Seit Anfang Juni sind aus dem ganzen Kanton St. Gallen über 200 Meldungen bei der Kantonspolizei St. Gallen eingegangen, in denen sich Menschen über falsche Polizistinnen und Polizisten am Telefon beklagen. Das Opfer in Wattwil: Eine 58-jährige Rentnerin. Die Kantonspolizei St. Gallen schreibt: «Ein unbekannter Täter gab vor, ein Polizist der Kantonspolizei St.Gallen zu sein und gaukelte der Frau glaubhaft vor, dass es angeblich Einbrecher auf ihr Geld und Schmuck abgesehen hätten. Er forderte die Geschädigte auf, eine hohe Summe Bargeld bei der Bank abzuheben und diese zusammen mit ihrem Schmuck sicherheitshalber bei ihm zu deponieren. Die 58-Jährige folgte diesem Aufruf und übergab an ihrem Wohnort anschliessend einer unbekannten Täterin Bargeld in der Höhe von mehreren 10'000 Franken sowie diverse Schmuckstücke in unbekanntem Wert.»

Festnahme in Waldkirch

Ein ähnlicher Betrugsversuch hat sich laut Kantonspolizei St. Gallen in Waldkirch ereignet. Am Montagabend, vor 19 Uhr, wurde ein 86-jähriger Rentner von einem unbekannten Täter angerufen, der sich als Polizist ausgab und den 86-Jährigen aufforderte, sein Bargeld, Schmuck und weitere Gegenstände an die Polizei auszuhändigen. Noch am selben Abend würde jemand die Wertsachen abholen, liess der vermeintliche Polizist verlauten. Weiter hält die Kantonspolizei fest: «Der Rentner meldete den Betrugsversuch umgehend der Kantonspolizei St. Gallen. In der Folge konnte kurz vor 20:45 Uhr eine Person festgenommen werden, die zur Liegenschaft des Rentners gekommen war, um die Wertgegenstände entgegen zu nehmen. Beim Festgenommenen handelt es sich um einen 30-jährigen, im Kanton Basel-Stadt wohnhaften Slowaken.» Weitere Ermittlungen seien im Gang.

Weitere Zunahme der Fälle seit gestern

Die falschen Polizistinnen und Polizisten werden offenbar auch durch die mediale Berichterstattung nicht abgeschreckt. Florian Schneider, Polizeisprecher der Kantonspolizei St. Gallen, sagt: «Die Zahl der Meldungen hat sich seit unserer Polizeimeldung von gestern schon wieder um 30 erhöht, jetzt sind wir schon bei 230 Fällen.» Schneider kann die Fälle auch regional präzise eingrenzen: «In der Polizeiregion Fürstenland-Neckartal, die sich von der Stadtgrenze St. Gallen bis Wattwil streckt, gab es seit Anfang Juni 75 Meldungen. In den ersten Augusttagen häuften sich die Telefonanrufe in Waldkirch, gestern um die Mittagszeit auch in Andwil.» Und er ergänzt: «Die falschen Polizistinnen und Polizisten suchen wohl gezielt Opfer höheren Alters. Sie orientieren sich an Namen, die heute nicht mehr so oft vergeben werden.» Besser sieht es im Hinterthurgau aus. Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, sagt: «In den letzten zwei Wochen gab es aus dem Hinterthurgau keine Meldungen über Anrufe von falschen Polizisten.»

Tipps der Polizei

Die Kantonspolizei St.Gallen warnt vor solchen Anrufen und rät Folgendes:

- Seien Sie skeptisch, wenn sich eine hochdeutsch sprechende Person als lokaler Polizist ausgibt

- Die Polizei verlangt von Ihnen niemals Geld, Schmuck oder andere Gegenstände zur Aufbewahrung

- Melden Sie einen verdächtigen Anruf über die Rufnummer 117

- Machen Sie einem fremden Anrufer gegenüber keine Angaben über Ihre persönlichen oder finanziellen Verhältnisse

- Übergeben Sie unbekannten Personen niemals Bargeld und Wertsachen

- Warnen Sie Bekannte und Verwandte

Weitere Informationen gibt es unter: Telefonbetrug: Wenn falsche Polizisten Geld abholen | Schweizerische Kriminalprävention (skppsc.ch)