Julia Bönig kennt den Krebsbach gut. Das Gewässer fliesst unweit ihrer Haustüre in Rossrüti Richtung Wil. Da sie sich für Klimafragen interessiert und die extremen Ereignisse des Hitzesommers 2018 sie «schockierten», drängte sie in ihr die Frage auf, inwieweit «meine eigene nähere Umgebung vom Klima und vor allem vom Menschen selbst beeinflusst wird». Als ihr noch eine Untersuchung des Amtes für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen aus dem Jahr 2016 per Zufall in die Hände fiel, in der die Wasserqualität des Krebsbaches beschrieben wurde, war für sie klar: Das ist das Thema für meine Maturaarbeit.

Defizite aufdecken, um Lebensraum zu schützen

Bönig untersuchte, ob sich die Wasserqualität des Krebsbaches in den vergangenen drei Jahren verbessert hat oder nicht. Für die Untersuchung stützte sich die Maturandin auf das Modul-Stufen-Konzept (MSK) ab, das im Jahr 1998 vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) entwickelt wurde. Der grundlegende Zweck des MSK ist, Defizite aufzudecken und entsprechende Massnahmen zu entwickeln, um die Funktionen der Fliessgewässer als Lebensraum für Flora und Fauna zu erhalten. Das MSK stützt sich bei seiner Beurteilung der Gewässer vorwiegend auf den Nachweis, bzw. dem Nicht-Vorhandensein von Lebewesen, sogenannten Makrozoobenthos, welche in natürlichen Oberflächengewässern vorkommen.


Wichtige Bestimmung von Bioindikatoren

Um den Zustand des Krebsbaches bestimmen zu können, waren Messungen vor Ort notwendig. Bönig untersuchte den Krebsbach auf seine biologische, chemische und physikalische Qualität hin. So wurden Wasserproben vom Grund des Baches, samt den sich darin befindlichen Sedimenten auf das Vorhandensein von Bioindikatoren, genau unter die (Stereo)-Lupe genommen. Bioindikatoren sind lebendige Zeigerarten. Also Kleinstlebewesen, die sensibel auf eine Veränderung ihres Lebensraumes wie beispielsweise eine Temperaturerhöhung oder ein Abfall der Sauerstoffgehalts im Wasser reagieren. Bei der Ermittlung der Wasserqualität des Krebsbaches spielte also nicht nur die Anzahl unterschiedlicher Lebewesen eine wichtige Rolle, sondern auch, wie anspruchsvoll diese gegenüber ihrer Umgebung sind.

Wasserqualität beim Weier besser als in Rossrüti

Das Resultat zeigte, dass sich zwischen 2016 und 2019 nicht viel im Krebsbach getan hat. Mal wurde ein wenig Schaum gesehen (2016), mal war die Indikatorgruppe (2016) mit der Stufe 3 «leicht höher». Doch alles in allem schnitt der Krebsbach in der Beurteilung seines biologischen Wasserzustandes schlecht ab. Bönig resümiert, dass am Messpunkt beim Stadtweier die Lage nach wie vor «unbefriedigend» sei. Dies ist jedoch besser – und das dürfte viele überraschen – als am quellnahen Messepunkt in Rossrüti. Denn hier schneidet der Krebsbach mit «schlecht» ab. Warum dem so ist, kann Bönig nur spekulieren. «Einleitungen in das Gewässer an der Probenahmestelle Rossrüti könnten für einen ungünstigen Eintrag aus Siedlung und Landwirtschaft sprechen», schreibt Bönig. Zudem sei der Uferbereich zwischen Gewässer und der angrenzenden Wiese «sehr schmal», so dass bei einer Düngung Verunreinigungen ins Gewässer gelangt sein könnten.