Zum dritten Mal in der Geschichte des Parlaments und dies innert 10 Jahren stellt die Fraktion „GRÜNE/prowil“ mit Luc Kauf für 2018 den Parlamentspräsidenten. Mit einem Glanzresultat von 36 der möglichen 38 Stimmen wurde Luc Kauf an der ersten Parlamentssitzung im 2018 vom Donnerstag im Amt bestimmt. Für den neuen Vizepräsidenten Marc Flückiger (FDP) ergaben sich 33 Stimmen. Mit dem Wechsel von der abtretenden Ursi Egli (SVP) war die nun einsetzende „Grüne Welle“ mit Luc Kauf (GRÜNE/prowil) bereits an der nachfolgenden Feier bereits spürbar.
Die Ersatzwahl in das Präsidium des Wiler Parlaments verlief plangemäss und in geordneten Rahmen. Die abtretende Parlamentspräsidentin Ursi Egli (SVP) gab sich in ihrer Abschiedsrede dankbar für die vielen Erfahrungen in ihrem Amtsjahr. Das Parlament habe sich überaus konstruktiv gegeben, indem vielmals gute Ideen erst an Sitzungen zur Sprache kamen. Sie blickte auch auf die politische Zukunft, den konstruktiven Dialog zur Stadt, der Arbeitgebervereinigung und dem Gewerbe weiter zu führen.

Mit 12 Jahren Parlamentserfahrung
Fraktionspräsident Guido Wick (GRÜNE/prowil) stellte den Kandidaten aus seiner Fraktion, Luc Kauf, für das Präsidium vor. Zwar ältestes Mitglied in der Fraktion, bringe Kauf dafür 12 Jahre Parlamentserfahrung mit. Der ursprüngliche Toggenburger qualifiziere sich bestens für das Amt mit seiner humorvollen und ausgeglichenen Art. Neben Gelassenheit könne der ausgebildete Betriebsökonom auch temperamentvoll agieren.

Mit dem Glanzresultat von 36 Stimmen schien Luc Kauf im Parlament unbestritten. In seiner Antrittsrede gab sich Luc Kauf denn auch bescheiden, letztlich nur als ein Rad im Konstrukt wirken zu können. Er werde sich mit aller Kraft für ein gutes Gelingen einsetzen. Er freue sich auf lebendige Diskussionen und Auseinandersetzungen.

Vizepräsidium aus der FDP
In der Besetzung des Vizepräsidiums war gemäss ausgehandelter Regelung die FDP an der Reihe. Adrian Bachmann stellte den Kandidaten Marc Flückiger als jungen Unternehmer vor, der auch für junge Politik einstehe. Eingestiegen als Mitglied der Jung-FDP blicke er bereits auf sechs Jahre Parlamentserfahrung zurück. Seine Befähigung für das Amt bestätige sich in seiner Vielseitigkeit in der Fraktionsarbeit. Der selbständige Unternehmer im Liegenschaftsbereich zeichne sich in Gründlichkeit und Zuverlässigkeit aus. Mit 33 Stimmen wurde Marc Flückiger gewählt.

Wahl der Stimmenzählenden
Gemäss Wahlvorschlag des Parlamentspräsidiums wurden folgende drei Parlamentsmitglieder ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung als Stimmenzählende gewählt:

1. Stimmenzähler: Erwin Böhi (SVP)
2. Stimmenzähler: Christoph Hürsch (CVP)
3. Stimmenzähler: Mark Zahner (SP)

Als Ersatzstimmenzählende wurden ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung folgende drei Mitglieder des Parlaments gewählt:

1. Ersatzstimmenzähler: Nathanael Trüb (SVP)
2. Ersatzstimmenzähler: Hans Moser (CVP)
3. Ersatzstimmenzählerin: Susanne Gähwiler (SP)

Gemäss Geschäftsreglement des Stadtparlaments gehören dem Parlamentspräsidium von Amtes wegen an:
Fraktionspräsident CVP Gehrig Christoph
Fraktionspräsident SVP Büsser Benjamin
Fraktionspräsident FDP Breu Mario
Fraktionspräsident GRÜNE prowil Wick Guido
Fraktionspräsidentin SP Ammann Schläpfer Silvia

Schiessanlage Thurau unbestritten
Das dritte Traktandum betreffend Dachsanierung bei der Schiessanlage Thurau war unbestritten. Kommissionspräsident Reto Gehrig betonte den notwendigen Ersatz der asbesthaltigen Abdeckung. Das Parlament hatte über einen Gesamtbetrag von 707'000 Franken zu befinden. Die Zustimmung galt vorbehaltlich der Beiträge der beteiligten Gemeinden Zuzwil, Rickenbach und Wilen im Gesamtbetrag von 120'000 Franken.

