Nicht nur die Gastronomie trifft die zweite Corona-Welle mit voller Wucht, sondern auch den Bereich Kultur. An der Pressekonferenz von Freitagnachmittag hat der Bundesrat mitgeteilt, dass öffentliche Veranstaltungen im Kulturbereich ab Mitternacht verboten sind. «Leider müssen wir somit alle Vorstellungen vom Theaterstück 'Sams – Eine Woche voller Samstage' verschieben», teilt die Bühne Thurtal kurz nach dem Bundesrats-Entscheid in einem Facebook-Post mit. Dabei wurde die Märliproduktion nach dem bekannten Kinderbuch von Paul Maar erst gerade am 25. November im grossen Saal der Wiler Tonhalle uraufgeführt. Mit der neuen Märlibühne in Wil bietet die Bühne Thurtal jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein Theaterstück für Kinder und Familien. «Die genauen Verschiebedaten werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben können», informiert die Ostschweizer Theatergruppe im Facebook-Post weiter. Ein Besuch auf der Internetseite der Bühne Thurtal gibt weitere Informationen: «Die bereits gekauften Tickets behalten ihre Gültigkeit. Bis wir die Verschiebedaten publizieren, führen wir keine Rückerstattungen durch.» 

Wie bereits während der ganzen ausserordentlichen Lage trotz die Theaterproduktiongruppe dem Coronavirus mit Optimismus. «Wir versuchen so schnell wie möglich, die Kultur in der Ostschweiz wieder anzukurbeln», betont die Bühne Thurtal. 

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Die Märliproduktion «Sams – Eine Woche voller Samstage» wird bis auf Weiteres auf Eis gelegt. (Bild pd)

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So trotzt die Bühne Thurtal der ganzen Corona-Situation (24.10.20):

Wie für die unterschiedlichsten Wirtschaftszweige und -branchen ist die aktuelle Corona-Situation auch für die Bühne Thurtal eine grosse Herausforderung. Die steigenden Fallzahlen und die verordneten Massnahmen führen zu Unsicherheit. «Es ist keine einfache Zeit», sagt Simon Keller, Künstlerischer Leiter der Bühne Thurtal, in einer Livestream-Pressekonferenz am Samstag, «wir sitzen buchstäblich zwischen den Bänken». Die Theaterproduktionsgruppe wolle arbeiten, nehme die aktuelle Situation aber auch ernst. Wie organisiert sich die Gruppe während der Corona-Pandemie? Und wie geht sie mit der aktuellen Situation um, die besonders das Arbeiten in der Kultur- und Unterhaltungsbranche fast unmöglich macht?

Für die Bühne Thurtal fühle sich die aktuelle Lage wie ein Déjà-vu an. «Wir haben das Ganze schon einmal erlebt», betont Keller. Dabei blickt der junge Künstlerische Leiter auf das vergangene halbe Jahr und den Lockdown, der die ganze Schweiz überrollt hatte, zurück. «Es war der 13. März, ein Tag vor unserer Premiere des Stücks ,Verdammte Baustellen', erinnert er sich, «als wir unsere Generalprobe im Wiler Hofkeller beendet haben.» Für die Premiere sei alles bereit gestanden: Die Generalprobe sei sehr gut über die Bühne gegangen, das Bühnenbild sei gestanden und die Technik sei bereit gewesen. «Danach haben wir alle zusammen die Pressekonferenz des Bundesrates geschaut, um zu sehen, ob wir Sicherheitsmassnahmen für die erste Aufführung treffen müssten», berichtet Keller rückblickend. Nach der Medienorientierung im Fernsehen sei dem ganzen Team bewusst gewesen, dass sie ihre Produktion nicht spielen konnten.

Danach seien immer mehr Veranstaltungen in der Kultur-Branche abgesagt worden. In den Augen der Bühne Thurtal sei das ganze Leben still gestanden. «Uns wurde auch schnell klar, dass wir unsere Sommerproduktion ‘Zwinglis Frau’ nicht spielen konnten und haben sie deshalb um ein Jahr verschoben», erzählt Keller weiter. Denn die Gruppe konnte nichts vorbereiten, nichts proben. «Und eine Produktion mit 700 Zuschauern zu spielen, wäre auch nicht schlau gewesen», betont er.

