Schwester Veronika hat das Gelübde als "geweihte Jungfrau" abgelegt, lebt nicht im Kloster und sorgt selbständig für ihren Lebensunterhalt. Sie erzählt aus ihrem bewegten Leben.Gemeindepräsident Kurt Enderli begrüsst Schwester Veronika und die rund 50 interessierten, vorwiegend weiblichen Zuhörer.

Kopf oder Zahl - für oder gegen das Kloster
Schwester Veronika wuchs behütet, als jüngstes von 5 Geschwistern auf und wollte nach der Matura ein Kunststudium beginnen. Aus Interesse am katholischen Glauben ging sie jedoch oft in die Kirche und spürte dann die Berufung zu Gott. Sie besuchte viele Klöster, führte viele Gespräche und lotete so aus, wo sie ihren Platz finden konnte. Die Entscheidung traf sie mit einem Münzwurf; Kopf für ein Karmelkloster oder Zahl für "geweihte Jungfrau". Die Münze zeigte den Kopf, aber die junge Frau wusste sofort: "das ist es nicht". So wurde sie eine unabhängige "geweihte Jungfrau". Schon in der Urzeit gab es diese Art von Schwestern, die ein Leben für Gott lebten, aber sich selber versorgten. Seit 1971 gibt es die "geweihten Jungfrauen" auch bei uns wieder. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Religonslehrerin in der Lenzerheide, fühlte die junge eigenwillige Frau, dass es sie in die Welt hinaus zog um zu helfen.

Missionsarbeit in Boliviens Bergwüsten
Wiederum stand eine Entscheidung an zwischen zwei Extremen, entweder Himalaya oder die Anden. Schwester Veronika und ihre Begleitung reisten mit wenig Gepäck nach Südamerika in die kargen Bergwüsten von Bolivien. Nach drei Jahren Missionsarbeit und vielen Erlebnissen passierte ein einschneidendes Ereignis stand sie wiederum vor einer Entscheidung. Zurück in die Heimat oder in Südamerika bleiben? Sie kehrte zurück in die Schweiz. Vom Erlebten ausgebrannt und kraftlos brauchte sie fast ein Jahr um ihren Elan wiederzuerlangen. In dieser Zeit, die sie auch als Lebensschule einstuft, prüft sie ihren Glauben und die Liebe zu Gott, schwankt zwischen Vertrauen und Angst hin und her. Schwester Veronika betet und schreibt viel und kommt gestärkt aus dieser Krise heraus. Seit dieser Zeit ist ihr Lebensmotto " wer loslässt wird gehalten". Seither arbeitet sie als Gefängnisseelsorgerin in Bündner Justizvollzugsanstalten. Die Mehrsprachigkeit von Schwester Veronika hilft ihr sehr viel bei diesem Job. Sie möchte die Täter nicht als schlechte Menschen per se ansehen, sondern ihnen das Gefühl vermitteln, sie seien als Person gut, aber die Tat sei schlecht. Mit ihrer Fröhlichkeit und Beherztheit hätte sie schon manchem Verbrecher Tränen der Rührung entlockt.

Rosenkranz beten auf der Autobahn
Nach den interessanten Ausführungen dürfen die Besucher Fragen stellen. Mich nimmt es Wunder, warum ihr Habit aus blauem Jeans-Stoff ist und ob sie es selber näht. Schwester Veronika lacht und meint, früher habe sie es selber genäht, obwohl sie nähen gar nicht liebt. Jeansstoff habe sie gewählt, weil er praktisch sei und Neues und Altes verbinde. Aber seit sie in Kurt Aeschbacher Sendung war, lässt sie es von einer Schneiderin anfertigen. Es kommen Fragen zu ihrem sozialen Netz, Freunden und ihrem Tagesablauf. Der Rosenkranz und die Eucharistie gehört zu den Basics für Schwester Veronika. Augenzwinkernd erklärt sie, dass es sich beim Autofahren auf der Autobahn sehr gut Rosenkranz beten lässt. Nebst anderen Hobbies die sie hat, verrät sie uns dass sie Limoncello selber mache. Im Schlusswort erklärt sie, dass es neben Gott wohl auch "böse Mächte" gibt, aber Gott liesse es nie zu uns ins Messer laufen zu lassen. Kurt Enderli überreicht ihr als Präsent einen Thurgauer Geschenkharass, den Schwester Veronika mit grosser Freude entgegennimmt.
Im Anschluss wird ein Apéro offeriert und es wurde noch einige Zeit geplaudert und zusammengesessen.