Es ist der zweite Samstagmorgen, an dem sich einige freiwillige Frauen und Männer über die Bretter des Stalls der Krippe beugen, die jedes Jahr während der Weihnachtszeit in der St.-Sebastians-Kirche steht und seit 76 Jahren Generationen erfreut hat. Die Figuren waren 1942 von Bruno Länzlinger geschnitzt worden, der Stall dürfte um die gleiche Zeit entstanden sein. Sein Fehler: Er war schwer und es brauchte starke Arme, um ihn in die Kirche zu transportierten. Letztes Jahr blieb er deshalb dort, wo er versorgt war und es kamen Strohballen als Umgebung für die Figuren zum Einsatz.

Bewegliche Elemente als Lösung
«Wir müssen etwas ändern», war das Fazit des Pfarreirates Henau. «Wir fragten Martin Niedermann von der Niedermann Holzbau AG um Rat», berichtet Elisabeth Schlauri, Präsidentin des Pfarreirates, «und er hatte sofort eine Idee.» Der Fachmann schlug vor, leichttransportierbare Elemente zu bauen und dafür die alten Bretter wieder zu benutzen. Am ersten Samstagmorgen zerlegten die Freiwilligen den alten Stall und bürsteten die alten Bretter, sodass die Holzmaserung wieder zum Vorschein kam. Der Schmutz von Jahrzehnten verschwand und zum Vorschein kamen charaktervolle Tannenbretter. Am zweiten Samstagmorgen geht es in der Werkstatt von Martin Niedermann in Henau emsig zu und her. Einige knien am Boden, schieben Bretter über ein Grundgerüst zusammen, das Niedermann gebaut hat, und schrauben sie an, andere helfen beim Vermessen der Holzleisten für weitere Gerüste. Die Stimmung ist locker und aufgeräumt. «Die gemeinsame Arbeit verbindet und wir sind froh, dass wir den Henauern, die am alten Stall gehangen sind, einen neuen Stall mit den alten Brettern zurückgeben können», freut sich Elisabeth Schlauri.

Wunsch nach mehr Schafen
Flott geht die Arbeit voran und schon bald stehen die ersten Elemente auf dem neuen Podest, das der Zimmermann angefertigt hat – ebenfalls in Elemente zerlegbar. Es wird sichtbar, dass damit Bewegung in die Weihnachtszeit gebracht werden kann. Je nach Fortschritt der Adventszeit und je nach Gottesdienst können die Elemente umgebaut und die Krippe kann individuell aufgestellt werden. Die Hände der Figuren mussten repariert werden. Diese Arbeit hat der Holzbildhauer Anton Blättler, Stolzenberg, ausgeführt, nachdem Mesmerin Ursula Schönenberger die Figuren mit Seifenwasser gewaschen hatte. Zur Henauer Krippe gehören die Heilige Familie, ein Hirte, ein Hirtenjunge, drei Schafe und nur ein König. «Wir hätten gerne mehr Schafe», ist das Anliegen des Pfarreirates und deshalb lanciert er eine Spendenaktion. In der Kirche wird eine Kasse aufgestellt und dazu ein Spendenbarometer, flankiert von einem Holzschaf, das Pfarreiratsmitglied Manfred Paris mit seinem Sohn anfertigt. Anton Blättler würde sie schnitzen, wenn die Aktion gelingt. «Und wer weiss, vielleicht reicht es noch für zwei Könige», träumt Anneliese Duss, Vizepräsidentin des Pfarreirates.