«Wer kennt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?», fragt Friedrich Schiller in seiner Ballade «Die Kraniche des Ibykus». Die Frage nach ihrer Herkunft machten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Nationenfest in der Uzehalle schon durch typische Bekleidung sichtbar. Es ging um ein frohes Gemeinschaftsfest und nicht um Mord und Rache wie in Schillers Gedicht. Einen ganzen Samstag lang herrschte frohes Treiben, ein Kommen und Gehen in der Halle. An 20 Ständen wurden nationale Köstlichkeiten zubereitet und angeboten. An langen Tischen konnten sie genossen und der Kontakt über Herkunfts- und Sprachgrenzen hinaus gepflegt werden.Das Fest der Begegnung der Kulturen und Nationen wird alle zwei Jahre gefeiert. Am 20. Mai fand es zum sechsten Mal in der Uzehalle in Niederuzwil als Gemeinschaftsanlass von Uzwil und Oberuzwil statt. Hervorgegangen war es aus kleinen Anfängen im katholischen Pfarreiheim Niederuzwil.


Das Fest hat bereits Tradition und einen festen Stellenwert bei manchen Nationalgruppierungen und vielen Einwohnern von Uzwil, Oberuzwil und aus der Umgebung. Man kennt sich und sucht und pflegt den Kontakt. Mit einem Ausländeranteil von über einem Viertel der Bevölkerung und rund 40 vertretenen Nationen hat man in Uzwil allen Grund, dem Zusammenleben und Zusammenwachsen grosse Beachtung zu schenken. Auch wenn das Nationenfest nur alle zwei Jahre stattfindet, ist es mehr als Tropfen auf den heissen Stein in den Integrationsbemühungen.

Vielfalt sichtbar gemacht
Im Mittelpunkt der Uzehalle, dort wo sich üblicherweise eine kalte Eisfläche befindet, luden lange Tischreihen zum Verweilen ein. Sie füllten sich den ganzen Tag über immer wieder mit wechselnden Besuchern. Sie genossen die nationalen Spezialitäten, welche an den zwanzig Ständen rund um die Halle angeboten wurden. Mit Ständen vertreten waren Gruppen aus Afghanistan, China, Costa Rica, Ecuador, Italien, Japan, Kolumbien, Kosovo, Kroatien, Kurdistan, Litauen, Nigeria, Philippinen, Portugal und Serbien. Dass die Schweiz nicht fehlte, versteht sich. Auch die Markthalle Uzwil und das Hello Kafi stellten sich vor.

Respekt und Toleranz
Das Programm des Tages war gewohnt bunt aus einheimischen und fremdländischen Darbietungen zusammengestellt. Aus der Region traten die Jugendmusik Uzwil, die Xangbox und der Didgeridoo-Treff Oberuzwil auf. Tanzgruppen kamen aus dem Kosovo, aus Serbien, aus den Phlippinen und aus Südamerika, Trommler aus Afrika.

Zum offiziellen Teil am Nachmittag konnte Kari Bürgler zwei Gäste aus der Politik begrüssen: die St. Gallker Stadträtin Maria Pappa und den Oberuzwiler Gemeindepräsidenten Cornel Egger.

Maria Pappa, deren Eltern aus Süditalien in die Schweiz gekommen sind, bekundete Verständnis für die Not von Immigranten. Sie habe in der Familie erfahren, was es heisse, das Heimatland verlassen zu müssen, weil es dort keine Perspektive gebe. Ihr Anliegen ist es, dass Menschen aus fremden Ländern in ihrer Eigenart akzeptiert werden.

Cornel Egger unterstrich die Bedeutung der Integration. Gegenseitige Achtung und Toleranz seien unabdingbar. Integration sei eine staatliche Kernaufgabe. Den Organisatoren des Nationenfestes dankte er für den wichtigen Beitrag, den sie diesbezüglich leisteten.

Der Reinerlös der Veranstaltung geht an die Afghanistanhilfe Schaffhausen.