirche wieder Kreise ziehen.