Yael Holenstein aus Bazenheid förderte in ihrer an der Kantonschule Wil eingereichten Maturarbeit «Zuckerfreie Ernährung und deren Auswirkungen auf den Körper» Erstaunenswertes zutage. «Dass es in süssen Esswaren Zucker hat, verwundert nicht. Aber es steckt praktisch überall industrieller Zucker drin, so dass wir viel zu viel Zucker in uns aufnehmen, wenn wir nicht aufpassen. Denn Zucker hat es selbst dort, wo wir es nicht vermuten – zum Beispiel in Essiggurken», hat die junge Frau herausgefunden.

Dass dem so ist, hat mit dem Umstand zu tun, dass Zucker ein billiger und zugleich süchtig machender Geschmacksverstärker ist. Beides sind für die Lebensmittelindustrie Fakten, die sich positiv auf Umsatz und Geschäft auswirken. Mit Auswirkungen von ganz anderer Art haben jedoch zunehmend die Konsumenten zu kämpfen. Wie die Gymnasiastin darlegt, begünstigt der übermässige Konsum von industriellem Zucker die Entstehung von diversen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislaufkrankheiten, Karies oder Fettleber.


Mehr Orientierungshilfe statt Anweisung

Ziel von Holensteins Arbeit war es, herauszufinden, ob sich ein 40-tägiger Verzicht auf industriellen Zucker auf die Konzentration, das Gewicht und den Blutzuckerspiegel auswirkt. Und zu guter Letzt legte die Maturandin ihr Augenmerk darauf, ob sich die Lust auf Süsses während der 40 Tage veränderte. «Ich ging davon aus, dass das Gewicht der fünf Testpersonen durchschnittlich um zwei Kilo sinken, sich der Blutzucker positiv verändern und die Lust an Süssem nach den 40 Tage abgenommen haben würde», so Holenstein. Um für alle ähnliche Voraussetzungen zu schaffen, arbeitete sie einen Menüplan aus – welcher die Probanden jedoch nicht als strikte Anweisung, sondern vielmehr als praktische Orientierungshilfe verstehen sollten.

Auf die Frische kam es an

Ganz wesentlich sei gewesen, dass die Personen alle Mahlzeiten frisch zubereiteten, denn «in Halbfabrikaten steckt schon sehr viel Zucker drin – zum Beispiel in der Marinade fürs Fleisch», so Holenstein. Sehr positiv habe sich der Zuckerverzicht bei allen im Gewicht ausgewirkt, wurde doch durchschnittlich 3,1 Kilogramm abgenommen. Weitere positive Effekte seien bei allen eine gesteigerte Konzentration und – nach einigen Wochen – eine reinere Haut gewesen. Während Letzteres ersichtlich war, wurde ersteres mit einem Computerprogramm zu Beginn und am Ende des Experimentes gemessen, dass die Aufmerksamkeit mass, welche die Probanden während einer gewissen Zeit für eine Aufgabe aufzuwenden vermochten.

Vitaler gefühlt und besser geschlafen

Derweil diese Annahmen durchaus Yael Holensteins Erwartungen entsprachen, setzte es bei der vermuteten Blutzuckerspiegel-Senkung eine Überraschung ab. «Über alles gesehen, hatte in diesen 40 Tagen weder eine grosse Senkung noch ein grosser Anstieg stattgefunden. Es scheint, dass sich der Körper sehr gut auf anpasst, wenn sich die Bedingungen ändern», bemerkte Holenstein dazu. Alles in allem sei die 40-tägige Abstinenz von industriellem Zucker «sehr positiv gewesen», denn «ich habe man am Ende des Versuchs vitaler gefühlt und auch viel besser geschlafen».