Und es hat sich gelohnt, nicht nur wegen dem Publikumsaufmarsch von gegen 40 Leuten, nein, vor allem wegen dem Konzert an sich. Es wurde ein Abend der leisen Töne, der zarten und intelligenten Klänge, Gitarren pur, ganz ohne technische Effekte, sieht man von den kleinen Verstärkern ab. Das ist, bei aller Leichtigkeit, mit der die Musiker sich zwischen Standards und Eigenkompositionen zu bewegen schienen, oftmals keine einfache Kost für das Publikum, kein Easy Listening, das Zuhören erforderte Konzentration und Stille. Kurz: Einmal mehr war es ein erinnernswertes Konzert, eines, das wiederum aufzeigt, das «Gino» ein ganz breites Spektrum von Musik nicht nur kennt, sondern es auch schätzt und aus diesem Fundus abwechslungsreich auftreten lässt.

Manfred Junker studierte von 1991 bis 1995 an der Jazzschule St. Gallen. Anschliessend erhielt er ein Stipendium des renommierten Berklee College of Music und führt sein Studium in Boston weiter. Nach Unterricht bei Lehrern wie Hal Crook, Ed Tomassi, Rick Peckham und Jim Kelly und einem Auftritt bei der Konferenz der «International Association of Jazz Educators» in Atlanta (1996) schliesst er im selben Jahr das Diplom mit "Summa cum laude" ab. Zurück in Deutschland zieht Manfred Junker nach Konstanz, unterrichtet seither in der Schweiz und spielt vor allem mit seinen Bands, aber auch als Sideman regelmässig Konzerte. Stilistisch fusst sein Spiel zunächst im Bop, hat sich aber in den letzten Jahren sehr erweitert. Junkers Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart von Jazz und verwandten Musikstilen haben deutliche Spuren hinterlassen und machen Schubladendenken sinnlos.

Der 1950 in Bedford Village, New York geborene John Stowell blickt auf eine Karriere zurück, die in den frühen 1970er Jahren beginnt und ihn seither als «reisenden Minnesänger» der Jazzgitarre in oft monatelangen Tourneen durch die ganze Welt reisen lässt. Eine Aufzählung seiner musikalischen Aktivitäten und Begegnungen ist endlos und unglaublich: Sein Ende der 70er Jahre gegründetes Duo mit dem Bassisten David Friesen tourt überaus produktiv sieben Jahre lang mit Auftritten in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa und Australien und spielt auch heute noch Konzerte. 1983 unternimmt John mit David Friesen, dem Flötisten Paul Horn und dessen Sohn Robin (am Schlagzeug) eine historische Tour durch die Sowjetunion, da diese Band als erste US-amerikanische Jazzband seit vierzig Jahren zu öffentlichen Auftritten in der UdSSR eingeladen wird. Später kehrt John 1993, 1995 und 1998 für weitere Tourneen nach Russland zurück.

By Werner Warth