Sie wurde angeblich von den keltischen Druiden als Zauberpflanze mit goldenen Sicheln geerntet. Beim Schneiden wurden sie in Tüchern aufgefangen, damit sie keinen Kontakt mit der Erde hatten und so ihre Kraft erhalten blieb. Aus Misteln wurde magische Tränke gebraut, die kräftig, mutig und unbesiegbar machten sollten. 

Liebeszauber

Ihre Blätter sind im Winter grün und ihre Beeren reifen im Dezember, dies rückt sie für die Germanen und andere nordische Völker in eine mythologische Verbindung mit der Wintersonnenwende.

Sie gilt als Fruchtbarkeitssymbol für Mensch und Vieh. Das weisse schleimige Fruchtfleisch der Beeren wird mit Sperma in Verbindung gebracht.

Ein Mistelzweig am Haus soll zudem böse Kräfte abwehren. Im angelsächsischen Raum küssen sich Liebende unter Mistelzweigen, damit ihre Verbindung Bestand hat. Bei der Heirat wurden Pflanzenteile als Amulette als Liebessegen getragen.

Tödlicher Pfeil

In sehr alter Zeit entstanden heidnische Sagen um die Pflanze: Der nordische Vegetationsgott Balder träumte immer wieder, dass er einmal ermordet würde.

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Balder, nordischer Gott der Fruchtbarkeit und des Lichts, wird  in einer Sage von seinem blinden Bruder mit einem Pfeil aus Mistelholz ermordet. (Bild: wikipedia) 

Seine Mutter Frigga liess sich von Pflanzen, Tieren, Steinen, Metallen und Wasser das Versprechen geben, dass sie ihm nichts antun würden. Der eifersüchtige Gott Loki erfuhr davon und gab Balders blindem Bruder einen Pfeil aus Mistelholz, der den Vegetationsgott tödlich traf.

Klimaveränderung

Weltweit sind rund 1400 Variationen von Misteln bekannt, im Nahen Osten leuchten die reifen Beeren rot, gelb und orange, hierzulande sind sie weiss. Ihre Samen werden mit Vogelkot verbreitet. Fachleute führen die vermehrte Ausbreitung der Misteln in den letzten Jahren auf die Klimaerwärmung zurück.

Beim Keimen bildet sich ein Saugfortsatz, der in die Wirtspflanze eindringt und ihr Nährstoffe entzieht.

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Darstellungen der Mistel tauchen immer wieder in Medizinbüchern auf, hier eine Darstellung von 1586 (Bild: wikidpedia)  

Die Schmarotzerpflanzen lassen sich nur durch das Absägen des entsprechenden Astes endgültig beseitigen. 

Mistelsträucher können Jahrzehnte alt werden.

Vielfältiges Heilmittel

Seit Jahrhunderten gilt die Mistel als Heilpflanze, im Mittelalter schrieb man ihr eine Wirkung gegen Epilepsie und gegen Schwindel zu. In der modernen Heilkunde schätzt man ihre Wirksamkeit gegen Bluthochdruck sowie als Mittel gegen Krebserkrankungen.

Als Tee getrunken sollen Misteln den Stoffwechsel anregen und die Immunabwehr stärken. Im Weiteren kann er Menstruationsbeschwerden lindern. 

Er wirkt zudem beruhigend und soll so gegen Ruhelosigkeit und gegen Ohrensausen helfen. 

In frischem Zustand  sind die Pflanzenteile giftig. Für einen Tee verwendet man getrocknete Blätter, die in kaltem Wasser angesetzt werden. Am besten lässt man sich in einer Drogerie oder in einer Apotheke beraten.