Gleich zwei Vorstösse sind auf städtischer Ebene hängig, welche die Thematik mit den nicht gesungenen Weihnachtsliedern betreffen. Die SVP-Fraktion tut es mit einer Resolution. Die markanteste Forderung dabei: «Der unbedarfte, unüberlegte Beschluss der Schulleitung des Mattschulhauses soll rückgängig gemacht werden.» Sämtliche Schulleitungen sollen gebührend auf Weihnachten achten und dies mit «entsprechend würdigen Feiern» vermitteln, fordert die Wiler Volkspartei. Bei den Schulleitungen und Lehrpersonen soll das Bewusstsein gestärkt werden, Traditionen und Bräuche nicht einfach auf ihren religiösen Ursprung zu reduzieren, sondern diese als Teil des schützenswerten und zu pflegenden Kulturguts zu respektieren.

Es ist nicht der erste Vorstoss zu dieser Thematik auf kommunaler Ebene. Bereits im November hatte Erika Häusermann (GLP) eine Anfrage an den Stadtrat eingereicht. Sie fragt unter anderem, ob auch schon Kinderbücher zum Thema Weihnachten von Wiler Schulen verbannt worden seien (siehe unten). Auf kantonaler Ebene sind gleich mehrere Vorstösse eingegangen. Weihnachten wird sich dieses Jahr also deutlich über den 24. Dezember hinaus erstrecken.

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Es hagelt politische Vorstösse (27.11.):

Zum zweiten Mal in diesem Jahr steht eine Wiler Primarschule ungewollt im nationalen Fokus. Im Februar war publik geworden, dass am Schulhaus Kirchplatz ein Buch mit völlig veralteten Rollenbildern für Leseübungen verwendet wurde. Der «Negerhäuptling» spielte in diesem eine zentrale Rolle. Noch deutlich höhere Wellen schlägt allerdings das Vorhaben, dass im Matt-Schulhaus drei christliche Weihnachtslieder dieses Jahr an der Adventsfeier nicht mehr gesungen werden – «aus Rücksicht gegenüber anderen Kulturen und Religionen». In den vergangenen Jahren hatte die Liedauswahl für Kritik gesorgt.

Nun wird auch die Politik aktiv - auf kantonaler und kommunaler Ebene. Die CVP-GLP-Fraktion hat am Mittwoch im Rahmen der November-Session des St. Galler Kantonsrats eine Interpellation eingereicht. Dabei will sie wissen, wie die Regierung zu diesem Vorgehen der Wiler Schule steht und wie man christliche Werte solcher Feiern erhalten könne. «Wie kann verhindert werden, dass andere Schulanlässe bezüglich Kultur und Religion neu ausgerichtet werden müssen», fragt die Partei. Sie stellt zudem die Frage in den Raum, ob nun das Mittelstufen-Singbuch «Sing ais», in welchem zwei der drei gestrichenen Lieder vorkommen, überarbeitet wird und allenfalls weitere Lieder aus diesem Buch aufgrund anderer Glaubensgruppen entfernt werden.

Volksschulgesetz soll ergänzt werden

Gar noch einen Schritt weiter gehen die drei SVP-Kantonsräte Ursula Egli (Wil), Markus Wüst (Oberriet) und Sandro Wasserfallen (Rorschacherberg). Zusammen mit 39 Mitunterzeichnenden - davon die grosse Mehrheit ebenfalls aus dem SVP-Lager - fordern sie die Regierung auf, das Volksschulgesetz mit einer Bestimmung zu ergänzen,  welche Schulträger bestärkt, Weihnachtsfeiern als wichtiges, christlich-kulturelles Erbe zu pflegen. «Unser Staat, unsere Gesellschaft und unsere Kultur basieren nach wie vor auf christlichen Grundwerten. Das Weihnachtsfest ist ein ganz wesentlicher Bestandteil davon. Zur Bewahrung unserer Leitkultur soll dieses auch im schulischen Rahmen gepflegt werden dürfen. Gegen derartige kulturelle Abbauversuche gilt es ein klares Zeichen zu setzen», schreiben die Motionäre.

Auch auf kommunaler Ebene ist das Thema angekommen. Die Wiler Stadtparlamentarierin Erika Häusermann (GLP) hat am Mittwoch eine Anfrage an den Stadtrat gerichtet. Dabei will sie unter anderem wissen, wie Weihnachtsfeiern gestaltet werden sollen, wenn die Geburt Christi kein Thema mehr sein darf in Liedern. Mit der Streichung von Weihnachtsliedern werde Kindern eine äusserst fragwürdige Wertung vermittelt. «Gibt es noch Kinderbücher zum Thema Weihnachten an Wiler Schulen oder sind sie auch schon verbannt? Gibt es Sanktionen gegenüber Lehrern und Kindern, wenn die gebotenen Lieder gleichwohl im Schulhaus gesungen werden», fragt Häusermann. Sie will zudem wissen, ob Schüler in ein Schulhaus wechseln dürfen, in welchem entsprechende Lieder zugelassen seien. Bei allen drei Vorstösse sind die Antworten noch ausstehend.

