Nach einem Unterbruch von hallowil.ch wurde nun zusammen mit «Die Ostschweiz» ein Notfallszenario ausgearbeitet. 

- Das für den Betrieb von hallowil.ch notwendige IT-System wird in der Ukraine gehostet.

- Die Zerstörung der Firma führte zu einem vorübergehenden Totalausfall von hallowil.ch.

- Gemäss ungesicherten Informationen hat einer der IT-Spezialisten einen Angriff nicht überlebt.

- hallowil.ch würde im Fall der Fälle «Gastrecht» auf dieostschweiz.ch erhalten und die Domain www.hallowil.ch umleiten.

Die Auslagerung von IT-Bereichen ins Ausland ist gerade im Online-Segment keine Seltenheit. Unzählige Apps und Webseiten von Schweizer Anbietern werden von IT-Cracks im Osten programmiert. Das hat nicht nur mit Kosten zu tun, sondern auch mit dem Knowhow und der Verfügbarkeit der Kapazitäten.

So wurde auch hallowil.ch 2017 von Programmier-Spezialisten in der Ukraine erstellt. Von Experten, mit denen die Verantwortlichen in Wil regelmässig den Austausch pflegten, mit denen sie den Hintergrund, die Bestandteile und die Vision des Mediums vorgängig wie auch im laufenden Betrieb stetig diskutierten und weiterentwickelten. Die Partnerschaft war befruchtend. Sie war inspirierend und zielführend. Und sie war für die Zukunft angedacht.

Dann kam der Krieg

Er begann an jenem Donnerstag. Und unmittelbar nach den ersten Schreckensmeldungen trat Thomas Feller, Verwaltungsratspräsident von hallowil.ch, erneut in Kontakt mit den in der Ukraine ansässigen Programmierern. Sie zeigten sich optimistisch, dass dieser «Sturm» an ihnen vorbeigehen würde. Ebenso versicherten sie, dass die für den Betrieb von hallowil.ch notwendige Software erheblich geschützt sei. Es waren zuversichtliche Gespräche. Es waren Gespräche mit Menschen, die – rückblickend gesehen – wohl, wie wir alle, noch immer Hoffnung in eine diplomatische Lösung setzten. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Bereits einen Tag später wurde klar: Das Land wird erschüttert. Und diese Erschütterung traf nun auch hallowil.ch.

Mit den Bomben, die in der Ukraine gefallen sind, wurde auch die Webseite und mit ihr die Publikationen vom regionalen Geschehen in einer ersten Phase beeinträchtigt, später dann zwischenzeitlich sogar komplett unterbunden.

Der Grund ist erschütternd

Im Verlauf des Freitags wurde der Medienpark in der Ukraine, in dem auch das IT-Team von hallowil.ch ihren Sitz hat, beschossen und zu grossen Teilen zerstört. Das führte schon rasch zu Unterbrüchen auf hallowil.ch. Zutiefst erschüttert haben das Team von hallowil dann weitere Informationen erreicht. Der für das Portal Verantwortliche wurde seither überhaupt nicht mehr erreicht – gemäss Aussagen von Kollegen hat er einen der russischen Angriffe leider nicht überlebt.

Der letzte Kontakt mit einem weiteren Teammitglied fand am vergangenen Sonntag per Email statt. Man kann sich keine Vorstellung davon machen, was die unmittelbar betroffenen Menschen durchmachen. Verständlich, dass man in einer solchen Situation alles daransetzt, sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Verständlich, dass gewisse Bereiche von einer Minute auf die nächste komplett an Bedeutung verlieren. Was bleibt, ist einzig die Hoffnung auf eine baldige Beruhigung der gesamten Situation.

Was bedeutet dies nun konkret für hallowil.ch?

Seit Freitag, 25. Februar publizierte die in Wil stationierte Redaktion die gewohnten regionalen Meldungen über ein instabiles System. Ein kompletter Zusammenbruch erfolgte dann am Dienstagvormittag, 1. März. Davon betroffen war auch die App von hallowil.ch.

Es ist aktuell nicht möglich, die gesamten Daten ohne Einbezug der örtlichen Experten zu transferieren. Und da leider anzunehmen ist, dass der Krieg und seine Auswirkungen noch über eine lange Zeit schreckliche Wellen werfen werden, ist auch eine auf eine längerfristige Perspektive ausgelegte Planung zur schwer möglich.

Der Verwaltungsrat von hallowil.ch suchte seit Freitagabend nach verschiedenen Möglichkeiten, das Onlinemedium zu retten bzw. auch nach einem kompletten Zusammenbruch des IT-Systems in der Ukraine weiterzuführen. Von Seiten der Verantwortlichen von «Die Ostschweiz» kam schliesslich der Vorschlag, der Publikation vorübergehend «Gastrecht» auf dieostschweiz.ch zu gewähren.

Sollte also die Software, über die hallowil.ch aktuell läuft, ausfallen, würde man die Domain www.hallowil.ch umgehend auf eine Unterseite von dieostschweiz.ch weiterleiten und dort die gewohnten Mitteilungen publizieren.