Wer hat den Portwein erfunden? Nun, diesmal waren es nicht die Schweizer, sondern - wie sollte es anders ein - der Abt eines Klosters im portugiesischen Duorotal. Entdeckt wurde dieser Wein im 17. Jahrhundert durch einen englischen Weinhändler, der auf der Suche nach transportfähigem Wein war. Diese Suche war nicht ganz freiwillig, da die Engländer infolge heftiger Handelskriege mit Frankreich gezwungen waren, portugiesischen Wein zu trinken. Da die Transporte von Portugal zu den Engländern wesentlich länger waren als die Distanzen zu den französischen Weinbaugebieten, waren herkömmliche Weine bei der Ankunft in England vielfach sauer und nicht mehr geniessbar. Die Briten, schlau wie sie waren, setzten daher fertig vergorenem Wein Brandy bei, damit dieser den Transport unbeschadet überstehen konnte. Im Unterschied zu den Engländern wandte der fromme Diener Gottes aber eine andere Methode an. Die Zugabe von Brandy erfolgte bei ihm bereits während der Gärung des Mostes. Dies hatte zur Folge, dass die Hefen infolge des zusätzlichen Alkohols ihren Geist aufgaben und eine deftige Menge Restzucker übrig blieb.

Interessanterweise werden die Portweine auch heute noch in Anwendung dieser Herstellungsart produziert. Sogar das Quetschen der Trauben mit den nackten Füssen ist immer noch eine beliebte Methode um den Traubensaft zu gewinnen. Im ersten Moment ist dieses Bild mit den blau gefärbten Waden etwas gewöhnungsbedürftig. Die Begründung dieses Vorganges liegt aber bei den weichen Fusssohlen, die die bitteren Traubenkerne beim Auftreten nicht verletzen.

Was der Name aussagt

Die Vielfalt von Portweinen ist gross und für den Konsumenten nicht ganz einfach zu verstehen. Die Bezeichnungen der Weine wie Ruby, Tawny, LBV, Colheita, Vintage geben Auskunft über die Machart und die Qualität der Weine. Nebst diesen offiziellen Bezeichnungen sind noch weitere Deklarationen auf dem Markt, die es aber dem Konsumenten nicht einfacher machen. Das ist wohl auch ein Grund für den eher zurückhaltenden Konsum dieses Produktes. Verstärkt wird dieses Verhalten zusätzlich noch durch die anhaltende Diskussion über Zucker in Lebensmitteln und Getränken.

Der «Six Grapes» von Graham’s ist ein gutes Beispiel für einen Reserve Port. Die Bezeichnung «Six Grapes» ist etwas irreführend und gibt nicht Auskunft über die verwendeten Trauben, sondern ist eine eigene Qualitätsbezeichnung des Produzenten.

Sehr dunkles violett-rot, füllig, intensiv, schmeckt nach süssem Brombeer-Holundergelee und Gewürzen, passt zu Schokokuchen, dunkler Schokolade, Blauschimmelkäse oder einfach so, vielleicht mit einer schönen Zigarre, 20 % Vol. Alkohol, Fr. 25.-

Benedikt Metzger*

* = Benedikt Metzger ist Wein-Akademiker und Bier-Sommelier. Der 53-Jährige wohnt zusammen mit seiner Familie in Wil und ist Hobbybrauer. Er spielt in seiner Freizeit Alphorn und nennt Wandern sein schönstes Hobby. Mit diesem Beitrag endet seine Serie auf hallowil.ch.

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Der "Six Grapes" als Paradebeispiel für einen Reserve Port.