Über 100 Kulturschaffende aus dem Grossraum Wil hatten vor Jahresfrist zusammengespannt. Anfang Mai wurden innerhalb einer Woche über 70 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Kultur-Herz, was willst du mehr. Da diese «Kulturbühne» hüben wie drüben gut ankam, ist eine zweite Ausgabe im Jahr 2021 vorgesehen. Dann wird der Anlass etwas länger dauern und zwei Wochenenden umspannen.

So weit, so gut. Doch die funkelnde Kulturbühnen-Medaille hat auch eine Kehrseite. Und zwar für den Verein Thurkultur, der Beträge bis zu 10'000 Franken für kulturelle Anlässe spricht. Wer mehr Geld braucht, ist ein kultureller Grossanlass und bewirbt sich um Zuschüsse beim kantonalen Lotteriefonds. «Thurkultur» sprich jährlich Beiträge in der Höhe von rund 200'000 Franken. Normalerweise. Denn vergangenes Jahr waren es nur rund 150'000 Franken.

«Waren mit stark angezogener Handbremse unterwegs»

Der tiefere Betrag hat hauptsächlich zwei Gründe. Einerseits wurden 27'000 Franken für die Kulturbühne gesprochen und standen somit nicht für andere Anlässe zur Verfügung. Andererseits hatte im Vorjahr ein Verlust von 21'000 Franken resultiert. Diese beiden Zahlen ergeben addiert jenen Wert, de weniger zur Verfügung stand. Es gingen auch 26 Gesuche weniger ein als im Vorjahr, nämlich noch 131. Auch dieser Rückgang seht in direktem Zusammenhang mit der Kulturbühne. «Das vergangene Jahr war nicht immer einfach. Wir waren mit stark angezogener Handbremse unterwegs und konnten den Gesuchen nicht immer entsprechen», sagte «Thurkultur»-Präsident David Zimmermann im Rahmen der Mitgliederversammlung am Mittwochabend im Aadorfer Hänkiturm. «Doch der Horizont zeigt sich leicht erhellt», führte Zimmermann weiter aus. So könne man im laufenden Jahr wieder mehr Geld sprechen.

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Präsident David Zimmermann sieht den "Thurkultur"-Horizont nun "leicht erhellt".

Die Frage aber stellt sich: Steht 2021, wenn die nächste Kulturbühne ansteht, das nächste knausrige Jahre bevor? «Nein. Wir bilden schon jetzt Rückstellungen. Zudem wird die zweite Ausgabe günstiger, da die Vorarbeit nicht mehr zu leisten ist und das Konzept bereits steht», sagte Zimmermann.

"Zweiter Franken" derzeit kein Thema

Trotzdem: Ist allenfalls der Zeitpunkt gekommen, um sich dem Thema «zweiter Franken» zu widmen? Stand heute zahlt jede der 21 «Thurkultur»-Mitgliedergemeinden zwischen Oberbüren und Aadorf einen Franken pro Einwohner als Mitgliederbeitrag. Der Kanton verdoppelt die Summe. Bereits einmal gab es vor ein paar Jahren die Bestrebung von Thurkultur, den Mitgliederbeitrag auf zwei Franken zu erhöhen. Doch bei den Politischen Gemeinden wurde keine Mehrheit gefunden.

Laut David Zimmermann ist dieser zweite Franken zwar nicht vom Tisch, derzeit aber kein vordringliches Thema. Der Präsident sagt: «Wir müssen zuerst unsere Hausaufgaben machen und aufzeigen, was wir leisten.» Passend dazu wurde im Spätherbst des vergangenen Jahres der erste Kulturstammtisch gegründet. Das wird allerdings noch nicht genügen, um den zweiten Franken zu rechtfertigen.