Am 8. März 2022, dem Wiler Frauentag, trafen sich rund 70 Teilnehmende zu einem Podiumsgespräch und zu einer Aussprache in der Wiler Tonhalle. Das Publikum war vor allem weiblich. Es konnte auf Zetteln Anliegen und Ideen notieren, wie Frauen im öffentlichen Raum in Wil sichtbarer werden.

Diese Wünsche wurden zuhanden des Stadtrates am 14. Juni 2022, dem Frauenstreiktag, Stadtpräsident Mäder übergeben. Als Anliegen wurden etwa familienergänzende Betreuungsangebote formuliert, dazu zählen laut dem Forderungskatalog bezahlbare Kita-Plätze. 

Verlangt werden auch zahlenmässig ausreichende Tagesstrukturen für Schulkinder und zweckmässige Lösungen für Kindergartenkinder. Im Weiteren wurden auch Tagesschulen gefordert. 

Bestätigung von Fürsorge-Tätigkeit

Auch Wünsche zum Thema Care-Arbeit wurden Anliegen geäussert; der aus dem Englischen stammende Begriff wird mit Sorge, Fürsorge übersetzt. Gemeint ist vor allem Kinderbetreuung, häusliche Pflege sowie familiäre Unterstützung. Die Stadt Wil soll in diesem Bereich eine Vorreiterrolle übernehmen und eine Art Arbeitszeugnis oder eine Bestätigung ausstellen, die Carearbeit-Leistende Stellenbewerbungen beilegen können, fordern die Frauen.

Genderbeauftragte

Ein weiteres Begehren bezog sich auf eine Genderbeauftragte. Diese soll mit Hilfe der Stadt das Leben von Frauen im öffentlichen Raum in Wil vereinfachen. Konkret ist damit etwa die Bahnhofsgestaltung im Bereich Sicherheit gemeint, weitere Wünsche sind vermehrte öffentliche Toiletten sowie eine prioritäre Trottoir-Räumung bei Schneefall.

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(Archivfoto: Adrian Zeller) 

Auf Nachfrage bei der Stadt Wil hat hallowil folgende Stellungnahme erhalten:

«Der Stadtrat hat im September 2022 gegenüber dem Verein Wiler Frauentag Stellung genommen zu den von ihnen eingereichten Anliegen. Dabei hat der Stadtrat festgehalten, dass er sich schon heute engagiere, um die Leistungen der Frauen sichtbar zu machen und sich auch weiterhin dafür einsetzen werde, Frauen und ihre Anliegen zu fördern und ihnen auch Gehör zu verschaffen. Zu den einzelnen Anliegen hat der Stadtrat unter anderem Folgendes festgehalten:

Elternzeit (für städtische Angestellte)

Der Stadtrat setzt sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Bereits heute hält sich die Stadt Wil als Arbeitgeberin an die gesetzlichen Bestimmungen und gewährt Müttern und Vätern Mutter- respektive Vaterschaftsurlaub. Des Weiteren ermöglicht die Stadt Wil Müttern, wenn es die betrieblichen Verhältnisse zulassen, einen verlängerten Mutterschaftsurlaub zu beziehen und erleichtert ihnen den Wiedereinstieg in den Berufsalltag – wenn möglich – mit einem reduzierten Pensum.

Der Stadtrat ist grundsätzlich bereit, eine Elternzeit von moderater Dauer für städtische Angestellte zu prüfen. Jedoch ist eine allfällige Einführung von diversen Faktoren, u.a. finanziellen und betriebsinternen, abhängig und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht garantiert oder in Aussicht gestellt werden.

Familienergänzende Kinderbetreuung

Die Stadt Wil hat es sich zum Ziel gesetzt, die familienergänzende Kinderbetreuung weiter zu fördern und zu verbessern. Dazu gehört sowohl ein bedarfsgerechter Ausbau des Angebots wie auch attraktivere Elterntarife. Erste Massnahmen wurden bereits umgesetzt und zusätzliche Mittel für die Subventionierung der Elterntarife gesprochen. Ab dem Jahr 2024 soll der Kantonsbeitrag für die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung verdoppelt werden, weshalb dannzumal geplant ist, die Elterntarife noch attraktiver zu gestalten.

Zudem hat das Stadtparlament im Herbst 2022 eine Motion betreffend Pilotprojekt Tagesschule erheblich erklärt. Der Stadtrat wird nun einen entsprechenden Bericht und Antrag ausarbeiten.

Frauen stärken

Auf privater Initiative gibt es in der Gesellschaft bereits Gruppierungen/Vereine, die sich die Stärkung/Förderung von Frauen zum Ziel gesetzt haben. Auch die Stadt als Arbeitgeberin ist bestrebt, Frauen zu fördern, indem auch Kaderpositionen, wie die Stadtschreiberstelle, nach Möglichkeit mit einer für die Funktion geeigneten Frau besetzt werden. Aus der Sicht des Stadtrats ist das Engagement einer Genderbeauftragten zurzeit nicht erforderlich, da die Stadt Wil die Frauenförderung immer noch mit bereits vorhandenen Ressourcen sicherstellen kann.

Sichtbarmachung von Carearbeit und Frauenarbeit

Die Stadt Wil kann nur Arbeitsbestätigungen oder Arbeitszeugnisse für Personen ausstellen, die auch für sie tätig sind. Der Stadtrat ist aber bereit, in Bereichen, in denen sie mit Freiwilligen zusammenarbeitet, diesen engagierten Personen inskünftig einen Einsatznachweis auszustellen (Dossier freiwillig engagiert von benevol Schweiz). Damit würde die Freiwilligenarbeit generell (nicht nur von Frauen) sichtbarer gemacht.»

www.wilerfrauentag.ch