«Kopf nicht in den Sand stecken»

Obwohl die Bühne Thurtal ganze Produktionen absagen und verschieben musste, wollte sie nicht den Kopf in den Sand stecken. «Es war nicht unser Ding, nichts zu tun», so Keller. Das sei nicht ihre Philosophie. Aus diesem Grund hatte die Gruppe anschliessend spontan ein Livestream-Studio aufgebaut. Beim Projekt «Life for Live» konnten Künstler aus der ganzen Schweiz etwas aufführen. «Es war ein cooles Projekt, so hatten wir während des Lockdowns etwas zu tun», meint Keller. Während des Projekts habe man in einem sogenannten Spendentopfs Gelder von den Zuschauern gesammelt – diese wurden dann auf die einzelnen Künstler aufgeteilt.

Danach sind die Fallzahlen nach und nach gesunken. «Für uns war zu diesem Zeitpunkt klar, dass wir etwas produzieren müssen – damit die Leute nicht nur Netflix, Youtube und die Fallzahlen des BAG sehen müssen», erklärt Keller. So sei innerhalb von zwei bis drei Wochen das Stück «Nöd Zwingli» entstanden, dass die Bühne Thurtal dann im Kloster Fischingen aufgeführt hatte – unter Corona Schutzmassnahmen versteht sich. Man habe nicht viele Zuschauer zulassen dürfen. «Aber jeder Besucher hat einen Liegestuhl bekommen und konnte es sich irgendwo in der Wiese gemütlich machen», erzählt Keller von der speziellen Atmosphäre. Die Abstandsregeln konnte so mehr als eingehalten werden.

Theaterproduktionen auch in der zweiten Welle

Zwar konnte die Bühne Thurtal die ursprüngliche Sommerproduktion nicht wie geplant durchführen, aber sie wollten aus der Situation das Beste machen. «Daraus ist eine wunderschöne Sache entstanden und die Menschen haben es gebraucht, um für ein paar Stunden nicht an Corona denken zu müssen», meint Keller. Diese Motivation wolle die Bühne Thurtal nun weiter erhalten und plant auch während der zweiten Welle Theaterproduktionen zu zeigen. «Wir wollen die Menschen unterhalten, unsere Arbeit zeigen – trotz Schutzmassnahmen, die wir einhalten müssen und werden» verspricht Keller. So zeigt die Theaterproduktionsgruppe ab Mittwoch, 25. November, die Produktion «Eine Woche voller Samstage» in der Wiler Tonhalle Wil. «Hier können die Abstandsregeln und Schutzmassnahmen wegen der Grösse des Saals sehr gut einhalten», sagt Keller. Da die Tour der Dinnerkomödie «Verdammte Baustellen» im Frühling abgesagt werden musste, startet diese nun im November. «Diese Stück wird in sehr kleinen Räumen gespielt», sagt Keller. Da nicht so viele Zuschauer zugelassen werden dürfen oder einige interessierte Besucher wegen der Pandemie nicht kommen werden wollen, bietet die Bühne Thurtal eine Alternative: einen Livestream. Man wolle in Kameras investieren, «damit die Zuschauer auch von zu Hause das gleiche Erlebnis spüren wie die Zuschauer vor Ort.»

«Wie gesagt, ist es auch für uns nicht einfach», sagt Keller noch einmal, «aber wir wollen weiterkommen und den Menschen gerade während dieser schweren Zeit eine Ablenkung bieten.» Gerade weil das nicht ihr Hobby sei, sondern ihre Arbeit. «Wir wollen bei unseren Aufführungen etwas anderes bieten als das, was da draussen passiert.» Jetzt sei man gefordert innovativ und kreativ zu sein. 

Mehr zu den Aufführungen gibt es unter www.buehnethurtal.ch.