An ihren ersten Einsatz als «Fotoengel» für «Herzensbilder» kann sich Daniela Huber noch genau erinnern. Ein drei Wochen altes Baby, was vermeintlich gesund zur Welt kam, dessen Hirnaktivität aber daraufhin stetig abnahm. Nach vielen Krampfanfällen war klar, dass es keine Therapiemöglichkeiten mehr gibt. Die Eltern wussten: Werden die Maschinen abgestellt, stirbt ihr Neugeborenes. Kaum auf der Welt, wurde ihm das Leben auch schon wieder genommen. Es wird kein freudiges Nachhausekommen geben, keine Mütterberatung wird kommen, um nachzusehen, wie sich das Baby entwickelt. Auch auf das erste Lächeln, die ersten Schritte und Geburtstage warten die Eltern vergebens. Statt dessen: Grenzenlose Trauer, freier Fall, und vielleicht das Schlimmste: leere Hände.

Die Bilder im Kopf bleiben zwar, doch können sie verblassen. Welche Härchen hatte das Baby? Wie sahen seine kleinen Fingerchen aus? Damit immerhin ein kleines Andenken geschaffen wird, dafür sorgte auch in diesem Moment Daniela Huber mit ihrer Kamera. «Kurz, bevor die Maschinen abgestellt wurden, konnten wir die Aufnahmen durchführen», erinnert sie sich. Unendlich nervös war sie, als sie im Auto sass, die Kamera auf der Rückbank. Was würde sie erwarten? Wie werden die Eltern reagieren? Und vor allem: Wie würde SIE selber damit umgehen? «Der Druck vor einem solchen Einsatz ist sehr gross», sagt die Ostschweizerin. «Weil es einfach keine zweite Chance geben wird. Wir haben genau diesen einen Moment, nachholen lässt er sich nicht. Die Bilder müssen sitzen.»

Viele Kabel, winzige Babys

Oftmals sind die Fotos der einzige «Beweis», dass da wirklich ein Baby war, dass man Eltern geworden ist – auch wenn das Wichtigste dafür eigentlich fehlt. Und die Anforderungen, dieses Schicksal bildlich festzuhalten, sind nicht einfach. Manchmal liegen die Babys in Brutkästen, überall sind Kabel und Maschinen. «Die Pflegefachleute stehen uns hilfreich zur Seite, dass wir die Aufnahmen so schön wie möglich machen können», sagt Daniela Huber.

Plötzlich ist alles anders

Die Einsätze für «Herzensbilder» sind ehrenamtlich – und erfordern eine grosse Flexibilität. In den meisten Fällen muss kurzerhand umgeplant werden, wenn ein Anruf aus der Klinik erfolgt. Denn lange Zeit bleibt meist nicht. Für Daniela Huber ist die Arbeit dennoch erfüllend, wie sie erklärt. «Wenn ich fotografiere, bin ich sozusagen in meiner eigenen Welt. Und wenn ich all die Schicksalsschläge sehe, sind die eigenen Probleme überhaupt nicht mehr wichtig. Es ist so schön, den Eltern diese Bilder schenken zu können.» Umso dankbarer sei man für seine eigene Gesundheit. Gerade auch in diesem Moment, in welchem die Ostschweizerin ihr erstes Kind erwartet. Deshalb pausiert sie mit diesen Einsätzen für «Herzensbilder». Der Plan ist jedoch, die Arbeit anschliessend wieder aufzunehmen. «Ich weiss jetzt noch nicht, wie ich dann als Mutter auf solche Situationen reagieren werde. Aufgeben möchte ich die Einsätze aber nicht», sagt sie.

Grosse Anteilnahme

Den Fotografen ist es jeweils freigestellt, ob sie einen Einsatz ausführen oder nicht. Besonders hart trifft es die Ostschweizerin, wenn sie einen Elternteil persönlich kennt. Wie damals, als ein Anruf kam, ob Daniela Huber ein Familienshooting übernehmen könnte, wobei die Mutter an einem Hirntumor litt. «Ich kannte sie vom Sehen, wusste jedoch nichts von ihrer Krankheit.» In solchen Situationen gehe ihr das Schicksal jeweils besonders nahe, daran hätte sie noch länger zu knabbern. Dennoch überwiegen für sie die positiven Seiten. Denn für die betroffene Familie sei jede einzelne Aufnahme besonders wichtig. «Auch wenn ich manchmal denke, ich hätte gerne noch mehr Bilder gemacht, oder noch ein anderes Licht ausprobiert – damit das Ergebnis eben so perfekt wie möglich ist.» Doch für die Familie dürfte es das «Perfekte» ohnehin nicht geben. Weil eben das Wichtigste fehlen wird.