Der Wasserverbund Niederhelfenschwil liess im Frühling 2019 Untersuchungen zur Pflanzenschutzbelastung bei der Quellfassung Kobesen und im Pumpwerk Thur beim Golfplatz in Niederbüren durchführen. Beim Pumpwerk Thur wurden dabei erhöhte Werte des Pestizidwirkstoffs Chlorothalonil gemessen. Mit 0,311 μg/kg wurde der seit Sommer 2019 gültige Toleranzwert vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) von 0,1 μg/kg überschritten. Seither verzichtet der Wasserverbund Niederhelfenschwil auf Wasser aus dem Grundwasser der Thur, das vom Pumpwerk Golf in Niederbüren gefördert wird. Dies schreiben die Wasserkorporationen von Niederhelfenschwil, Zuckenriet und Lenggenwil im Mitteilungsblatt der Gemeinde Niederhelfenschwil.

Sollten sich jedoch Trockenperioden wie im Sommer 2018 häufen, sei das Versogungsgebiet auf zusätzliches Wasser aus dem Grundwasservorkommen der Thur angewiesen. Gemäss der Mitteilung wäre das unbedenklich, denn das Wasser aus dem Pumpwerk ist wieder sauberer. Eine neue Probe vom Januar 2020 hat gezeigt, dass die Maximalwerte für Chlorothalonil mit 0,094 μg/kg wieder eingehalten werden.

Mischen hilft

Für den Fall, dass Toleranzwerte überschritten werden, bestehen seit August 2019 schweizweit einheitliche Massnahmen und Fristen. Für die Wasserkorporation Niederhelfenschwil besteht dabei die einfache Möglichkeit, durch Mischen mit einwandfreiem Trinkwasser (bspw. aus der Quellfassung Kobesen) die Einhaltung des Höchstwertes für Chlorothalonil sicherzustellen. Dies innerhalb der gesetzlichen Frist von einem Monat.

Im Sommer 2019 hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf Basis einer Neubeurteilung befunden, dass Hinweise dafür gibt, dass Abbauprodukte des Pestizidwirkstoffes Chlorothalonil die Gesundheit gefährden können. Seither findet das Thema auch medial eine grössere Beachtung. Chlorothalonil ist ein Pestizid-Wirkstoff der in Pflanzenschutzmitteln seit den 1970er Jahren als Fungizid, also als Mittel gegen Pilz, zugelassen ist. Es wird vor allem im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt. Darüber hinaus wird Chlorothalonil auch in mit Holzschutzmittel belasteten Materialien nachgewiesen und ist daher auch in Innenräumen zu finden. 

Kurzfristig keine Gefahr

Der Verkauf von Pestiziden mit dem Inhaltsstoff Chlorothalonil ist seit dem 1. Januar 2020 verboten. In der Vergangenheit wurden in der Schweiz jährlich 30 bis 40 Tonnen Chlorothalonil eingesetzt. Der Stoff ist durch den Untergrund gesickert und heute können seine Abbauprodukte in erhöhten Konzentrationen auch im Trinkwasser nachgewiesen werden. Das bestätigt die aktuelle Messkampagne des Verbands der Kantonschemiker der Schweiz. 

Nebst der Landwirtschaft sehen Experten auch Gärten, in denen Pflanzenschutzmittel und Dünger aller Art zum Einsatz kommen, als Quelle für Chlorothalonil. Mit dem Verbot des Wirkstoffs soll die Kontaminationen des Grund- und Trinkwassers längerfristig zurückgehen. Die Fachleute sind sich einig, dass kurzfristig keine Gefahr besteht. 

Welche Schäden die verschiedenen Abbauprodukte von Chlorothalonil mittel- und langfristig anrichten können, ist noch Gegenstand der Forschung.  «Einfach warten bis sich das Grundwasser von selbst reinigt, ist keine Strategie. Die Substanzen werden zu langsam abgebaut.» Gemäss Bundesamt für Umwelt muss damit gerechnet werden, dass die Verunreinigungen die Wasserversorger von Genf bis zum Bodensee noch länger beschäftigen werden. «Der Wasserverbund Niederhelfenschwil wird intensiv an diesem Thema dranbleiben und transparent informieren», schreiben die Wasserkorporationen. (pd/rop)