«Es gilt als das wertvollste Zimmer im Hof», sagt Stadtführer Ruedi Schär im baufällig wirkenden Raum im 2. Stock. Grund für seinen hohen Wert ist die blaue Farbe an den Deckenbalken. Deren Pigmente wurden aus dem Halbedelstein Lapislazuli gewonnen. Dieser wird vor allem in Afghanistan abgebaut. 

Seit dem Mittelalter gilt die Farbe Blau wegen ihren anspruchsvollen Umständen der Gewinnung als besonders edel und wertvoll. Bedingt durch ihren hohen Preis wurde sie sehr zurückhaltenden verwendet. Noch heute sind die aus Lapislazuli gewonnen Pigmente einen Kilopreis von rund 15 000 Euro wert. 

Ab dem 12. Jahrhundert wurde die blaue Farbe in der Kunst für die Darstellung der Kleider der Gottesmutter Maria eingesetzt. Später trugen Könige und ihre Höflinge aus Gründen des Prestiges blaue Kleidungsstücke.

Weshalb diese wertvolle Farbe in einem Zimmer im Hof zum Streichen Deckenbalken verwendet wurde, ist gemäss Schär unbekannt.


Bauliche Anpassungen

Der Ortsbürgerrat vermutet, dass unter dem moosgrün gestrichenen Deckentäfer in der zweiten Hälfet des Raums ebenfalls blau gestrichenen Balken verborgen sind. Die entsprechende Deckenverkleidung wurde in späterer Zeit angebracht. Insgesamt änderte sich im Laufe der Jahrhunderte einiges im Raum. So stützen nachträglich eingefügte Streben einen gebrochenen Querbalken.

Flickwerk

In einer Fensternische sind blasse Überreste einer Freskomalerei zu erkennen. Das entsprechende Mauerwerk weisst zahlreiche Hiebe auf. «Diese wurden angebracht, damit der Verputz besser haftet», meint Ruedi Schär. Offensichtlich legten die Hausherren wenig Wert auf den Erhalt des kulturhistorischen Erbes im Hof. So wurden etwa einzelne Wandmalereien im «blauen Zimmer» mit Verputz und mit Tapeten abgedeckt. Sie stammen mutmasslich aus der Brauereizeit, die anfangs den des 19. Jahrhundert auf die fürstäbtische Phase folgte.

An einzelnen Balkenteilen sind ornamenthafte Malereien zu sehen. Erkennbar sind auch verschiedene Jahrzahlen an den Balken. An einer Stelle trägt Jahreszahl 1325, eine weitere ist mit 1523 beschriftet. Und auch die Jahreszahl 1602 wurde aufgemalt.