Erst auf Nachhaken der Bau- und Verkehrskommission (BVK) konnte eine vertragliche Regelung gefunden werden, wonach sich die Gemeinden nicht nur an den Betriebskosten, sondern auch baulichen Erneuerungen zu beteiligen haben. Die Fraktionen aus SP, FDP, SVP kritisierten die Unterlassung der Beitragsprüfung unter anderem auch an die Adresse des verantwortlichen Departementleiters Daniel Stutz. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann relativierte die Verantwortlichkeit von Daniel Stutz, dass sie auch im Stadtrat zu wenig hartnäckig über die Regelung nachgefragt hätten.

Mit der Einreichung zweier parlamentarischen Vorstösse endete die Parlamentssitzung. Eine Anfrage stellt Erika Häusermann (glp) zum 5. Jahrestag der Gemeindevereinigung. Eine Interpellation reichte Erwin Böhi (SVP) ein betreffend Quartierschulen und Integration.

„Grün“ gefärbte Wahlfeier
Den Vorsitz im Amt des höchsten Wilers mit Luc Kauf nutzte die Fraktion „GRÜNE/prowil“, die Feier entsprechend ihrer grünen Politik zu gestalten. So fand der obligate Apéro im Nachgang der Parlamentssitzung nicht im kleinen Saal der Tonhalle, sondern beim Stadtweier im Freien statt. Auch beim angebotenen Imbiss hielt man sich daran mit nur gemüsebelegten Broten. Unter den Tabletts waren auch Angebote dabei mit „Vegan“ bezeichnet.

Ganz in Grün hielt sich auch die Einladungskarte zur Wahlfeier in der Focacceria beim Bahnhofplatz, gestaltet von Susanne Warth. Die grüne Welle setzte sich auch zum Festessen fort, indem zwar verschiedenste best mundende Gerichte aufgetischt wurden, jedoch immer ohne Fleisch.

Mit der Schweiz-Präsidentin der GRÜNEN, Regula Rytz, amtierende Nationalrätin, hatte sich auch hoher Besuch aus Bern eingefunden. Sie gab sich erfreut darüber, dass die Wiler GRÜNEN nun neben dem Stadtrat auch das Parlamentspräsidium stellen dürfen. Bern sei allerdings noch etwas „Grüner“ als Wil mit 25% Wähleranteil und könne den ersten grünen Stadtpräsident stellen

Laudatio für Ursula Egli
Traditionell hielt Stadtpräsidentin Susanne Hartmann eine Laudatio an die Adresse der abtretenden Parlamentspräsidentin Ursula Egli. Hartmann lobte Ursi Egli ob ihrer bestimmten Art der Parlamentsführung, die Glocke nicht inflationär, sondern sehr kultiviert eingesetzt zu haben.

In ihrer Amtszeit brillierten die Parlamentsmitglieder mit ihrer Anwesenheit, im Schnitt mit 38 von 40 Parlamentariern. Ursi Egli habe sich in ihrem Präsidialjahr ausgiebig mit Neuem auseinandergesetzt und an Anlässen Präsenz markiert.

Betreffend Einsätze im Parlament führte Ursi Egli 11 Sitzungen, wie ihre Vorgängerin Christa Grämiger mit einer totalen Einsatzzeit von 1'920 Minuten. Eglis Sitzungen waren jedoch im Schnitt 20% kürzer. Mit der längsten Sitzungsdauer bis 22.10 Uhr habe sie den Rekord von 22.45 Uhr im 2016 nicht schlagen können. Effizient war Ursi Egli auch bei der Traktandierung. Christa Grämiger hatte 50% mehr Traktanden vorgenommen, behandelt hätten aber beide um die 60 Traktanden. Luc Kauf müsse überdies in „Kauf“ nehmen, dass er keine leeren Traktandenlisten übernehme. Den traditionellen silberne Kugelschreiber erhielt auch Ursi Egli überreicht.

Abschliessend durfte der neue Parlamentspräsident die Gratulationen der Fraktionen aus SP, CVP, FDP und SVP entgegen nehmen, teils überaus ideenreich vorbereitet.