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So hat hallowil.ch am 26.11. berichtet:

Es weihnachtet. Weihnachtsbeleuchtungen werden aufgehängt und an den Schulen wird bereits das Liedprogramm für die Weihnachtsfeier einstudiert. Nicht immer herrscht bei den Weihnachtsfeiern aber durchwegs Weihnachtsfriede. An der Primarschule Matt in Wil hat das Liedprogramm in den vergangenen Jahren zu Reklamationen geführt, wie die Zeitung «20 Minuten» am Dienstag berichtet.

Die Leitung des Mattschulhauses hat reagiert und hinsichtlich der Weihnachtsfeier vom 20. Dezember drei traditionelle Weihnachtslieder aus dem Programm gestrichen. Es handelt sich um die Lieder «Fröhliche Weihnacht überall», «Go Tell On The Mountain» und «S gröschte Gschänk». Dies geschieht «aus Rücksicht gegenüber anderen Kulturen und Religionen», wie es im Artikel weiter heisst. Zwei dieser drei Lieder stehen im Kanton St. Gallen im offiziellen Mittelstufen-Singbuch «Sing ais». In den Liedern wird die Geburt Jesu thematisiert.

Schulpräsidentin: «Vielleicht waren wir übervorsichtig»

 


Entschuldigung der Schulpräsidentin

Das Vorgehen der Schulleitung sorgt für viele Reaktionen. Die Wiler Schulpräsidentin Jutta Röösli entschuldigt sich, «wenn sich jemand dadurch vor den Kopf gestossen fühlt». Aufgrund von verschiedenen Reklamationen in den vergangenen Jahren sei in diesem Fall über die Ausgestaltung der Weihnachtsfeier beziehungsweise über ein ausgewogenes Liederprogramm intern diskutiert worden. «Bei der Auswahl der Lieder wurde sorgfältig vorgegangen. So wurden einige Lieder gestrichen, andere wie zum Beispiel «Stille Nacht» werden an der diesjährigen Feier gesungen», sagt Röösli.

Die Schulverwaltung stellt sich nun aber die Frage, ob dieses Vorgehen übervorsichtig war. Das Thema wird an der nächsten Konferenz der Wiler Schulleitungen besprochen. Ganz grundsätzlich sei die christliche Kultur auch an den Wiler Schulen die Leitkultur. «Die entsprechenden Werte prägen den Schulalltag. So wird die Adventszeit auch in Zukunft in den Schulhäusern eine besondere Bedeutung haben. Weihnachtsfeiern mit Liedern, Texten und Theatern sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Jahresprogramms», sagt Jutta Röösli.

«Geburtstagsparty ohne Geburtstagskind ist Unsinn»

Und was sagen die Muslime dazu? Önder Günes, Sprecher der Föderation der islamischen Dachorganisation der Schweiz, zu hallowil.ch: «Ich kann nachvollziehen, dass christliche Weihnachtslieder zum Bildungsauftrag in der Schweiz gehören. Solange man den Kindern erlaubt, eine eigene religiöse Haltung zu haben, ist das in Ordnung. Wenn zum Beispiel Kinder nicht mitsingen müssen, ist das ein guter Mittelweg.»

Bei der Wiler EVP ist man erstaunt, dass über Weihnachtslieder an den Schulen diskutiert werden muss. Denn das Weihnachtsfest sei in der Gesellschaft verankert und äusserst beliebt. «Leider verkommt es immer mehr zu einem Konsumfest und die Geburt Christi rückt in den Hintergrund. Eine Geburtstagsparty ohne Geburtstagskind ist Unsinn. Daher sollen Weihnachtslieder Bestandteil von Feiern und Besinnungen bleiben, auch in der Schule»; sagt Roman Rutz, Stadtparlamentarier der EVP Wil.

Fast alle finden die Massnahme nicht passend

hallowil.ch hat eine Umfrage lanciert und fragt, ob es richtig ist, dass die drei Lieder nicht mehr gesungen werden. Ein Zwischenergebnis am frühen Dienstagabend ist mehr als deutlich. Schon knapp 500 Personen haben mitgemacht. Nur 4 Prozent aller Teilnehmer finden es richtig, dass die Lieder gekippt wurden. Die Umfrage ist weiter offen. Machen Sie mit.