«Wenn wir Wildhaus erreicht hatten, wurde es hell. Von dort fuhren wir hinunter ins Rheintal, vor uns tat sich ein Blick ins Weite auf, vor uns lag die Freiheit», so beschreibt Markus Pölzl die Eindrücke, die er als Jugendlicher während der Fahrt mit seinen Töfflikollegen in die Sommerferien ins Tessin erlebt hatte. Wer nie mit dem Töffli diese Strecke gefahren ist, wer seine Jugendzeit nicht als Töfflibueb verbracht hatte, bei dem kommen wohl bei solchen Erzählungen keine grossen Gefühle auf. Nicht so aber bei Pölzl und seinen acht Kollegen, die heute noch und während all der Jahre immer wieder mit den Töfflis unterwegs waren und es noch immer sind. Einer seiner besten Kollegen ist sein Nachbar Reto Jucker. Aufgewachsen in Züberwangen verbrachten sie die Kindheit und später die Jugendzeit zusammen. «Mit 14 Jahren kaufte ich mein erstes Töffli, einen Sachs», erzählt Markus Pölzl. Reto Jucker hatte einen Moto Garelli. Bereits damals schon waren sie unterschiedliche Töfflifans. «Reto ist der Schrauber. Er repariert und veredelt. Ich bin der Fahrer, ich fahre liebend gerne herum», so Pölzl, der die Töffli-Liebhaber in diese zwei Kategorien einteilt. Ein Schrauber ist Reto Jucker bis heute geblieben. Seine Töfflis sind Perlen, die er teilweise auch selber restauriert hat. «Meine Töfflis haben alle eine Geschichte», erklärt er, der immer ein Sommer- und ein Wintertöffli hatte. Für Markus Pölzl ist eine Töfflifahrt nach Feierabend schlichtweg ein Ausbruch aus dem Alltag.

Geilstes Töffli wird prämiert
Zurzeit ist Markus Pölzl in seiner Freizeit nicht nur mit Töfflifahren beschäftigt. Seine Leidenschaft hat ihn in das Organisationskomitee von «Topof19» – dem sechstägigen Fest in Lenggenwil – gebracht. Er ist Ressortverantwortlicher für das Töfflitreffen, das am 1. Juni 2019 stattfinden wird. Ziel ist es, dass mindestens 1019 Fahrer oder Fahrerinnen mit ihren Töfflis nach Lenggenwil kommen und so einen Weltrekord aufstellen. Markus Pölzl, der mit seinen Kollegen immer wieder Töfflitreffen besucht, weiss, was die Zweiradfreaks wollen. Ein Corso führt auf einer rund 20 Kilometer langen Strecke in den benachbarten Thurgau und wieder zurück. Zudem werden das schönste Originaltöffli und das «geilste» Custom-Töffli prämiert. Ein Custom-Töffli ist ein umgebautes Töffli mit einem auffälligen Erscheinungsbild. «Viele haben wunderbar und aufwendig restaurierte Töfflis, diese soll das Publikum auch zu sehen bekommen und die Besitzer sollen für ihren Aufwand und ihre Leidenschaft honoriert werden», erklärt er die Idee der Prämierungen. Er weiss von den Raritäten, er kennt die Leidenschaft der Töfflibuebe und hofft deshalb auch, dass sie am 1. Juni 2019 nach Lenggenwil kommen werden.

Erinnerungen an die Töfflibuebe-Zeit
Markus Pölzl, 47-jährig, fährt heute oft mit dem Velo nach Uzwil zur Arbeit. Das hätte er sich als 14Jähriger nicht vorstellen können. «Jeder hatte damals ein Töffli, das war unser Transportmittel. In diesem Alter immer noch mit dem Velo zu fahren, das war schlicht unvorstellbar. Zudem verkehrten die öffentlichen Verkehrsmittel nur bis etwa abends acht Uhr», so Pölzl. Mit den Töfflis ging es in den Ausgang, am Dienstagabend nach Wil, zum Abendverkauf. Auf der damals noch befahrbaren Oberen Bahnhofstrasse wurden die Schmuckstücke präsentiert. Die Szene kannte sich, wusste wem welches Töffli gehört. Treffpunkte waren allerdings auch die Noise-Box-Disco in der damaligen «Humana» hinter dem Bahnhof oder im Winterquartier in Weinfelden. «Durch diese Mobilität entstand ein Gefühl der Freiheit und Eroberung der Welt», sagt Markus Pölzl. Wenn er mit seinen Kollegen heute auf dem Töffli unterwegs sei, überkomme ihn oft das überwältigende Gefühl von damals. Witzig sei auch, dass jetzt noch jener zuvorderst fahre, der bereits damals vorne war. «Allerdings», so Pölzl schmunzelnd, «haben wir heute Pannen, die damals nie passiert wären, wie ein leerer Benzintank». Sein Töffli ist bereit für den Töfflitreff, organisatorisch hat er allerdings noch zu tun. Freuen tut er sich jetzt schon auf die glänzenden Augen in den vielen fröhlichen Gesichtern aller Töfflibuebe.

Auch ein Geschicklichkeitsfahren
Töfflitreff mit Weltrekordversuch Das Töfflitreffen in Lenggenwil am Samstag, 1. Juni 2019 beginnt um 11 Uhr mit dem Eintreffen der Töfflifahrenden und dem Geschicklichkeitsfahren. Um 15 Uhr startet der Corso, um 17 Uhr finden die Prämierungen statt und es wird bekannt gegeben, ob der Weltrekord gelungen ist. Ab 18 Uhr startet das Unterhaltungsprogramm mit den «Toglauern», deren Musikstil eine Mischung aus Heavy Metal und Volksmusik ist. Bei Anmeldungen bis Ende September wird ein Frühbucherpreis verlost. (pd)