Immer noch sind Vitrinen, gerne in einer Holz-Glaskombination, bevorzugter Ort der zur Schaustellung. Schreitet der Gastgeber bei einem schönen Essen zu diesem Schrank und greift zu den Gläsern, ist besondere Vorsicht geboten. Kennt man sich sehr gut, darf ruhig an dem leeren Glas kurz geschnuppert werden. Ist die Freundschaft eher leichter Natur, sollte dieser Akt in einem Moment des Alleinseins erfolgen.

Ein leeres Glas muss absolut frei sein von Gerüchen. Leider ist es vielfach so, dass die Gläser „Standschäden“ aufweisen. Die schönen und edlen Gläser sind für den seltenen und festlichen Gebrauch bestimmt und daher zu wenig genutzt. Der Aufenthalt in der Vitrine macht sich unangenehm im Glas bemerkbar. Das Glas weisst Gerüche von Leim oder muffigem Holz auf und hat einen staubigen Charakter. Hier hilft nur die Bitte um ein gründliches Ausspülen. Manchmal ändert aber auch das nichts. Dann ist nur noch der Griff zu einem Glas, das täglich benutzt wird, die richtige Wahl. 

Wenn das zweite Einschenken hilft

Selbst in guten Restaurants geht man mit dieser Thematik wiederholt recht sorglos um. Schnuppern am leeren Glas lohnt sich auch hier. In der Gastronomie ist die Ursache oft anderen Ursprungs. Trotz intensiven Forschungen und Anstrengungen können die Gläser Fremdgerüche vom Waschvorgang aufweisen. In solchen Fällen lohnt es sich, das Glas zu anvinieren. Opfern sie etwas Wein und spülen sie damit das Glas aus. Das hilft meistens. Etwas komplexer ist die Tatsache, dass einige Gläser leer keine Fremdgerüche aufweisen und erst im Kontakt mit dem Wein negativ reagieren. Hier ist etwas Geduld gefordert. Beim zweiten Mal einschenken ist der fehlerhafte Geruch in der Regel nicht mehr vorhanden.

Benedikt Metzger*

* = Benedikt Metzger ist Wein-Akademiker und Bier-Sommelier. Der 53-Jährige wohnt zusammen mit seiner Familie in Wil und ist Hobbybrauer. Er spielt in seiner Freizeit Alphorn und nennt Wandern sein schönstes Hobby.